16.08.2012
Bayerns Wunschspieler Martínez
Der spanische Weg
Von Christoph Leischwitz, MünchenDie Idee ist eigentlich zu banal, als das sie funktionieren könnte: Einfach einen spanischen Nationalspieler holen, dann klappt es auch wieder mit den Titeln. Beim FC Bayern aber versuchen sie es auf genau diesem Weg. Zwar handelt es sich nicht um einen der Edelspanier von Barcelona oder Real Madrid, aber immerhin doch um einen Spanier. Oder besser: Um einen Basken.
Er heißt Javi Martínez, ist 23 Jahre alt und spielt für Athletic Bilbao im defensiven Mittelfeld, gerne auch mal in der Innenverteidigung. Sein achtes und bisher letztes Länderspiel bestritt er während der EM gegen Irland, er wurde in der 65. Spielminute für Xabi Alonso eingewechselt. Er hat also 25 Minuten zum EM-Titel beigetragen.
Doch selbst ein spanischer Einwechselspieler ist nicht gerade billig zu haben: 40 Millionen, das ist in Spanien ein Betrag, der kaum noch für Aufregung sorgt. Für die Bundesliga aber wäre Martínez die teuerste Verpflichtung überhaupt - und damit schon ganz automatisch eine klare Kampfansage an den Double-Gewinner Borussia Dortmund. In den kommenden Tagen werde Klarheit herrschen, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der im Rahmen einer Pressekonferenz bereitwillig Auskunft gab und dabei recht entspannt aussah. Obwohl er selbst anmerken musste, gar nicht so genau zu wissen, ob der Deal schon perfekt sei.
Bewegung kam in die Transferbemühungen offensichtlich, weil Martínez unbedingt nach München will. Er würde im Falle eines Fünf-Jahres-Vertrags sogar auf zehn Millionen Euro Gehalt verzichten, hieß es. "Der Aufsichtsrat hat grünes Licht gegeben", sagt Hoeneß nun. Und bedankte sich schon einmal vorsorglich, es sei von Martínez eine "feine Sache", sich selbst an der Transfersumme zu beteiligen. Demnach gilt das grüne Licht also für 30 Millionen - das wäre übrigens ziemlich genau jener Betrag, den die Bayern damals für Mario Gomez hinblätterten, den bislang teuersten Bundesliga-Transfer.
Sechser-Position zuletzt nicht überragend besetzt
Bei den Bayern haben sie in den vergangenen Monaten viel darüber nachgedacht, wie man endlich wieder Titel gewinnen kann. Nach einer Saison mit zweiten Plätzen in der Liga, im Pokal und in der Champions League. Sie holten Matthias Sammer als Sportchef nach München, der fraglos Selbstvertrauen verbreitet. Das Problem ist nur: Sammer steht selbst nicht auf dem Platz.
Also mussten auch neue Spieler her. Und da der Club bekanntlich selten halbe Sachen macht, wird jetzt richtig Geld in die Hand genommen, um die Wahrscheinlichkeit auf Platz eins zu erhöhen. Auf fast allen Positionen haben sie Spieler, die an guten Tagen Weltklasse sind, nur auf der Sechser-Position nicht. Anatoli Timoschtschuk, einst von Louis van Gaal protegiert, sowie Luiz Gustavo spielten hier oft passabel, mehr aber auch nicht. Zu wenig für die Ansprüche des FCB. Beide werden künftig deutlich weniger Einsatzzeit bekommen. Denn weder für 30 noch für 40 Millionen Euro kauft man einen Einwechselspieler.
Die Investition wird auch notwendig, weil Bastian Schweinsteiger nach seinen Verletzungen zu lange von der Form entfernt war, die er mal hatte. Bei dem 27-Jährigen hat der Zyklus zwischen Weltklasse und Formkrise oft besonders lange Intervalle. Vermutlich wird Martínez neben Schweinsteiger spielen. Er kann aber auch für ihn spielen.
Bei Athletic Bilbao war Martínez einer der wichtigsten Spieler in einem System, das den Spielern gleichermaßen Fleiß und Kreativität abverlangt. Bilbao schaltete in der Europa League Schalke 04 aus und scheiterte erst im Endspiel an Atlético Madrid.
Am Mittwoch überzeugte Martínez bei einem Testspiel im baskischen Barakaldo, allerdings nur 45 Minuten lag. In der Halbzeit wurde er ausgewechselt, die stolzen baskischen Fans hatten vom angeblichen Transfer nach München auch schon gehört und ihn beschimpft. Martínez soll in der Pause eilig das Stadion verlassen haben, danach wurde er nicht mehr gesehen. Athletic Bilbao wollte nicht kommentieren, wo der Spieler abgeblieben war. Vielleicht taucht er schon bald in München wieder auf.

