29.06.2012
Deutsche EM-Spieler
Löws Gewinner, Löws Verlierer
Von Rafael Buschmann, Peter Ahrens, Lukas Rilke und Christian PaulHamburg - Als einer der ersten sackte Mesut Özil nach dem Schlusspfiff zu Boden. Der deutsche Nationalspieler streifte sein Haarband ab und blickte ins Leere. Gegen 22.38 Uhr begann auch beim Profi von Real Madrid das große Grübeln: Warum konnte er im Halbfinale gegen Italien genau wie viele seiner Kollegen nicht an die Leistungsgrenze gehen?
Zu behaupten, es sei nicht Özils Turnier gewesen, wäre falsch. Zu behaupten, es sei seines gewesen, auch. Der Mittelfeldspieler verdeutlicht das deutsche Dilemma bei der Europameisterschaft am besten: Hochveranlagt, mit der Fähigkeit nahezu jeden Gegner zu schlagen - doch im entscheidenden Moment ohne die Konstanz, ohne die Klasse, die Leistung auf den Punkt abzuliefern. Für das ganz große Ding hat es wieder nicht gereicht.
Nach einer für ihn eher schwachen Vorrunde mit nur einer Vorlage zum 2:1-Siegtreffer im Spiel gegen Dänemark hatte Özil eingeräumt, "dass ich noch besser spielen kann. Weil ich weiß, was in mir steckt. Und das habe ich noch nicht alles gezeigt", sagte er, um dann anzufügen: "Ja, ich muss und will mich steigern."
Özil hielt Wort. Im Viertelfinale gegen Griechenland lief beinahe jeder Angriff über den 23-Jährigen. Die Treffer zum 1:0 durch Philipp Lahm und 3:1 durch Miroslav Klose bereitete er vor, gegen Italien reichte es in der Nachspielzeit nur noch zum 1:2-Anschlusstreffer per Elfmeter. Özil verlässt Polen und die Ukraine mit einem Turniertor und drei Vorlagen. Das ist weit von einer schwachen Bilanz entfernt.
Auch Stammkräfte wie die Verteidiger Holger Badstuber und Philipp Lahm brachten zuverlässig solide Leistungen, spielten ein Turnier ohne echte Höhe- oder Tiefpunkte. Jérôme Boateng konnte mit größtenteils fehlerfreien Auftritten die peinliche Gina-Lisa-Affäre vergessen machen. Und Miroslav Klose spielte, nunja, wie Miroslav Klose.
Sie alle haben nicht enttäuscht, aber auch nicht wirklich geglänzt. Für viele EM-Fahrer jedoch fällt die persönliche Bilanz des Turniers deutlich anders aus.
Lesen Sie in der Übersicht von SPIEGEL ONLINE, wer bei der Europameisterschaft auf sich aufmerksam machen konnte - und wer nicht.

