21.05.2012
Bayern-Frust
Null Bock auf Niederlande
Hamburg - Mark van Bommel brachte es auf den Punkt: "Niemand braucht dieses Spiel. Die Bayern nicht und wir auch nicht. Ich freue mich auf meine Rückkehr nach München, aber diese Partie ist überflüssig." Der Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft tritt am Dienstag (20.30 Uhr) mit seinem Team beim FC Bayern an.
Die Partie war eigentlich als Entschädigung gedacht. Eine Entschädigung dafür, dass sich Arjen Robben bei der WM 2010 schwer verletzt hatte und den Bayern so ein halbes Jahr fehlte. Die Vorstände und medizinischen Abteilungen des deutschen Rekordmeisters und des niederländischen Verbandes überzogen sich mit gegenseitigen Vorwürfen und Beleidigungen.
Doch nach der frustrierenden Finalpleite in der Champions League haben die Bayern keine Lust mehr auf Entschädigungen. Sie wollen einfach ihre Ruhe. "Es wäre ein schönes Spiel geworden, wenn wir das Finale gewonnen hätten. Da wäre das so ein richtig schöner Saisonabschluss", sagte Präsident Uli Hoeneß. Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer und der "Pott" - noch einmal hätten sich die Bayern-Profis als Europas Beste in einer dann vermutlich sogar ausverkauften Arena feiern lassen können. Hätten.
"Der sportliche Stellenwert ist gleich null."
Im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Südfrankreich kritisierte auch Manager Oliver Bierhoff die Partie: "Der sportliche Stellenwert ist gleich null."
Vor allem für Hauptdarsteller Robben wird es drei Tage nach seinem folgenschweren Elfmeter-Fehlschuss in der Verlängerung gegen Chelsea kein Vergnügen. "Vielleicht spiele ich mit beiden Mannschaften", hatte er ursprünglich gesagt. Doch Bondscoach Bert van Marwijk, der nie seine Abneigung gegen das Spiel verhehlt hatte, hat mit Robben andere Pläne. "Es ist vertraglich festgelegt, dass er spielen muss. Aber es steht nirgendwo, wie lange", verkündete van Marwijk im EM-Vorbereitungscamp der Niederländer in Lausanne. "Ich bin der einzige, der bestimmt, wann er reinkommt", sagte van Marwijk.
Die Niederländer beschränken ihren Aufenthalt in München auf das Nötigste. Erst wenige Stunden vor dem Anpfiff reisen sie aus der Schweiz ein und fliegen am Mittwochmorgen gleich wieder zurück. Dabei könnte das Team die Partie eigentlich als Test gut gebrauchen, spielen sie doch in der EM-Vorrunde gegen die deutsche Mannschaft. Und die besteht zum Großteil aus Bayern-Spielern.
Sogar die Fans scheinen kein Interesse an diesem Frust-Spiel zu haben. Um möglichst viele Zuschauer in die Arena zu locken, hat der FC Bayern den Preis für Eintrittskarten um 50 Prozent ermäßigt. Ticketinhaber erhalten zudem eine zweite, kostenfreie Karte dazu.
leh/dpa