27.11.2012
Dortmunder Patzer vor Bayern-Gipfel
"Wir haben es einfach verzockt"
Von Jan ReschkeZwar treffen der FC Bayern und Borussia Dortmund erst am kommenden Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) aufeinander, eine Erkenntnis gibt es aber schon vor dem ultimativen Bundesliga-Spitzenspiel: So souverän wie die Münchner es verstehen, Highlights und Alltag zu meistern, ist der BVB noch nicht.
Zu lässig, zu wenig stringent, zu passiv ging der BVB die Aufgabe gegen Fortuna Düsseldorf an. Zu gering war dann am Ende auch die Punktausbeute beim 1:1 (1:0) nach Treffern von Jakub Blaszczykowski und Stefan Reisinger.
Innenverteidiger Neven Subotic redete beim TV-Sender Sky auch gar nicht lange drumherum: "Wir wollten nicht viel riskieren. Im Nachhinein sind wir schlauer und hätten ein bisschen mehr auf ein 2:0 gehen sollen." Schonung vor dem Spitzenspiel, Kräftesparen vor dem Kräftemessen - alles verständlich. Aber auf den Punkt brachte es Subotic wenig später selbst: "Wir haben es einfach verzockt."
Derart abgezockt ist der BVB noch nicht, mal eben eine 1:0-Führung herunterzuspielen. Mag der Deutsche Meister im Heimspiel gegen Fürth, diesem lockeren 3:1-Erfolg, das Gegenteil suggeriert haben, so weiß man es nun besser.
Trainer Jürgen Klopp holte sein Team direkt nach dem Spiel zusammen und hielt eine Ansprache in der Kabine. Später sagte er, dass seine Mannschaft nur in den letzten fünf, sechs Minuten Gegenpressing gespielt habe und Düsseldorf sensationell mit den Dortmunder Fehlern umgegangen sei.
Auch das Wort "Verwalten" fiel in seiner Analyse, was etwas bezeichnet, was man von den Dortmundern sonst nicht gewohnt ist. Eher ist man es von diesem Team gewohnt, dass es trotz einer Führung immer weiter nach vorne drängt und den Gegner in jeder Situation mit vollem Einsatz angeht. Doch genau dies unterließ Klopps Elf nach der Führung gegen Düsseldorf, im Wissen, die Kräfte für das Duell gegen die Münchner zu benötigen.
Trotz der Enttäuschung: So ein Ergebnis ist nach den vergangenen Hurra-Wochen durchaus einmal einkalkulierbar. Platz zwei in der Liga wurde wegen der Niederlagen von Schalke und Frankfurt sogar gefestigt, es gibt weitaus schlimmere Situationen.
Ärgerlich ist hingegen, dass das Spitzenspiel nun an sportlicher Bedeutung verloren hat. Sollten die Münchner am Mittwoch (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen den SC Freiburg gewinnen, steht das Team vorzeitig als Herbstmeister fest und hätte elf Punkte Vorsprung auf Dortmund. Selbst bei einem Erfolg der Borussia beim FC Bayern blieben noch acht Zähler.
Immerhin können dann vielleicht Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Mario Götze wieder mitwirken, die gegen Düsseldorf angeschlagen fehlten. Doch in dieser Partie mangelte es eher an anderen Dingen als an erfahrenen Stammspielern.
Borussia Dortmund - Fortuna Düsseldorf 1:1 (1:0)
1:0 Blaszczykowski (43.)
1:1 Reisinger (78.)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer - Sven Bender, Kehl (68. Leitner) - Blaszczykowski (81. Schieber), Reus (75. Perisic), Großkreutz - Lewandowski
Düsseldorf: Giefer - Balogun, Bodzek, Juanan, van den Bergh - Paurevic, Lambertz - Reisinger (90.+4 Fomitschow), Bellinghausen - Ilsö (72. Schahin), Kruse
Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)
Zuschauer: 80.100
Gelb-Rote Karte: Paurevic wegen wiederholten Foulspiels (87.)
Gelbe Karten: Subotic (2) - Kruse (4)