24.06.2012
Deutschland vor EM-Halbfinale
Schweinsteiger klagt über Schmerzen, Lahm warnt vor Italien
Nationalspieler Schweinsteiger: "Zeit noch nicht gekommen, wo ich mich schonen kann"
Hamburg - Er ist ein Leistungsträger in der deutschen Nationalmannschaft, enttäuschte bei der Europameisterschaft aber bislang weitgehend: Bastian Schweinsteiger. Der Münchner Mittelfeldspieler hat dies jetzt damit begründet, dass ihn seine Sprunggelenksverletzung immer noch stärker beeinträchtige als bislang angenommen. "Um ehrlich zu sein, macht mir mein Knöchel Sorgen", sagte Schweinsteiger der "Welt am Sonntag".
"Gegen die Griechen sind mir einige Fehlpässe unterlaufen, die mir sonst nie unterlaufen. Das darf einem Spieler wie mir nicht passieren", räumte der 27-Jährige nach dem 4:2-Sieg im Viertelfinale ein. Der Außenbandriss im rechten Fuß, den er im Februar während des DFB-Pokalspiels beim VfB Stuttgart erlitten hatte, sei "nicht optimal verheilt. Es geht um kleine Bewegungen, um Explosivkraft."
Trotzdem will Schweinsteiger nicht aufgeben, sondern sich auch im Halbfinale am Donnerstag gegen England oder Italien (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) und einem möglichen Endspiel am Sonntag (20.45 Uhr) weiter quälen. "Die Zeit ist noch nicht gekommen, wo ich mich schonen kann. Wir haben hoffentlich noch zwei Spiele, da beiße ich mich durch. Danach muss ich allerdings sehen, dass ich endlich mal wieder ganz gesund werde", sagte Schweinsteiger, der bei der EM bislang nur im Gruppenspiel gegen die Niederlande überzeugen konnte, als er beide Tore durch Mario Gomez vorbereitete. Ansonsten gilt Sami Khedira mittlerweile als der neue Chef im deutschen Mittelfeld.
Kroos als Alternative für Schweinsteiger im Mittelfeld
Bislang wird erwartet, dass Schweinsteiger auch im Halbfinale von Beginn an aufläuft. Sollte Bundestrainer Joachim Löw ihn aber auf die Bank setzen, "hätte ich kein Problem damit", so der Bayern-Profi, dessen Vereinskollege Toni Kroos als Alternative im defensiven Mittelfeld bereitstünde. Dass Löw mittlerweile kein Problem mehr damit hat, verdiente Spieler draußen zu lassen, hat er gegen Griechenland bewiesen, als für Mario Gomez, Thomas Müller und Lukas Podolski überraschend Miroslav Klose, Marco Reus und André Schürrle ins Team gerutscht waren.
Einer der durchgehend gesetzten Spieler ist Philipp Lahm. Und der Kapitän sagt zu einem möglichen Einsatz Schweinsteigers: "Die Frage ist allein, was sein Fuß macht. Wir brauchen fitte Spieler, da können in einem Halbfinale nicht zwei, drei, vier Prozent fehlen." Als Plädoyer gegen einen Schweinsteiger-Einsatz wollte der DFB-Kapitän dies aber nicht verstanden wissen: "Natürlich wäre es wichtig, wenn Bastian spielen könnte."
Auf einen Wunschgegner im Halbfinale, am Abend (20.45 Uhr) treffen England und Italien in Kiew aufeinander, wollte sich Lahm nicht festlegen. Allerdings hält er die italienische Mannschaft für die etwas stärkere im Vergleich mit den Briten. "Italien spielt sehr clever, ist taktisch sehr gut geschult", so Lahm.
Sollte sich das DFB-Team durchsetzen und erneut ins EM-Endspiel einziehen, trifft es dort auf Portugal oder Spanien, wobei der Titelverteidiger für Lahm nach wie vor "das Maß aller Dinge" ist. Vor allem die "Raumaufteilung ist beeindruckend", sagte der 28-Jährige mit Blick auf Spaniens Viertelfinalerfolg gegen Frankreich. Weniger zurückhaltend hatte sich Reus am Samstag nach seinem gelungen EM-Debüt ausgedrückt: "Der EM-Titel führt nur über uns."
ham/sid/dpa