24.02.2012
EL-Achtelfinalist Hannover 96
Ein Sieg für die Geschichtsbücher
Hannover-Profis Diouf, Schlaudraff, Abdellaoue (v.l.): Elf Spiele in Folge ungeschlagen
Hamburg - Bier war das große Thema nach dem Spiel. Die Fans von Hannover 96 konnten davon nicht genug bekommen, nachdem ihr Team mit einem Sieg beim FC Brügge das Achtelfinale der Europa Legaue erreicht hatte. Die Mannschaft musste sich in Enthaltsamkeit üben: "Alkohol ist kein guter Ratgeber", sagte 96-Trainer Mirko Slomka nach dem bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Den belgischen Fans hingegen schmeckte das Ausscheiden ihres Clubs so gar nicht, sie bewarfen Hannovers Mannschaftsbus mit Bierflaschen.
Der Zwischenfall auf dem Rückweg zum Flughafen konnte die gute Laune beim Bundesligisten aber nicht trüben. Sogar der Gegner war begeistert von 96: "Es ist sensationell, was sie alles erreicht haben. Man spürt, sie strotzen vor Selbstvertrauen, sie haben einen Lauf, und sie glauben an sich", zollte Brügges Trainer Christoph Daum Respekt.
Hannovers Spieler nahmen es zufrieden zur Kenntnis - und wollten nach der Partie nur noch in den Charterflieger und nach Hause. Nach der Energie-Leistung auf dem matschigen Rasen waren die meisten 96-Profis zu erschöpft, um ausgiebig zu feiern, wie es ihre Fans in der mittelalterlichen Innenstadt Brügges taten.
"Wir sind stolz auf dieses Team, das Außergewöhnliches erreicht hat", sagte Hannovers Präsident Martin Kind, für den alles, was international jetzt noch kommt, nur Zugabe ist. Und die heißt im Achtelfinale Standard Lüttich, ein alter Bekannter. In knapp zwei Wochen trifft Hannover auf das Team, gegen das es seine bislang einzige Niederlage in der Europa League kassiert hatte. Am fünften Spieltag der Gruppenphase hieß es in Belgien 0:2 aus Sicht von 96.
"Lüttich kennen wir ja, da haben wir noch etwas gut zu machen", kommentierte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke die Paarung. Und Slomka sagte: "Das wird ein brutal schweres Spiel, das wissen wir." Im Hinspiel am 8. März (21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Lüttich wird 96 auf den gelb-gesperrten Jan Schlaudraff verzichten muss. Doch im Gegensatz zu den Duellen mit Lüttich im vergangenen Jahr hat Slomka nun einen weiteren durchsetzungsstarken Stürmer im Kader: Mame Diouf, der in Brügge den Siegtreffer erzielte.
"Es ist ein großartiges Gefühl", sagte Diouf: "Es ist toll, eine Runde weiter zu sein." Überrascht war der Stürmer nur über den nächsten Gegner, den er nicht kannte. "Wirklich? Wir spielen gegen ein anderes belgisches Team", fragte der Senegalese, der in der Winterpause von Manchester United nach Hannover gewechselt war.
Mit dem Erfolg in Brügge ist 96 nun seit elf Partien in Folge ungeschlagen. Daher sagt Slomka mit Blick auf das kommende Bundesligaspiel: "Wir fahren auch nach Dortmund mit einer Chance." Sein Torwart Ron-Robert Zieler formulierte es noch selbstbewusster: "Da wollen wir auch punkten." Am Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) muss der Tabellensiebte Hannover beim Tabellenführer BVB antreten. Der Meister kassierte seine letzte Bundesliga-Niederlage in dieser Saison am sechsten Spieltag. Gegner damals: Hannover 96.
ham/sid/dpa