23.05.2012
Pfiffe gegen Robben
"Das ist ein Skandal"
Hamburg - Er wollte nur noch weg. Wortlos, mit einem gequälten Lächeln auf den Lippen, verließ Arjen Robben die Münchner Arena, verfolgt von einer Schar Journalisten. Beim Testspiel der Niederlande gegen den FC Bayern (2:3) wurde Robben, der nur für die Nationalmannschaft spielte, von einem Teil der eigenen Fans ausgepfiffen - zu viel für den 28-Jährigen.
Seine Teamkollegen und Nationaltrainer Bert van Marwijk verurteilten das Verhalten der Fans. "Es ist eine Schande, dass Arjen ausgepfiffen wurde. So etwas gehört sich nicht", sagte van Marwijk. Auch Mark van Bommel, viereinhalb Jahre in Diensten des FC Bayern, war empört. "Das ist ein Skandal. So etwas habe ich in München noch nie mitgemacht", sagte der Mittelfeldspieler. "Man muss doch sehen, was er in den vergangenen Jahren für den Club getan hat. Ich hätte nicht gedacht, dass das bei Bayern München passiert."
Robben war erst eine Viertelstunde vor dem Ende eingewechselt worden. Beim Warmlaufen vor der Südkurve war der 28-Jährige, der im vielleicht entscheidenden Meisterschaftsspiel bei Borussia Dortmund und dann im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea in der Verlängerung je einen Elfmeter verschossen hatte, noch mit aufmunterndem Applaus bedacht worden. Doch nachdem er den Platz betreten hatte, gab es bei jedem Ballkontakt lautstarke Pfiffe.
Ein Teil der Bayern-Anhänger unterstützte Robben mit Sprechchören. Doch der Eklat war da. Statt einer Aufarbeitung des Champions-League-Desasters gegen den FC Chelsea wurde die Partie für Robben zum Spießrutenlaufen.
"So vergrault man ihn"
"Der FC Bayern sollte sich schämen, das hat Arjen nicht verdient", sagte Nationalmannschaftskollege Rafael van der Vaart. Wesley Sneijder attackierte auch die Münchner Chefs. "Man hat schon die Tage zuvor gesehen, dass keiner aus dem Club ihn geschützt hat. So vergrault man ihn", sagte der Mittelfeldspieler und schob hinterher: "Wenn es nach mir geht, kommt er im Sommer zu mir zu Inter Mailand."
In der Tat scheint ein Abschied Robbens in der derzeitigen Gemengelage bei den Bayern nicht ausgeschlossen. Zwar hat der Offensivspieler erst vor kurzem seinen Vertrag bis 2015 verlängert, doch ob er angesichts der jüngsten Vorkommnisse nach der Europameisterschaft tatsächlich nach München zurückkehrt, ist ungewiss. "Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich mir das ganz genau überlegen", sagte van Bommel.
Im Lager der Bayern versuchte man den unschönen Saisonausklang herunterzuspielen. "Damit muss er leben. Es waren doch nur vereinzelte Fans", sagte Trainer Jupp Heynckes. "Er hat ja auch starken Beifall bekommen", so Sportdirektor Christian Nerlinger.
Robben selbst stößt nun erst am Freitag zur niederländischen Nationalmannschaft ins Trainingslager in Lausanne. "Und dann werden ihn unsere Jungs schon wieder aufbauen", sagte Trainer van Marwijk, der seinen endgültigen EM-Kader bereits am Samstag verkünden will. Robben wird dabei sein. Endlich eine gute Nachricht.
leh/dpa

