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17.12.2012
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Awards der Bundesliga-Hinrunde

Das sind doch die Daltons!

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Schalke-Profis lassen sich einen Pornobalken stehen, der HSV verpflichtet eine Glamour-Moderatorin, und ein Verteidiger gerät unter Spionageverdacht: Die 17 Bundesliga-Spieltage waren voller Anekdoten und Kuriositäten. SPIEGEL ONLINE vergibt die etwas anderen Hinrunden-Awards.

DPA

Schalker Barnetta (l.), Marica: Schnauzbärte auf der Ersatzbank

Dalton-Award: Auf Schalke trägt man Gesichtshecke

Die Sonne war bereits untergegangen, Dunkelheit hatte sich über die Stadt gelegt. Es war kurz nach halb neun, als sie sich anschlichen. Der eine klein und kompakt, der andere groß und schmächtig, bei beiden prankte ein buschiger Schnurrbart über der Oberlippe. Im Halbschatten vor der Champions-League-Partie gegen Olympiakos Piräus hätte man die beiden fast für zwei der Daltons gehalten. Doch es waren Tranquilo und Ciprian. Die Schalke-Profis Barnetta und Marica kommen beim Bundesligisten selten zum Einsatz, zuletzt stachen sie mit ihren Schnurrbärten dennoch ins Auge. Der "Movember", zusammengesetzt aus dem englischen "Moustache" für Schnurrbart und dem Monat November, ist im Ausland schon länger Kult, in diesem Jahr liefen auch vermehrt Bundesliga-Kicker mit dem haarigen Gesichtsschmuck auf. Und das Ganze zu einem guten Zweck: Der Bart ist das Markenzeichen einer weltweiten Kampagne, die das Bewusstsein für den Kampf gegen Prostatakrebs stärken soll.

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"Club"-Verteidiger Antonio: Nur ein Ligaspiel in der Hinrunde

Warhol-Award: Marcos Antonios 16 Minuten zweifelhafter Ruhm

Andy Warhol wird das Zitat zugeschrieben: "In Zukunft kann jeder Mensch für 15 Minuten Berühmtheit erlangen." Nürnbergs Marcos Antonio brachte es am sechsten Spieltag sogar auf eine Minute mehr. Und hätte wohl nur zu gerne darauf verzichtet. In der Partie gegen Stuttgart debütierte der "Club"-Zugang, nach noch nicht einmal einer halben Minute spielte er einen viel zu kurzen Rückpass. VfB-Torjäger Vedad Ibisevic nutzte den Fehler zum 1:0. Zehn Minuten später folgte der nächste Aussetzer des Brasilianers, doch Stuttgarts Raphael Holzhauser nutzte die Chance diesmal nicht. Nürnbergs Trainer Dieter Hecking hatte da aber genug gesehen und wechselte Antonio nach 16 Minuten aus. "Wir werden ihn nicht an den Pranger stellen und wieder aufbauen", sagte Hecking nach der Partie. Seitdem hat Antonio keine Partie mehr für den Verein bestritten.

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Neururer: Warten auf den Anruf aus der Bundesliga

Godot-Award: Peter Neururer stellt Bundesligisten Ultimatum

Fast drei Jahre ist Peter Neururer nun schon arbeitslos, seitdem wartet er. Und wartet. Und wartet. Wie kostbar Zeit ist, erfuhr Neururer zwischendurch in dramatischer Weise am eigenen Leib. Im Juni erlitt der 57-Jährige einen Herzinfarkt, "ich hatte keinen Herzschlag mehr, war schon weg. Ja, ich war tot", sagte er später. Nun will er nicht mehr warten. "Wenn in dieser Saison kein Angebot mehr kommt, werde ich nicht mehr als Trainer oder Sportdirektor arbeiten", drohte Neururer im Oktober. Seitdem wartet er.

DPA

Verletzter Andreasen: Kreuzbandriss in der Partie gegen Nürnberg

Gebrüder-Grimm-Award: "Andreasens Märchen" und sein bitteres Ende

"Es war ein harter Kampf, aber ich bin sehr glücklich im Moment", sagte Leon Andreasen bei seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio am 15. September. Zwei Jahre lang hatte der Däne wegen Leistenproblemen keinen Fußball spielen können, dann feierte er bei Hannover 96 ein grandioses Comeback. Als Überraschungsgast für ihn hatte das ZDF weder ein Familienmitglied noch einen engen Freund aus der Heimat eingeladen - sondern Andreasens Arzt Thomas Joergensen, der ihm die Rückkehr in den Profisport ermöglicht hatte. Und was war das für eine Rückkehr: Bereits in der Vorbereitung und den Europa-League-Playoffs war der 29-Jährige in Top-Form, am zweiten und dritten Bundesliga-Spieltag schoss er jeweils ein Tor: "Andreasens Märchen" war geboren. Doch dann kam der 26. September, der fünfte Spieltag - und nach zehn Minuten ein Kreuzbandriss im Spiel gegen Nürnberg. Sechs Monate Pause. Doch Andreasen glaubt noch an ein Happy End seiner Bundesliga-Karriere: "Ich bin überzeugt, dass ich ein zweites Mal zurückkommen kann."

