16.05.2012
Stimmen zum Skandalspiel
"Das ist ungeheuerlich"
Bundestrainer Löw: "Nun sind der DFB und die DFL gefragt"
Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident) und Reinhard Rauball (Präsident des Ligaverbandes): "Mit Bestürzung und Sorge haben wir die Vorkommnisse zur Kenntnis genommen. DFB und Ligaverband sind sich darüber einig, dass solche unverantwortlichen und die Gesundheit der vielen friedlichen Fans gefährdenden Szenen in einem Fußballstadion nicht tolerierbar sind und konsequent geahndet werden müssen. Die Sportgerichtsbarkeit des DFB ist auch in diesem konkreten Fall dafür zuständig, das angemessene Strafmaß zu finden. Der Kontrollausschuss hat die Ermittlungen bereits aufgenommen.
Joachim Löw (Bundestrainer): "Ich finde es ungeheuerlich, dass eine Minderheit von Fans vor dem Schlusspfiff auf den Platz rennt. Ungeheuerlich gegenüber der Mannschaft und dem Verein, in einer Situation, in der es um so viel geht. Nach dem Abpfiff kann ich meiner Freude freien Lauf lassen. Nun sind der DFB und die DFL gefragt."
Hans-Peter Friedrich (Bundesinnenminister): "Ich erwarte, dass die 54 Fußballvereine in den drei Profiligen vor Beginn der nächsten Saison ein gemeinsames, konkretes Handlungskonzept vorlegen, in dem es unter anderem um bundesweite Stadionverbote für gewaltbereite Ultras geht sowie um ein Verbot von Pyrotechnik. Wir sind uns mit dem DFB einig, dass Ausschreitungen wie bei den Relegationsspielen in Düsseldorf und Karlsruhe nicht hinnehmbar sind. Wir setzen unsere Fußballkultur aufs Spiel, wenn wir dieser Gewalt kein Ende bereiten."
Dagmar Freitag (Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag): "Das, was in Düsseldorf geschehen ist, besitzt eine neue Qualität. Man muss jedes Detail unter die Lupe nehmen, damit solche Auswüchse in Zukunft verhindert werden können. Da sind DFL, DFB, Politik und Polizei gefordert. Ich denke, allein mit der Stärkung von Fanprojekten werden wir nicht weiterkommen. Hier geht es nicht mehr darum, Freude und Übermut von Fans in den Griff zu bekommen, sondern hier geht es um die Sicherheit von Menschen. Das muss Vorrang haben."
Christoph Schickhardt (Anwalt von Hertha BSC): "Die Spieler saßen mit Todesangst leichenblass in der Kabine. Im Gesetz steht: Wenn Einflüsse von außen auf ein Spiel treffen, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, muss wiederholt werden. Der Schiedsrichter Wolfgang Stark hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern wohl nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern. Es war ein irreguläres Spiel."
Otto Rehhagel (Trainer Hertha BSC): "Die Begleitumstände waren eine Katastrophe. Das habe ich noch nie erlebt und hätte es auch gerade in Düsseldorf nie für möglich gehalten."
Wolf Werner (Manager Fortuna Düsseldorf): "Der Schiedsrichter hat das Spiel, wie er sich geäußert hat, wieder angepfiffen und dann korrekt abgepfiffen. Es ging beim Platzsturm nicht um Gewalt, sondern um Freude. Das ist natürlich keine Entschuldigung. Das Wort Gewalt will ich aber in diesem Zusammenhang nicht angewendet haben."
Gunter A. Pilz (Fanforscher): "Man muss die Vorkommnisse trennen. Dass euphorisierte Düsseldorfer Fans den Platz stürmen, dafür kann man sogar Verständnis aufbringen. Wenn einer rennt, rennen sie alle. Das ist eine Unsitte, aber doch noch nachvollziehbar. Beim letzten Abstieg der Hertha haben in Berlin Anhänger das Feld mit einer anderen Intention gestürmt, nämlich um zu bedrohen und zu zerstören. In Düsseldorf stellte das Zünden von Pyrotechnik das größere Ärgernis dar. Damit soll provoziert werden, vor allem die gegnerischen Fans, es geht um eine symbolische territoriale Eroberung des Stadions."