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21.12.2012
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Krebserkrankung des Barça-Trainers

"Er liebt das Leben mehr als je zuvor"

Getty Images

Barcelona-Trainer Vilanova: In ganz Spanien verehrt

Die Nachricht schockiert die Fußball-Welt: Tito Vilanova, 43-jähriger Trainer des FC Barcelona, ist erneut an Krebs erkrankt. Im Interview spricht der "El País"-Journalist und Barça-Kenner Luis Martín über den zurückhaltenden Coach und beschreibt, was dessen Ausfall für den Weltclub bedeutet.

SPIEGEL ONLINE: Herr Martín, was bedeutet Tito Vilanovas Krebsdiagnose für den FC Barcelona und seine Spieler?

Martín: Für den Club ist das ein Riesenschlag. Puyol, Xavi, die Spieler kennen ihn alle seit vielen Jahren und fühlen natürlich mit ihm. Erst der Schock um Abidal (beim Linksverteidiger wurde 2011 ein Lebertumor entdeckt, der Franzose erhielt im April 2012 eine Spenderleber - d. Red.) und um Titos erste Erkrankung im selben Jahr, und nun das. Die Spieler machen sich Sorgen.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland weiß man kaum etwas über den Coach, der mit seiner Mannschaft die spanische Liga beherrscht. Was für ein Typ ist der Barça-Trainer?

Martín: Er ist ein Bauernsohn, der schon als kleiner Junge in die Jugendakademie des FC Barcelona kam. Er hat eine geniale Sicht auf das Leben, Vilanova ist sehr bodenständig. Wenn es regnet und regnet, dann stoppt er entweder den Regen oder spannt den Regenschirm über dir auf.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das?

Martín: Er ist wie ein Onkel, der sich um alles und jeden kümmert. Wenn es ein Problem gibt, weiß er, dass man es lösen kann. Und er ist natürlich ein großer Fußball-Liebhaber. Sie nennen ihn hier "el Marqués", den Markgraf. Er ist ein fleißiger Arbeiter, ein sehr, sehr, sehr, sehr fleißiger Arbeiter.

SPIEGEL ONLINE: Man kennt Guardiola oder Mourinho als die großen Trainer spanischer Clubs. Welchen Stellenwert hat Vilanova?

Martín: Der ganze spanische Fußball kennt ihn. Und alle, wirklich alle, respektieren ihn. Denn egal, was er macht, er behandelt jeden seiner eigenen Spieler und auch den Gegner immer mit Respekt. Er hat für den FC Barcelona in sehr vielen Mannschaften gespielt und ist immer als Freund aufgetreten.

SPIEGEL ONLINE: Über sein Privatleben ist nicht viel bekannt.

Martín: Vilanova mag Musik, er ist ein großer Fan von Coldplay. Er liebt gutes Essen, und er liebt das Leben. Er hat zwei Kinder, der ältere Sohn spielt auch für die Barcelona-Jugend. Tito wuchs bei Barça auf, wechselte dann zu anderen Clubs und kehrte schließlich zurück. Einen Monat zuvor war sein Sohn von Barcelona unter Vertrag genommen worden, und Vilanova meinte, dass sein Sohn nicht dort spielen sollte, wenn er selbst nicht auch wieder zurückkehrte. Es war eine Prinzipienentscheidung: Sein Sohn sollte nicht allein sein.

SPIEGEL ONLINE: Vilanova war bereits einmal an Krebs erkrankt, 2011...

Martín: ...und als er nach seiner ersten OP wieder in die Kabine kam, sprach er mit den Spielern über den Wert des Lebens, das viel wichtiger sei als nur der Fußball. Tito sagte, dass acht Punkte Rückstand auf Real Madrid den Spielern doch nicht die Freude am Fußball und vor allem nicht die Freude am Leben nehmen dürften. Du bist lebendig, Du spielst für Barça, genieß es! Das war seine Botschaft. Viele der Spieler haben das sehr emotional aufgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Seit Vilanova vor dieser Saison von Pep Guardiola den Cheftrainerposten übernommen hat, pulverisiert sein Team alle Rekorde. Was ist sein Erfolgsrezept?

Martín: Er versucht nicht, sich aufzuspielen. Tito passt auf, dass es seinen Leuten gutgeht und führt das Team weiter auf dem Weg, den es unter Guardiola eingeschlagen hat. Er ist ja nicht neu bei Barça, sondern war schon als Co-Trainer ein wichtiger Teil der sehr erfolgreichen vier Jahre unter Guardiola.

SPIEGEL ONLINE: Wir haben hier den Eindruck eines ruhigen Typen, der kaum mit der Presse spricht. Stimmt das?

Martín: Er redet viel mit uns und ist ein absolut nahbarer Typ. Wenn man ihn kennt, weiß man aber: Er ist sehr schüchtern. Doch er öffnet sich denen, die ihn kennen, sehr stark. Aber auch so würde Tito nie ein schlechtes Wort über irgendjemanden verlieren. Und wenn ich ihn etwas über Fußball frage, dann bekomme ich auf jeden Fall eine kluge Antwort. Vor kurzem sagte er: Es kommt nicht darauf an, dass mich alle lieben und verehren. Hauptsache, meine Mannschaft mag mich.

