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05.12.2012
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Chelsea-Trainer Benitez

Der Sisyphos von der Stamford Bridge

Von
REUTERS

Chelsea-Trainer Benitez: Mit dem Rücken zur Wand

Als erster Titelverteidiger in der Geschichte könnte der FC Chelsea am Mittwoch schon in der Gruppenphase der Champions League scheitern, die Krise wäre perfekt. Vor der sollte den Club eigentlich Interimstrainer Rafael Benitez bewahren. Eine Aufgabe, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt war.

Hamburg - Es gibt für einen Sportler wenig Schlimmeres, als von seinem Coach als "Trainingsweltmeister" bezeichnet zu werden. Das vermeintliche Lob bedeutet eigentlich: Im Ernstfall bringt er's nicht. Auf Chelsea-Spieler Fernando Torres trifft genau das gerade zu, der Spanier schießt einfach keine Tore. Sein neuer Trainer Rafael Benitez beharrt aber darauf, dass Torres treffen kann. Im Training. "Er schießt ständig Tore. Fernando macht einen großartigen Job, es sieht nur keiner", sagt Benitez über den 60 Millionen Euro teuren Stürmer. Es klingt, als ziehe der Spanier Parallelen zu sich selbst.

Benitez war am 21. November von Club-Besitzer Roman Abramowitsch als Nachfolger von Roberto di Matteo eingestellt worden. Abramowitschs Auftrag an den 52-Jährigen: Den millionenschweren Champions-League-Sieger aus der Krise zu führen. Doch jetzt, drei Spiele später, hat sich diese eher noch verschärft. Zwei Punkte hat Chelsea aus den Premier-League-Partien gegen Manchester City (0:0), Fulham (0:0) und West Ham (1:3) geholt. In der Tabelle beträgt der Abstand auf Spitzenreiter Manchester United (36 Punkte) zehn Zähler.

Chelsea droht das historische Aus

Noch dramatischer ist die Lage in der Champions League: Sollte der FC Chelsea am Mittwochabend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nicht gegen den dänischen FC Nordsjaelland gewinnen, wäre er der erste Titelverteidiger, der die Gruppenphase nicht überstanden hätte. Selbst bei einem Erfolg ist der Club (7 Punkte) darauf angewiesen, dass Donezk (10), Tabellenführer der Gruppe E, den Zweiten Juventus Turin (9) schlägt. Sollten die beiden unentschieden spielen, wäre Chelsea raus. Für den erfolgshungrigen Chelsea-Mäzen Abramowitsch wäre das eine Katastrophe.

Der russische Oligarch hatte Benitez nach dessen Einstand drei Spiele Schonzeit gegönnt, ihm dann aber schnell deutlich gemacht, dass er sich die Arbeit eines guten Trainers anders vorstellt. So musste Benitez am Montag nach der Pleite gegen West Ham erfahren, dass der Club-Besitzer nicht zögern würde, ihm mit dem früheren Chelsea-Trainer Avram Grant einen sachkundigen Berater zur Seite zu stellen. Das findet der Spanier natürlich überflüssig, er, der als Trainer die Champions League und die spanische Meisterschaft gewonnen habe, wisse schon, wie man diese wertvolle Mannschaft wieder zum Erfolg führe. Benitez' Beispiel: Torres. Es gebe nichts Leichteres, als den Stürmerstar wieder in Schwung zu bringen, behauptet er.

Ausgerechnet unter Benitez hatte Torres beim FC Liverpool die Aufmerksamkeit Abramowitschs erregt und ihn dazu bewegt, so viel Geld wie nie zuvor für einen Wechsel innerhalb der Premier League zu zahlen. Doch bislang zeigt das ehemalige Erfolgsduo von der Anfield Road wenig vom früheren Glanz. Ähnlich geht es den Champions-League-Gewinnern Juan Mata und Ramires, die noch zu Beginn der Saison gefeiert wurden, aber auch den Neuzugängen Oscar und Eden Hazard, die nur in der Anfangsphase wirklich überzeugen konnten. Selbst der erfahrene Ashley Cole leistete sich am Samstag gegen West Ham einen schweren Fehler, der zum dritten Gegentreffer führte.

"Keine Verantwortung für die vergangenen fünf Jahre"

Woran der Chelsea-Spiel derzeit krankt, weiß im Verein niemand so richtig. "Den Spielern fehlt der letzte Wille", mutmaßt Benitez. Viele von ihnen hätten mit dem Champions-League-Sieg in der vergangenen Spielzeit alles erreicht, "es ist schwer, sie dann wieder zu motivieren", sagt der Trainer. Mata bestätigt: "Unsere Erinnerungen an das Finale sind noch frisch, das ist erst sechs Monate her. Ich möchte optimistisch bleiben, aber um die Champions League noch einmal zu gewinnen, müssen wir einfach wieder besser werden."

Benitez wolle dem Team helfen, das spüre Mata. "Und wir versuchen, ihm zu helfen." Doch nach nur zwei Wochen steht der Trainer bereits mit dem Rücken zur der Wand, auf weitere Gnade von Abramowitsch kann Benitez kaum hoffen. In den englischen Medien gab es sogar schon Gerüchte, dass Grant, von 2007 bis 2008 in London unter Vertrag, sich als schneller Nachfolger für Benitez beim zu erwartenden Champions-League-Aus bereithalten solle.

Benitez, dessen Vertrag nur bis zum Saisonende läuft und der dann nach Wunsch von Abramowitsch von Pep Guardiola abgelöst werden soll, sähe sich dann zum Lückenbüßer degradiert. Ein Lückenbüßer, dem zudem die undankbare Aufgabe zuteil wurde, eine enttäuschende Mannschaft irgendwie wieder aufzurichten. Eine Mission, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. "Ich übernehme Verantwortung", sagt Benitez, "aber nur für die Tage, die ich hier bin. Nicht für die vergangenen fünf Jahre."

Forum

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insgesamt 3 Beiträge
1.
Tunechi 05.12.2012
pep zu chelsea ? ich hoffe doch nicht.
pep zu chelsea ? ich hoffe doch nicht.
2. ja ja der CL Sieg....
diepresselügt 05.12.2012
Es war einfach nur unfassbares Glück das Chelsea die CL gewann.... ps. kein Bayernfan
Es war einfach nur unfassbares Glück das Chelsea die CL gewann.... ps. kein Bayernfan
3. aha
kleracil 05.12.2012
die spon sportredaktion gibt also wieder eine ihrer super prognosen ab... weniger wahrheitsgehalt als der wetterbericht ist zu erwarten!
die spon sportredaktion gibt also wieder eine ihrer super prognosen ab... weniger wahrheitsgehalt als der wetterbericht ist zu erwarten!

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