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14.03.2012
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Real-Profi Nuri Sahin

Königlicher Karriere-Knick

Von und
Getty Images

Bei Real Madrid erlebt Nuri Sahin die bitterste Phase seiner Karriere. Nur 24 Liga-Minuten hat er bisher für die Spanier absolviert, Trainer José Mourinho prophezeit ihm eine harte Zukunft. Wechseln darf Sahin nicht, obwohl sein alter Club Borussia Dortmund Interesse bekundet.

Es war ein glanzvoller Schuss, dieser Schlenzer, und ein bedeutender noch dazu. Als Nuri Sahin den Ball aus rund 18 Metern zum 2:1 im Netz versenkte, war der große Gegner im Meisterschaftskampf demoralisiert. Auch dank ihm gewann sein damaliger Verein Borussia Dortmund 3:1 bei Bayern München und räumte die letzten Zweifel an einer Meisterschaft des BVB aus. Der bisher letzte Treffer des Türken in der Fußball-Bundesliga gelang ihm im vielleicht besten Spiel seiner Karriere. Ein Jahr ist das jetzt her.

Nach dem Sieg im Februar 2011 feierten Dortmund und Sahin im Mai den Titelgewinn. Kurz darauf gab der jüngste Debütant der Bundesliga-Geschichte unter Tränen seinen Abschied aus Dortmund bekannt. Bei Real Madrid, dem spanischen Rekordmeister, bei den Besten der Besten wollte er sich durchsetzen. Doch seitdem geht es für den 23-Jährigen nur noch bergab.

Um die Misere des Mittelfeldmannes zu verdeutlichen, reicht eine Zahl. Ganze 24 Minuten hat Sahin seit seinem Wechsel in der Primera División bisher für seinen neuen Club gespielt. 2012 ist er bislang als einziger Real-Feldspieler noch ohne einen einzigen Einsatz. Sahin ist im Starensemble der "Königlichen" untergegangen.

Chancen auf eine baldige Besserung waren lange Zeit ebenfalls nicht vorhanden. Sein Trainer José Mourinho sagte noch vor wenigen Wochen: "In dieser Saison wird es schwer für Sahin." Der hat in Madrid gleich für sechs Jahre unterschrieben. Doch schon im Winter wurde ein Verkauf diskutiert. Insgesamt sieben Clubs sollen Interesse am Jungstar gezeigt haben, darunter zwei englische Top-Vereine, der italienische Erstligist Inter Mailand - und Borussia Dortmund.

Dortmund erkundigte sich nach Sahin

Dort heißt es, Sahin sei "immer interessant", aber weder die Ablösesumme noch das Gehalt seien für den Verein zu stemmen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat sich der BVB in der Winterpause nach den Konditionen eines Sahin-Transfers erkundigt. Zu Verhandlungen kam es aber nicht. Grund war auch ein Veto von Real Madrid. Am Ende hatte der spanische Rekordmeister einem Wechsel im Winter widersprochen. Für Sahin war das eine Katastrophe.

Der Nationalspieler, der bereits mit einer komplizierten Knieverletzung nach Madrid gewechselt war und kurz nach seiner Genesung erneut eine Blessur am anderen Knie erlitt, die ihn wochenlang außer Gefecht setzte, ist nun endlich wieder fit. Doch inzwischen fehlen ihm nahezu zwölf Monate an Wettkampfpraxis. Was er braucht, sind Spiele. Die bekommt er derzeit aber nur in der Nationalelf. Ende Februar lief er in einem Test gegen die Slowakei (1:2) auf und überzeugte. Real-Trainer Mourinho sagte dazu lediglich: "Ich will niemanden beleidigen, aber Real Madrid ist besser als die Türkei."

Der Tabellenführer der spanischen Liga eilt von Sieg zu Sieg. Vor dem 27. Spieltag beträgt der Vorsprung vor dem Erzrivalen FC Barcelona zehn Punkte, der 32. Meistertitel der Vereinsgeschichte scheint dem Club kaum noch zu nehmen. Sahin steht kurz vor seinem ersten großen Erfolg in Spanien, doch freuen wird er sich darüber kaum. Im defensiven Mittelfeld vertraut Coach Mourinho anderen Kräften. Zuletzt gab es Partien, für die Sami Khedira, Lassana Diarra, Xabi Alonso und sogar Esteban Granero ausfielen. Mourinho ließ dann den Nachwuchsmann Alvaro Morata statt Sahin spielen. "Wir machen hier keinen Firlefanz oder lassen Leute spielen, die ihre Leistung nicht bringen", sagte der Portugiese.

Verkauf im Sommer scheint ausgeschlossen

Auf einen Wechsel im Sommer zu hoffen scheint illusorisch. Aus Madrid ist zu hören, ein Sahin-Verkauf sei auch dann ausgeschlossen. Für Mourinho wäre ein Scheitern des Türken ein persönliches Problem. Der Portugiese soll Sahin während der vergangenen Saison höchstselbst beobachtet und ihn am Ende sogar gegen einige interne Widerstände, insbesondere von Seiten des mittlerweile geschassten Sportdirektors Jorge Valdano, nach Madrid geholt haben.

Vor wenigen Tagen soll es deshalb zu einem Gespräch zwischen Sahin und Mourinho gekommen sein, bei dem der Portugiese seinem Profi klar gemacht haben soll, dass er ihn noch nicht aufgegeben hat. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, berief Mourinho den ehemaligen Akteur von Borussia Dortmund sogar in den 18-Mann-Kader für das Champions-League-Rückspiel gegen ZSKA Moskau (4:1).

