12.12.2012
DFL-Sicherheitspapier
Fans drohen mit weiteren Protesten
Anhänger von Union Berlin: Club lehnte DFL-Sicherheitspapier komplett ab
Hamburg - Die Fanorganisation "12:12" droht nach der Zustimmung der Erst- und Zweitligisten zum Sicherheitspapier der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit weiteren Protesten. "Das Ergebnis ist sehr unschön. Ich gehe davon aus, dass es neue Proteste geben wird", sagte Philipp Markhardt, Sprecher der Organisation "Pro Fans" und der Aktion "12:12 - Ohne Stimme keine Stimmung". Die Fanorganisationen würden sich nicht "zum Büttel" von Liga-Präsident Reinhard Rauball machen, so Markhardt.
"Entweder Dialog von Anfang an, oder man lässt es gleich bleiben", sagte Markhardt. "Allerdings werden wir uns nicht von Herrn Rauball ein Sicherheitspapier vor die Nase setzen lassen, das wir dann auch noch umsetzen sollen." Laut des Fansprechers könnten die Anhänger den Stimmungsboykott noch bis in den März hinein fortsetzen. Sogar einen Boykott eines kompletten Bundesliga-Spieltags erwägen die Fans. Allerdings wollen die Anhänger abwarten, wie sich DFL und Vereine in der Umsetzung des Papiers verhalten.
Am Mittwoch hatte sich die große Mehrheit der Proficlubs bei der DFL-Vollversammlung in Frankfurt am Mainfür das 37-seitige Papier "Sicheres Stadionerlebnis" ausgesprochen. DFL-Präsident Rauball betonte, "ein generelles Sicherheitsproblem hat der Fußball nicht. Eher Optimierungsbedarf beim Thema Sicherheit". Nach Ansicht des Liga-Chefs werde das Konzept helfen, "die Fußballkultur in Deutschland zu schützen". Rauball äußerte den Wunsch, dass der Dialog mit den Vereinen und Fans fortgesetzt werde. Für den Liga-Boss "geht der Fußball als großer Gewinner hervor".
96-Präsident Kind kritisiert Politik
Zwei Zweitligisten lehnten das Konzept allerdings komplett ab. Der FC St. Pauli und Union Berlin stimmten in keinem der 16 Punkte zu. In keiner der geplanten Änderungen sei ein wirklicher Sinneswandel im Hinblick auf die statuarische Verankerung eines Fandialoges erkennbar, teilten die Berliner mit. St. Pauli setzte mit der Ablehnung einen Mitgliederbeschluss um. Unter anderem hatten die Hamburger, Stadtrivale HSV und Werder Bremen die Vertagung der Abstimmung beantragt.
Dagegen begrüßte Hannover 96 die Verabschiedung des Konzepts grundsätzlich und stimmte in 13 Punkten zu. Club-Präsident Martin Kind sprach von einer "Entscheidung der Vernunft". Der Vereinsboss kritisierte jedoch die Politik, die vehement das neue Sicherheitskonzept gefordert hatte. "Ich empfand die Diskussion über das Papier zuletzt deutlich überhitzt", so Kind.
Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeigte sich zufrieden mit dem DFL-Beschluss. "Dass die deutliche Mehrheit der Lizenzvereine Geschlossenheit demonstriert und für das Sicherheitskonzept gestimmt hat, ist ein wichtiges Zeichen für den gesamten Fußball und die überwältigende Mehrheit der friedlichen Fans in Deutschland", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: "Wir brauchen den Dialog zwischen allen Beteiligten, aber auch einheitliche Leitplanken, an denen sich alle orientieren können." DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock sagte, wichtig sei nun, dass alle Vereine die beschlossenen Maßnahmen konsequent und im Dialog mit ihren Fans umsetzen.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erhofft sich künftig bessere Arbeitsbedingungen. "Ich bin froh, dass das Konzept von allen Vereinen mitgetragen wird. Es ist ein klares Signal der Vereine gegen Gewalt", sagte der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut. Die Arbeit der Polizei werde durch das neue Sicherheitskonzept erleichtert.
max/sid/dpa