01.06.2012
Löws EM-Baustellen
Die fünf Fragezeichen
Von Benjamin Knaack und Nils LehnebachRechts oder links? Auf welcher Seite Philipp Lahm bei der EM verteidigt, ist bislang ungeklärt. Würde es nur um den Bayern-Profi selbst gehen, wäre die Frage auch weniger wichtig: Der deutsche Kapitän ist auf beiden Seiten stark - stärker sogar als alle anderen Spieler im DFB-Kader. So ist die Frage viel mehr, ob Bundestrainer Löw eher Jérôme Boateng (rechts) oder Marcel Schmelzer (links) zutraut, eine EM ohne Aussetzer zu spielen.
Es spricht vieles für den Münchner Boateng, der zwar ab und an zu Grätschen neigt, die niemand versteht, insgesamt aber - vor allem aufgrund seiner körperlichen Stärke - der Geeignetere ist. Schmelzer kann eigentlich nur damit argumentieren, dass er, als einziger der drei Kandidaten, Linksfuß ist und somit beim Flanken von der linken Seite Vorteile gegenüber Lahm hat.
Doch entscheidend ist die Fuß-Frage nicht. Denn auch Lahm kann über links attackieren und mit seinen Dribblings ins Zentrum für Gefahr sorgen. Dies zeigte sich auch im Testspiel gegen Israel (2:0), wo über Lahms linke Seite laut Sportdatenanbieter Opta 47 Prozent der deutschen Angriffe eingeleitet wurden. Dazu kommt: Der zweikampfstarke Lahm, gegen Israel mit 80 Prozent gewonnener direkter Duelle bester DFB-Spieler, wird links hinter einem offensiv ausgerichteten Lukas Podolski eher gebraucht, als auf der anderen Seite hinter dem ohnehin defensiv besser mitarbeitenden Thomas Müller.