SPIEGEL ONLINE: Hat seine Krankheit im vergangenen Jahr Vilanova verändert?

Martín: Nicht prinzipiell. Aber er gewichtet Dinge vielleicht etwas anders. Vieles, was einen beschäftigt, ist letztlich doch nicht so wichtig. Ich glaube, er liebt das Leben mehr als je zuvor.

Das Interview führte Frederik Schäfer

Forum

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insgesamt 2 Beiträge
1.
Tunechi 21.12.2012
So einen Trainer wünscht man sich. In allen Belangen professionell. Nicht wie Mourinho, der zwar ein guter Trainer sein kann, aber das wars dann auch.
So einen Trainer wünscht man sich. In allen Belangen professionell. Nicht wie Mourinho, der zwar ein guter Trainer sein kann, aber das wars dann auch.
2.
cipo 21.12.2012
Bloß dieser portugiesische Kotzbrocken Mourinho nicht, sollte man vielleicht anfügen... es sei nur an seinen armseligen Spruch erinnert, den er abließ, nachdem er Tito seinen Finger ins Auge gestochen hatte: "Pito Vilanova? [...]
Zitat von sysopDer ganze spanische Fußball kennt ihn. Und alle, wirklich alle, respektieren ihn.
Bloß dieser portugiesische Kotzbrocken Mourinho nicht, sollte man vielleicht anfügen... es sei nur an seinen armseligen Spruch erinnert, den er abließ, nachdem er Tito seinen Finger ins Auge gestochen hatte: "Pito Vilanova? Ich weiß nicht, wer dieser Pito ist." (Pito ist ein vulgärer spanischer Ausdruck für Schwanz.)

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Zur Person

LUIS MARTÍN, 45, Sport-Journalist und Barça-Experte bei "El País". Seit 1988 berichtet er für Spaniens größte Tageszeitung über den FC Barcelona. Zudem ist er bei Welt- und Europameisterschaften vor Ort, um über die spanische Nationalmannschaft zu schreiben.

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Speicheldrüsenkrebs

Parotistumor
Vor dem Ohr, in der Backe, liegt die größte Speicheldrüse des Menschen, im Fachjargon Parotis genannt. Sie ist der häufigste Ort für Speicheldrüsentumoren. Sowohl gutartige als auch bösartige Wucherungen wachsen meist, ohne dass die Betroffenen zunächst Schmerzen spüren.

Das erste Symptom, das Patienten auffällt, ist häufig eine Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialis): Die Muskeln der betroffenen Gesichtshälfte erschlaffen. Die Patienten können die Stirn nicht mehr runzeln, das Auge unter Umständen nicht mehr vollständig schließen, der Mundwinkel hängt herab.

Der Großteil (70 bis 80 Prozent) der Parotistumoren ist gutartig, höchstens ein knappes Drittel bösartig. Gutartige Wucherungen können auch zu bösartigen entarten.
Behandlung
Die Tumoren müssen immer operiert werden, weil sich auch gutartige Wucherungen zu bösartigen entwickeln können. Die Operation ist wegen des Gesichtsnervs heikel: Er läuft mitten durch die Ohrspeicheldrüse - und sollte bei der Operation nicht verletzt werden. Die Parotis selbst wird normalerweise ganz entfernt, wenn der Tumor bösartig ist. Wächst der Krebs bereits in den Fazialis hinein, muss auch der Nerv entfernt werden. Folge ist unter anderem eine Gesichtslähmung.

Bei manchen Patienten ist die Operation damit noch nicht beendet: Unter Umständen müssen die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte noch Lymphknoten am Hals entfernen. Bei dieser so genannten Neck Dissection werden auch einige Muskeln, Gefäße und Nerven am Hals und eine weitere Speicheldrüse entfernt. Zusätzlich zur Operation bekommen manche Patienten eine Chemotherapie oder werden bestrahlt.
Häufigkeit
Insgesamt gehören Speicheldrüsentumoren zu den seltenen Krebsarten. An sämtlichen Tumoren der Mundhöhle, zu denen der Parotistumor gehört, erkranken jährlich rund 13.000 Menschen in Deutschland neu. Beim Brustkrebs alleine sind es dagegen 72.000 Neuerkrankungen jährlich.
Prognose
Bei Krebs in Mundhöhle und Rachen liegt die Überlebensrate fünf Jahre nach der Diagnose bei 55 Prozent für Frauen und 47 Prozent für Männer (Zahlen von 2000 bis 2004). Die Prognose hängt unter anderem davon ab, ob der Tumor vollständig entfernt werden kann oder nicht. Speicheldrüsenkrebs hat eine vergleichsweise hohe Rezidivrate, das heißt die Tumoren neigen dazu, erneut aufzutreten.
Quellen

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