Allerdings sagte der Portugiese Sahin auch, dass er ihn erst wieder ab der Saison 2012/2013 ernsthaft in seine Planungen mit einbezieht. Die Warnung dahinter ist unmissverständlich: Sahin bekommt nach seinem problematischen Start noch ein Jahr Schonzeit. Wenn er sich in diesem Zeitraum erneut nicht durchsetzt, wird er die spanischen Hauptstadt wohl vorzeitig verlassen müssen. Sahin selbst schweigt seit Monaten, sagte lediglich Ende September, dass es für ihn "keine leichte Zeit" sei. Auch auf mehrmalige Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte er sich nicht zu seiner Situation äußern.

Stattdessen will Sahin endlich seinen Traum leben und regelmäßig in der Königsklasse spielen. Eine bessere Möglichkeit als bei Real Madrid, dem Dauerabonnent auf das Europapokal-Ticket, wird er nicht wieder bekommen.

Forum

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insgesamt 27 Beiträge
1.
Shaft13 14.03.2012
War doch abzusehen. Viel geleistet hatte er doch bisher nicht. Eine hervorragende Saison beim BVB und schon haut er nach Madrid ab. Dabei hat er international noch nie geglänzt,sei es in der CL ,Europaleague oder bei [...]
Zitat von sysopGetty ImagesBei Real Madrid erlebt Nuri Sahin die bitterste Phase seiner Karriere. Nur 24 Liga-Minuten hat er bisher für die Spanier absolviert, Trainer José Mourinho prophezeit ihm eine harte Zukunft. Wechseln darf Sahin nicht, obwohl sein alter Club Borussia Dortmund Interesse bekundet. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,821154,00.html
War doch abzusehen. Viel geleistet hatte er doch bisher nicht. Eine hervorragende Saison beim BVB und schon haut er nach Madrid ab. Dabei hat er international noch nie geglänzt,sei es in der CL ,Europaleague oder bei Länderspielen.
2.
mycon 14.03.2012
Tja, regelmäßig in der Champions League zu spielen, das hätte er in Dortmund haben können. Bei Real hat er das nun nicht, dafür aber gute Sitzplätze.
Zitat von sysopGetty ImagesBei Real Madrid erlebt Nuri Sahin die bitterste Phase seiner Karriere. Nur 24 Liga-Minuten hat er bisher für die Spanier absolviert, Trainer José Mourinho prophezeit ihm eine harte Zukunft. Wechseln darf Sahin nicht, obwohl sein alter Club Borussia Dortmund Interesse bekundet. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,821154,00.html
Tja, regelmäßig in der Champions League zu spielen, das hätte er in Dortmund haben können. Bei Real hat er das nun nicht, dafür aber gute Sitzplätze.
3. Ich habe kein Mitleid
stephan87 14.03.2012
Wenn ein junger Spieler wie Sahin nach einer guten Saison glaubt er könne es bei Real Madrid schaffen, dann ist das sein rein persönliches Risiko gewesen. Jeder wird ihm gesagt haben, dass es verdammt schwer ist. Aber Geld und [...]
Wenn ein junger Spieler wie Sahin nach einer guten Saison glaubt er könne es bei Real Madrid schaffen, dann ist das sein rein persönliches Risiko gewesen. Jeder wird ihm gesagt haben, dass es verdammt schwer ist. Aber Geld und Glamour sind für ihn halt wichtiger gewesen, folglich hat er jetzt auch Pech gehabt. Ich bezweifle dass ihn ein Verein aus dem Vertrag rauskauft. Er wird den Vertrag auf der Bank absitzen und muss dann hoffen, dass er dannach irgendwo einen Neuanfang machen darf.
4. Alles relativ
andi5lebt 14.03.2012
Die Tatsache, daß er ewig verletzt war, relativiert die 24 Minuten und diesen etwas überdramatischen Artikel etwas. Wollen wir ihn mal noch nicht begraben.
Zitat von sysopGetty ImagesBei Real Madrid erlebt Nuri Sahin die bitterste Phase seiner Karriere. Nur 24 Liga-Minuten hat er bisher für die Spanier absolviert, Trainer José Mourinho prophezeit ihm eine harte Zukunft. Wechseln darf Sahin nicht, obwohl sein alter Club Borussia Dortmund Interesse bekundet. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,821154,00.html
Die Tatsache, daß er ewig verletzt war, relativiert die 24 Minuten und diesen etwas überdramatischen Artikel etwas. Wollen wir ihn mal noch nicht begraben.
5. vor allem gutbezahlt
merkel123 14.03.2012
wird der Tribuenenplatz fuer Sahin sein. Ein gut recherchierter Artikel haette die Gehaltsdifferenz zwischen DO und Real zumindest mal angedeutet. 2,3,4 Mio. jaehrlich? Und das fuer 6 Jahre, ich denke, es gibt [...]
Zitat von myconTja, regelmäßig in der Champions League zu spielen, das hätte er in Dortmund haben können. Bei Real hat er das nun nicht, dafür aber gute Sitzplätze.
wird der Tribuenenplatz fuer Sahin sein. Ein gut recherchierter Artikel haette die Gehaltsdifferenz zwischen DO und Real zumindest mal angedeutet. 2,3,4 Mio. jaehrlich? Und das fuer 6 Jahre, ich denke, es gibt schlimmere Sportler-Schicksale.

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