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Ehepaar Van der Vaart: Show-Auftritt bei "Wetten, Dass...?"

Gala-Award: Hamburg holt Sylvie und Rafael van der Vaart

Für die Fans des Hamburger SV fiel Weihnachten diesmal auf den 31. August. Der "kleine Engel" war in der Stadt gelandet, Rafael van der Vaart kehrte von Tottenham Hotspur zum HSV zurück. Investor Klaus-Dieter Kühne hatte den 13-Millionen-Euro-Transfer möglich gemacht und sich seinen Wunschspieler wiedergeholt. Doch dass der niederländische Spielmacher tatsächlich mithalf, den Club aus dem Tabellenkeller zu hieven, ging fast unter im Trubel um Frau van der Vaart: Sylvie. "Auch sie ist wieder da!" jubelte die "Hamburger Morgenpost", nun sei der HSV wieder sexy. Kühne hatte schon im Juli darauf gedrängt, dass "Rafael und Sylvie van der Vaart recht bald in die Hansestadt zurückkehren". Die Bilanz des Holland-Pärchens bisher: ein Ligator des Ehemannes und jede Menge Titelbilder zusammen.

DPA

Hannoveraner Stindl: Besser gezählt als der DFB

Graf-Zahl-Award: Lars Stindl hat genau mitgezählt

Das Otto-Hahn-Gymnasium in Karlsruhe ist eine Eliteschule des Fußballs, der Sport wird besonders gefördert. Dass auch die Mathematik nicht zu kurz kommt, bewies Ende November Lars Stindl. Der Mittelfeldspieler von Hannover 96 machte 2008 am OHG Abitur. Am achten Spieltag beim 0:5 gegen Bayern München sah er eine Gelbe Karte, es war Stindls vierte in dieser Saison - dachte zumindest der DFB. Der 24-Jährige aber hatte selbst mitgezählt und kam auf fünf Verwarnungen. "Lars hat uns direkt nach dem Spiel in München auf seine fünfte Gelbe Karte hingewiesen. Ich hatte die Karte aus dem Frankfurt-Spiel auch nicht mehr auf dem Zettel, aber die Fernsehbilder zeigen das eindeutig, und wir haben das entsprechend sofort mit dem DFB kommuniziert", sagte 96-Trainer Mirko Slomka nach der Partie.

imago

Düsseldorfs Woronin: Party, Abmahnung, Mittelfinger

Null-Bock-Award: Andrej Woronin macht Krawall in Düsseldorf

Einen Anführer hatte Fortuna Düsseldorf vor der Saison gesucht, einen erfahrenen Bundesligastürmer. Geholt haben sie dann Andrej Woronin, Ex-Herthaner und Ex-Leverkusener. Der Ukrainer fing gut an, fand sich aber bald auf der Bank wieder. Mit der Einsatzzeit sank offenbar auch die Lust auf seinen Job: Trotz einer Krankmeldung tauchte ein Foto eines Diskothekenbesuchs Woronins auf, es folgten Abmahnung und Geldstrafe. "Es war mein Fehler, und es tut mir leid. Fakt ist aber: Ich habe keinen Alkohol getrunken", sagte der 33-Jährige, der bisher noch kein Tor für seinen Club erzielt hat. Wenige Stunden später zeigte er Fotografen nach einer Laufeinheit auf dem Vereinsgelände den Mittelfinger. Bereits Anfang November hatte Woronin gesagt: "Ich passe nicht zu dieser Mannschaft." Länger als bis zum Sommer muss er aber nicht mehr am Rhein ausharren, dann endet die Ausleihe von Dynamo Moskau.

DPA

VfB-Coach Labbadia: "Am Arsch geleckt"

Trapattoni-Award: VfB-Trainer Bruno Labbadia spricht Klartext

"Wir können alles. Außer Hochdeutsch", lautet der Slogan von Baden-Württemberg. Doch was Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia im Anschluss an das 2:2 seines Teams gegen Leverkusen vor versammelter Presse losließ, war nicht nur relativ frei von Dialekt, sondern vor allem Klartext. "Der letzte Depp", "gar keine Ahnung", "am Arsch geleckt": Die Wutrede des 46-Jährigen hatte schon fast Trapattoni-eske Züge. Während der Partie hatte es immer wieder "Labbadia raus"-Rufe gegeben, vor allem bei der Auswechslung des 19-Jährigen Raphael Holzhauser. Er könne gewisse Dinge nicht akzeptieren, so Labbadia, die Stuttgarter Presse stelle "den Trainer als den letzten Depp dar". Anders als der legendäre Giovanni Trapattoni hat Labbadia allerdings noch nicht fertig: Gerade feierte der ehemalige Nationalspieler zweijähriges Jubiläum beim VfB. Nur die Meistertrainer Christoph Daum und Armin Veh sowie Felix Magath standen beim VfB länger an der Seitenlinie.

