06.01.2013
Rassismus im italienischen Fußball
Lazio-Fans verhöhnen dunkelhäutigen Spieler
Cagliari-Spieler Ibarbo: Rassistische Beleidigungen
Hamburg - Die Wogen um die rassistischen Anfeindungen gegen AC-Mailand-Spieler Kevin-Prince Boateng haben sich noch nicht geglättet, da hat der italienische Fußball schon den nächsten Skandal dieser Art. Das Serie-A-Spiel zwischen Lazio Rom und Cagliari Calcio (2:1) ist am Samstagabend von ähnlichen Vorfällen überschattet worden: Anhänger von Lazio, dem Team des deutschen Nationalspielers Miroslav Klose, beschimpften den dunkelhäutigen Cagliari-Spieler Victor Ibarbo.
Aus der Kurve der Rom-Ultras, die für ihre rechtsextremistische Orientierung bekannt sind, ertönten in der ersten Halbzeit Pfiffe und hämische Rufe gegen den Kolumbianer. Andere Zuschauer versuchten, die Schmählaute mit Pfiffen zu übertönen. Daraufhin wandte sich Cagliaris Generaldirektor Luciano Marroccu an den Schiedsrichter und drohte mit dem Abzug der Mannschaft, sollten die Pfiffe nicht verstummen. Ibarbo versicherte allerdings, dass er das Spielfeld nicht verlassen werde, selbst wenn die Schmährufe anhalten sollten. Daraufhin wurde das Match fortgesetzt.
Der Ghanaer Boateng hatte am Donnerstag im Testspiel gegen Pro Patria in der 26. Minute einen Spielabbruch herbeigeführt, weil er und seine dunkelhäutigen Teamkollegen wiederholt von gegnerischen Fans rassistisch verhöhnt worden waren. Für die Reaktion erhielten Boateng und sein Team europaweit Anerkennung. Boateng, der zuletzt angedeutet hatte, Italien verlassen zu wollen, bezeichnete die Vorgänge in Rom via Twitter als "sehr traurig".
Cagliaris Manager Marroccu bezeichnete die neuen Vorfälle als "verwerflich". Er habe den Schiedsrichter angesprochen, weil die Rufe zu laut geworden seien. "Aber den Beschluss über den Abbruch des Spiels muss der Schiedsrichter fällen", sagte er.
Lazio-Präsident Claudio Lotito hielt sich mit Kritik an den eigenen Anhängern zurück. "Unsere Fans sind keine Rassisten. Wir haben auch einige dunkelhäutige Spieler in unseren Reihen." Der Club könne nicht jeden einzelnen Anhänger kontrollieren, sagte Lotito: "Ich denke, dass die Fan-Gemeinschaft insgesamt bewertet werden muss, und die ist intakt. Einige wenige Rassisten können nicht das Gesamtbild beeinflussen."
psk/sid