18.08.2012
Premier-League-Start
Männer für Millionen
Stürmer van Persie (l.), Trainer Ferguson: Aufrüsten für den Titel
Hamburg - Für Arsène Wenger war es die "bitterste Pille", die er jemals schlucken musste. Unmittelbar vor dem Start der neuen Premier-League-Saison musste der Trainer des FC Arsenal seinen besten Stürmer ziehen lassen. Und nicht etwa zu irgendeinem Club, sondern ausgerechnet zum Ligarivalen Manchester United. "Ich hätte ihn lieber ins Ausland verkauft", sagte Wenger. Doch Robin van Persie bleibt auf der Insel. Dort soll er seinen neuen Arbeitgeber zurück an die Spitze führen.
29 Millionen Euro ließ sich der Rekordmeister aus Manchester den Niederländer kosten. Ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz in London, zum FC Arsenal oder zum FC Chelsea. Vor allem aber eines für den Stadtrivalen und Titelverteidiger City: Nach der Last-Second-Niederlage im Meisterkampf im Mai drängt United mit Macht auf neue Titel. Neben van Persie kam auch Dortmunds Shinji Kagawa - gemeinsam mit Wayne Rooney, Javier Hernández und Danny Welbeck haben die Red Devils nun eine Offensive, die ihresgleichen sucht.
Mit einer Ausnahme vielleicht: Manchester City. Deren Trainer Roberto Mancini versucht, nach einem Sommer ohne eigene Rekordtransfers den Druck Richtung United zu schieben. "Ich glaube, United ist der Favorit. Wir sind eine junge Mannschaft und wir müssen besser werden, jeden Monat, jedes Jahr." Lediglich den zweimaligen englischen Nationalspieler Jack Rodwell nahm der Meister bisher unter Vertrag. Die Zurückhaltung kann sich der Verein allerdings leisten. Mit den Stürmern Mario Balotelli, Carlos Tévez, Sergio Agüero und Edin Dzeko verfügt der Club in der Offensive über immense Qualität.
Podolski vor Startelf-Debüt, Marin kämpft um Stammplatz
Die fehlt dem FC Arsenal nach dem Verkauf von van Persie. "Ich denke, dass die beiden Clubs aus Manchester aufgrund der vergangenen Saison über allem stehen. Wenn es uns diesmal gelingt, besser in die Saison zu starten, können wir sicher oben mitmischen", sagte Inneverteidiger Per Mertesacker im Interview mit Welt Online.
Einer seiner neuen Kollegen ist Lukas Podolski, der vom 1. FC Köln kam. Am Samstag (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) tritt der 27-Jährige gegen Sunderland zu seinem Pflichtspiel-Debüt im Trikot der "Gunners" an. "Als Fußballer musst du immer bereit sein - du bist auf dem Platz um zu siegen", sagte er. Große Hoffnung setzt der Club auch in Jack Wilshere. Das 21 Jahre alte Offensivtalent verpasste wegen einer Knöchelverletzung die komplette vergangene Spielzeit - und schnappte Podolski nun die gewünschte Rückennummer 10 weg.
Schwerer als Podolski dürfte es Marko Marin beim FC Chelsea haben. Ein Platz in der Startelf des Champions-League-Siegers wäre für den Ex-Bremer eine Überraschung. Die West-Londoner streben nach ihrem Triumph in der Champions League in der Liga nach Wiedergutmachung. Platz sechs in der abgelaufenen Saison entsprach bei weitem nicht ihren Ansprüchen.
"Die vier besten Stürmer Europas"
Dafür hat der Club des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch erneut tief in die Tasche gegriffen. Die 9,8 Millionen Euro für Marin wirken angesichts der anderen Ausgaben wie Kleingeld. Der brasilianische Nachwuchs-Stürmer Oscar, der mit der Seleção bei den Olympischen Spielen in London die Silbermedaille gewonnen hatte, spülte seinem bisherigen Arbeitgeber Internacional Porto Alegre 32 Millionen Euro in die Tasche. Der belgische Mittelfeldspieler Eden Hazard vom OSC Lille kostete Chelsea gar 39,5 Millionen Euro.
Mit großen Erwartungen geht auch ein ehemaliger Bundesliga-Profi zurück nach England. "Wir spielen in vier Wettbewerben und wollen in allen Titel gewinnen", sagte Steffen Freund, der seit dieser Saison André Villas-Boas bei seinem früheren Club Tottenham Hotspur als Co-Trainer zur Seite steht, im Interview mit Sport1. Mehr als Außenseiterchancen dürften die Spurs jedoch nicht haben. Das gilt auch für den FC Liverpool, der nach Jahren der Enttäuschungen wieder einmal auf die Rückkehr unter die Top Vier der Liga hofft.
Dort ist Manchester United seit Jahren nicht mehr wegzudenken. Nach dem Rekord-Deal mit einem neuen Trikotsponsor, der ab 2014 für sieben Jahre insgesamt rund 450 Millionen Euro einbringen wird, hat der Verein seinen Kader erneut hochgerüstet. Bei der Präsentation von van Persie ließ sich Trainer Alex Ferguson sogar zu einem historischen Vergleich mit der Mannschaft aus dem Jahr 1999 hinreißen, mit der er unter anderem die Champions League gewonnen hatte.
"Damals hatte ich Dwight Yorke, Andy Cole, Teddy Sheringham und Ole Gunnar Solskjaer", so Ferguson. "Die vier besten Stürmer Europas. Ich glaube, die habe ich jetzt wieder."
chp/dpa/sid