18.06.2012
EM-Gruppe C
Cassano und Balotelli schießen Italien ins Viertelfinale
Von Christian PaulHamburg - So leicht kommt man ins Viertelfinale: Italien hat am Montagabend im Spiel gegen Irland eine durchschnittliche Leistung gereicht, um sich bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine für die Runde der besten acht Mannschaften zu qualifizieren. Beim 2:0 (1:0)-Sieg gegen die bereits ausgeschiedenen Iren erzielten Antonio Cassano vom AC Mailand in der 35. Minute und Mario Balotelli von Manchester City (90.) die Treffer des Abends.
"Ich habe gelitten und Freude empfunden. Es war ein sehr schwieriges Spiel. Heute haben wir verstanden, dass es über die Qualität hinaus auch Herz braucht", sagte Italiens Trainer Cesare Prandelli. Durch den Sieg belegt Italien mit nun fünf Punkten in der Abschlusstabelle der Gruppe C Rang zwei, weil Welt- und Europameister Spanien gegen Kroatien 1:0 (0:0) gewann.
Irland, das vom Italiener Giovanni Trapattoni trainiert wird, kassierte die dritte Niederlage im dritten Spiel. "Wir haben gut gespielt, ohne allzu viele Chancen zu kreieren. Wir sind enttäuscht, dass wir nichts mitnehmen, aber wir haben gegen bessere Mannschaften verloren", sagte Stürmer Robbie Keane.
Nach dem unnötigen 1:1 gegen Kroatien brauchte Italien im letzten Gruppenspiel unbedingt einen Sieg. Daniele de Rossi (1.) traf mit einer Volleyabnahme nach einer Flanke von Antonio di Natale nur die Bande. Es sah alles nach einem furiosen Auftakt der "Azzurri" aus.
Doch die Iren, nach zwei Spielen bereits mit sieben Gegentreffern, verteidigten zunächst geschickt. Aus dem Spiel heraus konnte Italien kaum Gefahr entwickeln. Stattdessen gab es regelmäßig Kontergelegenheiten für die Trapattoni-Elf, die diese jedoch viel zu selten konsequent zu Ende spielten. Die 39.000 Zuschauer in Posen sahen eine schwache Partie.
Ecke von Pirlo bringt Italiens Führung
Der Weitschuss von Italiens Verteidiger Federico Balzaretti aus mehr als 30 Metern war bereits pure Verzweiflung (17.). Spielmacher Andrea Pirlo, Torschütze gegen Kroatien, blieb zunächst wirkungslos. Dafür war di Natale, der zunächst anstelle von Balotelli im Angriff auflief, anzumerken, dass er seine Chance nutzen wollte.
Der Stürmer von Udinese Calcio hatte seine beste Aktion der ersten Hälfte in der 30. Minute, als sein Schuss am Arm eines irischen Verteidigers landete. Die Italiener forderten einen Handelfmeter, doch Schiedsrichter Cüneyt Cakir pfiff nicht. Vier Minuten später hatte di Natale bereits Irlands Keeper Shay Given umkurvt, konnte den Ball aus spitzem Winkel aber nicht mehr im Tor unterbringen.
Für die Führung brauchte Italien eine Ecke. Cassano köpfte die Hereingabe von Pirlo an die Unterkante der Latte. Von dort prallte der Ball deutlich hinter der Linie wieder auf den Boden: 1:0 (35.).
Die "Azzurri" versuchtne nach dem Seitenwechsel schnell das 2:0 zu erzielen, di Natale (48.) und Cassano (49.) scheiterten jedoch. Ihre Schüsse blieben in der irischen Abwehr hängen. Trapattoni, der als Coach von Juventus Turin und Inter Mailand in den siebziger und achtziger Jahren mehrere Meisterschaften und Europapokalsiege feierte, verzichtete zur zweiten Halbzeit auf Wechsel - obwohl die erste Hälfte Mängel in nahezu allen Mannschaftsteilen offenbarte.
Irland kann nicht mehr kontern
Als Keane in der 53. Minute eine Ecke herausholte, bejubelten die Fans das wie einen eigenen Treffer. So harmlos die Iren in der Offensive waren, so bemüht blieben die "Azzurri", ohne jedoch zu überzeugen. Di Natales Schuss parierte Given (54.), Claudio Marchisio verfehlte das Tor deutlich (58.). Nach rund einer Stunde war das Niveau der Partie wieder deutlich gesunken.
Für Abwechslung sorgte lediglich ein Freistoß von Keith Andrews, der Italiens Torwart Gianluigi Buffon mit einem Schuss aus rund 30 Metern prüfte (78.). Der Freistoßschütze sah in der 89. Minute wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte. Eine Minute darauf machte Balotelli nach einer Ecke alles klar: Der eingewechselte Stürmer überwand Given mit einer Volleyabnahme aus kurzer Distanz (90.). Im Viertelfinale am kommenden Samstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) trifft das Team nun auf den Tabellenzweiten der Gruppe D. "Das Minimalziel ist erreicht", sagte Torhüter Buffon.
Italien - Irland 2:0 (1:0)
1:0 Cassano (35.)
2:0 Balotelli (90.)
Italien: Buffon - Abate, Barzagli, Chiellini (57. Bonucci), Balzaretti - Pirlo - Marchisio, T. Motta, De Rossi - Di Natale (74. Balotelli), Cassano (63. Diamanti)
Irland: Given - O'Shea, Dunne, St. Ledger, Ward - McGeady (65. Long), Whelan, Andrews, Duff - Keane (86. Cox), Doyle (76. Walters)
Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei)
Zuschauer: 38.794
Gelbe Karten: Buffon, Balzaretti, De Rossi - O'Shea, St. Ledger
Gelb-Rot: Keine - Andrews (89./wiederholtes Foulspiel)

