24.11.2012
Bayern-Gala gegen Hannover
Gefühlsexplosion nach der Tristesse
Von Sebastian Winter, MünchenBayern Münchens Partie gegen Hannover bot Pointen am Fließband. Javier Martínez lernte nach seinem wunderbaren Führungstreffer in der 4. Minute in der Interviewzone ein neues deutsches Wort kennen: Fallrückzieher. Mit einem solchen Kunstschuss hatte Bayerns defensiver Mittelfeldspieler sein erstes Tor für seinen neuen Club erzielt. Toni Kroos traf nur 20 Minuten nach dem 1:0 mit einem fast ebenso schönen Seitfallzieher zum 2:0. Stürmer Mario Gomez stand nach seiner 15-wöchigen Verletzungspause erstmals in dieser Saison auf dem Feld. Er raste nicht einmal 30 Sekunden nach seiner Einwechslung für Mario Mandzukic an Hannovers Abwehrspieler Karim Haggui vorbei und zirkelte den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck zum 5:0-Endstand. Später sagte er: "Das war eine Gefühlsexplosion nach dem Tor, die ich gar nicht beschreiben kann." Dass auch Abwehrspieler Dante sein erstes Tor für den neuen Arbeitgeber machte, ging in all diesen Szenen fast unter.
Und Hannover? Trainer Mirko Slomka brachte in zwei Sätzen auf den Punkt, was es über die Kräfteverhältnisse in dieser Partie zu sagen gab: "Sie haben uns teilweise auseinandergenommen." Hannovers Präsident Martin Kind sprach von einer "Leistungsdelle", "wir sollten jetzt aber gelassen bleiben". Zu den Gerüchten, dass Slomka im kommenden Sommer die Nachfolge von Trainer Jupp Heynckes bei den Bayern antreten werde, sagte Kind ebensowenig wie Slomka selbst.
Die wichtigste Erkenntnis für die Bayern ist, dass sie nach den tristen Unentschieden gegen Nürnberg (1:1) in der Bundesliga und gegen Valencia (1:1) in der Champions-League wieder spielerisch überzeugt haben. Dass sie nach der Schelte von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge zu ihrem Spiel zurückgefunden haben. Wie dem aggressiven Pressing, aus dem beispielsweise Franck Ribérys 2:0 entstand. Wie dem flüssigen Kombinationsspiel und gefährlichen Kontern, letzteres gilt eigentlich als Hannovers Stärke. Diese Saison haben allerdings die Bayern die meisten Tore der Liga nach Kontersituationen geschossen. "Es war wichtig, dass wir nach den zwei nicht ganz so guten Spielen eine Reaktion gezeigt haben, das hat die Mannschaft gut gemacht", sagte Rummenigge.
Offiziell ist das Giganten-Duell gegen Dortmund noch kein Thema
Nach dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League haben die Bayern bereits am kommenden Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) den Höhepunkt dieser Hinserie vor Augen: Das Heimspiel gegen den Meister und Erzrivalen Borussia Dortmund. Es ist auch eine kleine Pointe, dass sich die mäßig in die Saison gestarteten Borussen an diesem Spieltag auf Platz zwei gekämpft haben - und damit nun erster Verfolger des Tabellenführers sind. Das Spitzenspiel könnte, bei zurzeit neun Punkten Differenz, bereits vorentscheidend für die Meisterschaft sein.
Nur interessiert das zurzeit weder Spieler noch Verantwortliche in München, jedenfalls offiziell. Denn am kommenden Mittwoch (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) erwartet sie der SC Freiburg. Und die Breisgauer könnten zum gefährlichen Stolperstein für die Bayern werden. Vergangene Saison kamen die Münchner über ein 0:0 in Freiburg nicht hinaus, ein Jahr davor gewannen sie mit Mühe und Not 2:1. "Sie sind sehr kompakt, aggressiv und draufgängerisch. Alle Mannschaften tun sich in Freiburg schwer", sagt Gomez. Allein: Der FC Bayern spielt nicht wie jede andere Mannschaft.
Bayern München - Hannover 96 5:0 (3:0)
1:0 Martínez (3.)
2:0 Toni Kroos (24.)
3:0 Ribery (37.)
4:0 Dante (63.)
5:0 Gomez (67.)
München: Neuer - Lahm, Dante, Badstuber, Alaba - Martínez, Schweinsteiger (70. Timoschtschuk) - Thomas Müller (75. Shaqiri), Toni Kroos, Ribery - Mandzukic (66. Gomez)
Hannover: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Haggui, Rausch - Schmiedebach (41. Christian Schulz), da Silva Pinto - Stindl, Huszti - Sobiech (46. Abdellaoue), Diouf (79. Nikci)
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Mandzukic (2), Schweinsteiger (4) - Sobiech (3), Stindl (4), Christian Schulz