DPA

Verteidiger Boenisch (Mitte): Aus bei Werder, Training in Düsseldorf, Vertrag bei Bayer

Bond-Award: Sebastian Boenisch spioniert Düsseldorf aus

Sein Name ist Boenisch, Sebastian Boenisch. Der Abwehrspieler pokerte im Sommer mit Werder Bremen um eine Vertragsverlängerung. Boenisch erhöhte, Werder stieg aus, Boenisch stand da. Ohne Verein. Mit gerade einmal 25 Jahren fiel das Karriereende als Option weg, also suchte Boenisch einen Club, bei dem er sich fit halten konnte. Fortuna Düsseldorf erklärte sich bereit, ihn vorübergehend aufzunehmen. Kurz darauf fand sich doch noch ein Arbeitgeber für Boenisch: Bayer Leverkusen. Dem Team waren die Linksverteidiger ausgegangen, die "Werkself" musste nachbessern. Doch Düsseldorf vermutete eher Werkspionage. Denn nur fünf Tage nach dem Wechsel traf Boenisch mit seinem neuen Verein auf die gastfreundliche Fortuna. Boenisch kam beim 3:2-Sieg von Bayer zwar nicht zum Einsatz, Düsseldorf wütete dennoch: Der Spieler habe dem Gegner taktische Geheimnisse verraten. "Das ist ein ganz mieser Stil von Boenisch. Das lässt tief auf den Charakter des Spielers blicken", sagte Geschäftsführer Paul Jäger der "Bild". Boenisch selbst erklärte, er könne die Vorwürfe "nicht nachvollziehen". Einen Gefallen scheint sich der Pole bei der Vereinswahl nicht getan zu haben: Boenisch kam seit seinem Wechsel zum zehnten Spieltag auf gerade einmal 144 Minuten Einsatzzeit.

dapd

TV-Moderator Kerner: "Drei...vier...fünf Sekunden, schon steht das Kind in Flammen"

Brandstifter-Award: HSV-Fans und JBK spielen mit dem Feuer

Die Bundesliga-Hinrunde stand auch im Zeichen der Pyro-/Fan-/Sicherheits-Debatte. Zwischen dem Platzsturm von Düsseldorf im Mai und der Verabschiedung des DFL-Sicherheitskonzeptes im Dezember beherrschte das Thema die Liga - und ungezählte TV-Talkrunden. Johannes B. Kerner wagte gar während der ARD-Sendung "Hart aber fair" seines Kollegen Frank Plasberg einen Versuch. Mit einem bengalischen Feuer entzündete er auf dem Hof hinter dem Fernsehstudio eine Puppe. "Drei...vier...fünf Sekunden, schon steht das Kind in Flammen", stellte Kerner betroffen fest. "Wer immer noch denkt, das sei stimmungsvoll, dem kann man nicht mehr helfen." Dass das Abfackeln im Stadion schnell schief gehen kann, erlebten einige HSV-Fans beim Spiel ihrer Mannschaft in Düsseldorf. Aus Versehen entzündeten sie ihr eigenes Banner. Dabei hatten die Hamburger am sechsten Spieltag noch bewiesen, wie es auch ohne Pyros geht: Mit 45.000 Plakaten feierten sie den 125. Geburtstag des Clubs und stellten einen neuen Choreografie-Weltrekord auf.

Forum

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insgesamt 3 Beiträge
1. Spitzen HSV-Fans
wenndannjetzt 17.12.2012
Da hatte ich doch ein ganz breites Grinsen im Gesicht, als ich die Story vom selbstabgefackelten Banner der HSV-Fans gehört habe. Ich hoffe, dass als nächstes ihre Streichhölzer und Feuerzeuge dran sind. Dann hat es sich [...]
Da hatte ich doch ein ganz breites Grinsen im Gesicht, als ich die Story vom selbstabgefackelten Banner der HSV-Fans gehört habe. Ich hoffe, dass als nächstes ihre Streichhölzer und Feuerzeuge dran sind. Dann hat es sich zumindestens bei diesen Idioten ausgefackelt. Sehr schöner Comic hierzu im Übrigen auf Süddeutsche - Fußballgötter.
2.
janeinistrichtig 17.12.2012
Toller Artikel, insbesondere die Episode mit Neururer. Zwar sehr "böse" formuliert dabei, aber mir gefällt sowas. Leider wurde nicht erwähnt, dass Gladbach nie mehr gegen die Bayern verlieren kann - jedenfalls [...]
Toller Artikel, insbesondere die Episode mit Neururer. Zwar sehr "böse" formuliert dabei, aber mir gefällt sowas. Leider wurde nicht erwähnt, dass Gladbach nie mehr gegen die Bayern verlieren kann - jedenfalls solange Neuer im Tor steht. Überhaupt...Gladbach...was für ein grossartiger Verein, auch in dieser Saison.
3. Neururer...
Freewolfgang 18.12.2012
... in Augsburg gesehen? Kurz nach dem angeblichen Besuch von Magath;-)
... in Augsburg gesehen? Kurz nach dem angeblichen Besuch von Magath;-)

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