19.08.2012
Herthas Aus im DFB-Pokal
"Durchatmen, weitermachen"
Von Sara Peschke
Hertha-Spieler Wagner: Enttäuschung nach Pokal-Aus
Hamburg - Der Saisonstart war blamabel. Einen Punkt holte Hertha BSC aus zwei Spielen, zuletzt gab es eine 1:3-Niederlage gegen den FSV Frankfurt. Von den vergangenen 26 Pflichtspielen konnte der Club nur drei gewinnen. "Wir sind Hertha, wir müssen weiterkommen", hatte Trainer Jos Luhukay vor dem DFB-Pokalspiel dennoch prophezeit. Woher er diesen Glauben genommen hatte, bleibt sein Geheimnis.
Nach dem 1:2 (0:1) gegen Wormatia Worms ist die Hertha nach der ersten Runde des Pokals ausgeschieden. Und Luhukays Worte wirken nun wie bloßes Wunschdenken. Als man im Juni in Berlin mit dem Bundesligaabstieg das Unabwendbare akzeptiert hatte, rund einen Monat nach offiziellem Saisonende, versprach Luhukay, alles dafür zu tun, schnellstmöglich wieder erstklassig zu werden. Die Hertha, Vorzeige-Fahrstuhlclub der vergangenen Jahre, sollte wieder hoch. Und jetzt das: Aus im Pokal. Gegen einen Regionalligisten.
Dabei hatte der niederländische Coach nach dem Frankfurt-Spiel wutentbrannt mit seiner Mannschaft abgerechnet - und dann Besserung gelobt: Man werde trainieren "bis zum Umfallen", auch an der Einstellung der Mannschaft sollte sich einiges verändern. "Wir brauchen jetzt Erfolgserlebnisse", kündigte Herthas Kapitän Peter Niemeyer pflichtbewusst an. Doch die Vorstellung in Worms ließ kaum eine Steigerung erkennen. Im Gegenteil.
Hertha scheitert am eigenen Druck
Es scheint fast, als hätten sich die Berliner mit genau dieser Einstellung selbst aus dem Pokal-Rennen geworfen, als seien sie weniger an Worms, als an ihrer eigenen Verbissenheit gescheitert. Worms konnte als Außenseiter hingegen unbeschwert agieren. "Wir wussten, dass wir eine kleine Chance haben. Die haben wir genutzt", sagte Torschütze Roman Dressler.
Es war ein für den DFB-Pokal symptomatisches Schauspiel: Wie schon so oft stürzte ein niederklassiges Team einen Favoriten, weil dieser mit dem falschen Ansatz in die Begegnung gestartet war. Die Hertha steht damit nicht alleine da. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Clubs scheint die Ursache dafür nicht allein Favoritenhybris zu sein.
"Die Probleme liegen tiefer", sagte Luhukay noch vor wenigen Tagen. Seine Mannschaft habe in der Vergangenheit viele Niederlagen verkraften müssen, er spüre starken "Negativismus".
Luhukay sieht mentale Verbesserung seines Teams
Und genau dieses Gefühl vermittelte der Zweitligist in Worms. Tim Bauer hatte die Gastgeber frühzeitig per Foulelfmeter in Führung gebracht, rund 60 Minuten rannte Hertha dem Rückstand hinterher. Die Gäste waren spielerisch zwar deutlich überlegen, aber es fehlte ihnen an Ideen. Sandro Wagner gelang der Ausgleich für Berlin - doch der Wormser Dressler machte die Hoffnungen der Herthaner kurz vor Ende der Partie zunichte. Zum ersten Mal seit 1982 gewann Worms wieder ein Spiel im DFB-Pokal.
Der Verlierer indes schien den Fehler weniger bei sich, als beim Schicksal zu suchen. "Durchatmen, nach Hause fahren, weitermachen. Wir konzentrieren uns jetzt auf die Partie gegen Regensburg", sagte Berlins Sportdirektor Michael Preetz. Die Resignation war nicht zu überhören. Luhukay ist für den weiteren Saisonverlauf dennoch optimistisch, er sah in Worms sogar eine mentale Steigerung seines Teams. "Wir haben aus zahlreichen Chancen keinen Profit schlagen können. Sowohl Worms als auch wir haben alles gegeben."
Wormatia Worms - Hertha BSC 2:1 (1:0)
1:0 Bauer (3. Minute/Foulelfmeter)
1:1 Wagner (64.)
2:1 Dressler (81.)
Wormatia Worms: Knödler - Böcher, Rösner, Banouas, Krettek - Wittke (84. Steil), Abele - Röser, Toch (60. Oppermann), Tim Bauer - Bahssu (46. Dressler)
Hertha BSC: Sprint - Ndjeng (46. Morales), Franz, Lustenberger (87. Allagui), Bastians - Ben-Hatira, Niemeyer, Ronny, Ramos - Kachunga (81. Rukavytsya), Wagner
Schiedsrichter: Grudzinski
Zuschauer: 6236
Gelbe Karten: Banouas - Sprint, Bastians, Ben-Hatira