24.06.2012
Frankreichs Aus im Viertelfinale
Mission gescheitert
Von Michael Baltes
Nationalspieler Ribéry: EM-Aus im Viertelfinale
Hamburg - Die französische Nationalmannschaft war bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine angetreten, um die Schmach der WM 2010 vergessen zu lassen. Gelungen ist es ihr nicht. Zwar überstanden "Les Bleus" bei diesem Turnier die Gruppenphase, was immerhin eine Steigerung im Vergleich zu 2010 ist, trotzdem war die Vorstellung der Grande Nation insgesamt enttäuschend.
Im Viertelfinale musste sich Frankreich 0:2 gegen Spanien geschlagen geben. Eine Niederlage, die ansich keine Tragödie darstellt, gegen den Welt- und Europameister kann man verlieren. Für die eigentliche Blamage sorgte das Auftreten des Teams auf und neben dem Platz während des gesamten Turniers.
Das Team agierte in allen seinen EM-Spielen in der Offensive ohne Ideen und Kreativität. Weder Franck Ribéry noch Karim Benzema schafften es, sich entscheidend in Szene zu setzen. Ribéry verzettelte sich immer wieder in sinnlosen Dribblings, Benzema blieb im Torabschluss trotz zahlreicher Versuche glücklos. Zudem sorgten ein Kabinenzoff und ein verbaler Fauxpas von Samir Nasri neben dem Platz für Schlagzeilen.
"Wir sind sehr enttäuscht", sagte Frankreichs Coach Laurent Blanc nach dem Aus gegen Spanien: "Wenn man verliert, hat immer etwas gefehlt. Wir haben aber nicht schlecht gespielt." Spanien habe in der ersten Halbzeit viel mehr Ballbesitz gehabt, aber kaum Chancen. "Bei einem 0:0 in der Halbzeit wäre mehr möglich gewesen. Wir sind viel gelaufen und haben die Räume eng gemacht. Einige Chancen hatten wir auch. Aber wir haben sie nicht genutzt", so der Trainer weiter.
Die Analyse spiegelt das Spielgeschehen nur teilweise wider: Defensiv agierte das Team von Blanc in der Tat sehr geschickt. Mit intelligentem Raumverhalten machten die Franzosen den Platz für die Spanier eng und unterbanden so deren Offensivbemühungen frühzeitig. Im eigenen Angriff blieben die vor der EM als Geheimfavorit gehandelten Franzosen vieles schuldig.
Dabei wirkte die Hintermannschaft der Spanier keinesfalls sicher. Genau wie in den vorangegangenen Gruppenspielen war Gerard Piqué mit der Rolle des Abwehrchefs sichtlich überfordert. Die Franzosen verpassten es aber, diese Schwachstelle zu nutzen. Zu behäbig und ungenau agierte die Equipe Tricolore vor dem gegnerischen Strafraum und bei Kontern. Die beste Möglichkeit des EM-Geheimfavoriten vergab Yohan Cabaye in der 32. Minute bei einem Freistoß aus 25 Metern.
Blanc lässt Zukunft offen
Das als offizielles Verbandsziel ausgegebene Viertelfinale hat Blanc zwar erreicht, glücklich ist man im eigenen Land mit dem Abschneiden allerdings nicht. Zu enttäuschend waren schon die Auftritte in der Gruppe gegen England, die Ukraine und Schweden gewesen. "Ich weiß nicht, ob man von einer positiven Euro sprechen kann", sagte Frankreichs Verbandspräsident Noël Le Graët.
Auch Blanc gab sich bedeckt. "Wir müssen alles im Detail analysieren", so der Coach. Zudem ließ Blanc offen, ob er zukünftig weiter als Nationaltrainer arbeiten werde. Er kündigte lediglich Gespräche für die "kommenden Tage" an. Blancs Vertrag läuft nach dem Ende des Turniers in Polen und der Ukraine aus.
Neben dem sportlichen Misserfolg sorgte das Team genau wie 2010 in Südafrika neben dem Platz für negative Schlagzeilen. Bereits nach der Niederlage gegen Schweden waren Hatem Ben Arfa und Trainer Blanc in der Kabine aneinandergeraten. Nach dem Viertelfinal-Aus beschimpfte Samir Nasri nun einen französischen Journalisten aufs Übelste.
Der negative Höhepunkt einer gescheiterten Mission.
Spanien - Frankreich 2:0 (1:0)
1:0 Xabi Alonso (19.)
2:0 Xabi Alonso (91.)
Spanien: Casillas - Arbeloa, Piqué, Sergio Ramos, Alba - Busquets - Xavi, Xabi Alonso - Silva (65. Pedro), Iniesta (84. Santi Cazorla) - Fàbregas (67. Torres)
Frankreich: Lloris - Réveillère, Rami, Koscielny, Clichy - M'Vila (79. Giroud) - Cabaye, Malouda (65. Nasri) - Debuchy (64. Ménez), Ribéry - Benzema
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer (in Donezk): 47.000
Gelbe Karten: Sergio Ramos - Cabaye, Ménez (2)