19.06.2012
DFB-Gegner Griechenland
"Es riecht nach 2004"
Griechenlands Verteidiger Sokratis: Ein Hauch von Portugal
Hamburg - Die Stimmung beim deutschen Gegner Griechenland ist prächtig: Drei Tage vor dem EM-Viertelfinale gegen die DFB-Elf am Freitag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) spaßen die Spieler während des Trainings, von Anspannung keine Spur. Derzeit ist im griechischen Lager viel vom Hauch von Portugal die Rede, wo Griechenland vor acht Jahren sensationell Europameister wurde. "Es riecht nach 2004", sagt Innenverteidiger Sokratis, in der Bundesliga bei Werder Bremen unter Vertrag.
Auch damals waren die Griechen der krasse Außenseiter. Wie bei diesem Turnier setzten sie sich nur knapp als Gruppenzweiter durch und trafen im Viertelfinale auf einen der Favoriten: Frankreich. Der weitere Verlauf ist bekannt: Griechenland schlug nicht nur die Franzosen sondern im Halbfinale auch noch Tschechien und besiegte im Endspiel Portugal. Im DFB-Lager hofft man, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.
Druck wegen des Vergleichs mit der Siegermannschaft von 2004 verspüren die Griechen offenbar nicht. "Wir haben unser erstes Ziel erreicht. Jetzt haben wir nichts mehr zu verlieren. Der Rest ist Zugabe", sagt Kyriakos Papadopoulos von Schalke 04, der gemeinsam mit Sokratis die griechische Innenverteidigung bildet.
Die Defensive ist das Prunkstück des Teams. Allerdings stört es Trainer Fernando Santos mittlerweile, dass seine Mannschaft nur auf die Verteidigung reduziert wird. "Wir wären nicht hier bei der EM-Endrunde, wenn wir nur in der Defensive gut wären", sagt der Portugiese.
Griechenland souverän in der EM-Qualifikation
Die Zahlen aus der EM-Qualifikation geben dem Coach Recht: Von zehn Spielen gewann Griechenland sieben, spielte zudem dreimal unentschieden, erzielte 14 Tore und kassierte fünf. Die Griechen setzten sich als Gruppenerster gegen den Zweiten Kroatien durch. Unter Santos, der nach der WM 2010 das Amt von Europameister-Trainer Otto Rehhagel übernommen hatte, verloren die Griechen von 24 Spielen nur zwei.
"Wir werden gegen Deutschland gewinnen. Sogar in einem möglichen Elfmeterschießen", tönt Mittelfeldspieler Konstantinos Katsouranis, der auch 2004 im Kader der Griechen stand. Ebenso wie Kapitän Georgios Karagounis, der gegen Deutschland aber wegen einer Gelbsperre fehlen wird. "Das ist ein ziemlich heikler Ausfall. Karagounis ist der Kopf des Teams", sagt Frank Wormuth, der bei der EM für den DFB unterwegs ist und andere Teams beobachtet. Trifft seine Analyse zu, braucht Deutschland im Viertelfinale vor allem Geduld: "Griechenland lässt nicht viel zu."
ham/sid/dpa