13.05.2012
Dortmunder Pokal-Triumph
"Da werden Helden geboren"
Aus Berlin berichtet Felix MeininghausAls das 3:1 gefallen war, gab es für Norbert Dickel kein Halten mehr. Die Dortmunder Fußball-Ikone hüpfte auf der Pressetribüne des Berliner Olympiastadions herum und brüllte in sein Mikrofon. Währenddessen fielen ihm Zuschauer mit schwarz-gelben Schals um den Hals und herzten den ehemaligen Stürmer, als habe er selbst gerade ein Tor geschossen. Dickels große Zeiten als Spieler sind längst vorbei. Inzwischen berichtet der 50-Jährige für das BVB-Internetradio. Am Samstagabend durfte er den Hörern mitteilen, dass der Verein seines Herzens den Rekordpokalsieger FC Bayern 5:2 gedemütigt hatte.
Für die Münchner, die am kommenden Samstag das Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea bestreiten, bedeuteten die 90 Minuten von Berlin ein Debakel - für die Dortmunder hingegen einen Triumphzug. Zum ersten Mal in seiner 103-jährigen Geschichte hat es der BVB geschafft, sich das Double zu sichern. "Gewinnt für uns das Spiel heut und werdet unsere Helden", hatten Borussia-Fans im Berliner Olympiastadion vor dem Spiel auf einem Spruchband gefordert. Und die Spieler kamen dieser Aufforderung nach.
Dreieinhalb Stunden nach Spielende ergriff Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Wort. Da waren die Feierlichkeiten im E-Werk nahe des Potsdamer Platzes längst im Gange. "An einem solchen Tag werden Helden geboren", rief Watzke, und dann forderte er die Mannschaft auf: "Kommt auf die Bühne, ihr Helden."
Bereits zuvor hatten Mannschaft und Funktionäre im Stadion gefeiert. Nach dem Schlusspfiff war Trainer Jürgen Klopp durch die BVB-Kurve getobt. Mittelfeldspieler Kevin Großkreutz hatte sich eine riesige schwarz-gelbe Fahne geschnappt und war die Stufen über dem Marathontor hochgeeilt. Die Fans sangen: "Dortmunder Jungs, Dortmunder Jungs, wir sind alle Dortmunder Jungs."
"Was heute hier geschehen ist, kann man definitiv nicht in Worte kleiden", sagte Klopp: "Wir arbeiten gerade daran, das zu verarbeiten." Und dann holte der Coach weiter aus: "Man könnte meinen, wir hätten vier Jahre darauf hingearbeitet, jeden Ball reinzuschießen."
Und in der Tat wirkte es, als hätte der Dortmunder Erfolgslauf der vergangenen zwei Jahre im Pokalfinale seinen Höhepunkt erreicht. Es schien, als könnten die BVB-Profis gar nicht am Tor vorbeischießen, obwohl sie noch nicht einmal ihre beste Saisonleistung abgerufen hatten. Für den fünften Sieg in Folge über den FC Bayern reichte es trotzdem. Das war zuvor noch keiner Mannschaft gelungen.
Klopp wurde am Abend gefragt, wie es möglich sei, in dieser Regelmäßigkeit gegen die Bayern zu triumphieren. Der Erfolgstrainer grinste und antworte: "Indem man sich wenig einen Kopf macht, dass eine Serie irgendwann einmal reißen kann." Das nächste Duell mit dem Rekordmeister kann also kommen.


