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17.01.2013
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Neuer Coach Guardiola

Bayerns großer Coup

Von , München
Foto: DPA

Wir sind da - und wie! Mit dieser Botschaft zieht der FC Bayern in die kommende Saison. Trainerstar Pep Guardiola dürfte die Münchner in eine ruhmreiche Zukunft führen. Doch einige Fragen stellen sich noch.

Am Tag, als Europas Fußball aus seinem winterlichen Dämmerzustand herausgerissen wurde, senkte sich in München friedlich Schnee auf den kalten Boden. Die Stadt lag scheinbar unbeteiligt in weiß getaucht, da ordnete der FC Bayern die Kräfteverhältnisse im europäischen Fußball komplett neu.

Neun Monate des Werbens um den begehrtesten Trainer der Welt fanden ein spektakuläres Ende: Pep Guardiola, 41, zieht es nicht nach England, nicht nach Spanien, nicht sonst wohin, wo Geld nur eine Frage des Forderns ist. Der Mann, der in Barcelona die besten Spieler der Welt zum besten Team der Welt modelliert hatte, findet die gesuchte Herausforderung beim FC Bayern. In Deutschland. In der Bundesliga. Das ist die Sensation.

Lange Zeit wäre dieser Wechsel unvorstellbar gewesen. Nun ist er Ausweis der sehr gesunden Entwicklung des deutschen Fußballs insgesamt, natürlich dank seines Tempomachers aus München. "Wir sind sicher, dass er nicht nur dem FC Bayern, sondern auch dem deutschen Fußball viel Glanz verleihen kann", freute sich Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende weiß: Dieser Coup strahlt vor allem ins Ausland - und dort den konkurrierenden Verantwortlichen von Chelsea, Manchester City oder Paris St. Germain mitten ins Gesicht. Er blendet in einer Art, die verdeutlicht: Wir sind da - und wie. Der deutsche Fußball boomt.

Drohende Süd-West-Schieflage

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Pep Guardiola: Erst Barça, bald Bayern
Der FC Bayern ist ein Vorbild für Anhänger des gesunden Wirtschaftens. Die Krise in Europa und das Financial Fairplay der Uefa belohnen ökonomische Seriosität. Von dieser Entwicklung profitiert die ganze Bundesliga mit ihren europaweit unerreichten Zuschauerzahlen, einer belastungsfähigen Struktur und einer gewachsenen Sponsorenlandschaft.

Guardiolas Entscheidung ist auch eine Entscheidung für diese Liga. Mit keinem Transfer, abgesehen vielleicht von Messi, hätte der deutsche Fußball einen größeren Sprung vollziehen können. Selbst in Dortmund, von wo aus schnellstens Glückwünsche gesendet wurden (BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "großartig"), überdeckt die Faszination über diesen wohl gesamtdeutschen Coup die Furcht vor einer sich daraus möglicherweise entwickelnden Süd-West-Schieflage.

In den Stunden nach der Entscheidung überlagert der wohlige Rausch fast alle Bedenken. Denn weit entfernt von der Aufnahme ins Best-of-Album des Vereins ist die Verpflichtung des erfolgreichsten Trainers der vergangenen Jahre (14 Titel in vier Jahren) nicht. Unter den spektakulärsten Transfers der Bundesliga-Geschichte schafft dieser sicherlich eine Spitzenposition. Fast zwölf Jahre nach dem bislang letzten Triumph in der Champions League ist klar, was das Ziel der Verpflichtung ist: Der FC Bayern fordert mehr denn je Europas Spitzenposition.

Harmoniert der stille Analytiker mit dem hitzigen Sammer?

Fragen bleiben dennoch. Kann Guardiola nach Messi, Xavi und Iniesta auch mit bodenständigerem Personal eine Ära begründen? Wie gut harmoniert der stille Analytiker, der außerhalb Barcelonas noch nicht bestehen musste, mit dem hitzigen Matthias Sammer, der eine FC-Bayern-Spielkultur im Verein etablieren will? Wird dem Heilsbringer die Zeit für sein langfristig angelegtes Arbeiten gegeben, das er für die erhofften spieltaktischen Revolutiönchen braucht? Und welche Rolle spielt die Sprache?

Ihre Antwort auf diese Fragen haben die Bayern mit der Verpflichtung selbst gegeben. In München wird Guardiola alles zugetraut, auch dass er im Juli seine Antrittsrede in flüssigem Deutsch hält. Guardiola ist für das Alpenvorland, was Obama 2008 für die westliche Welt war: die personifizierte Hoffnung auf große Zeiten.

Doch auch nüchtern betrachtet, sieht die Zukunft ziemlich glanzvoll aus. Der Trainer Guardiola, der in Barcelona vereinseigene Jugendspieler zu Weltklassekickern formte, trifft auch in München auf willige und grundsätzlich fähige, im Verein verwurzelte Schützlinge. Die Zahl der egozentrischen Launefußballer hält sich wie in Barcelona in Grenzen - ganz im Gegensatz zu London, Manchester oder Paris.

Der FC Bayern wollte eine langfristige Lösung. Guardiola suchte eine langfristige Herausforderung. Bei der von Investoren geprägten Konkurrenz war die Chance auf eine ruhige Entwicklung nicht wirklich gegeben. In München ist zudem trotz soliden Wirtschaftens genügend Festgeld vorhanden, um dem Trainer im Sommer den einen oder anderen Spielerwunsch zu erfüllen. Der Name Guardiola wird dabei auf etwaige Kandidaten sicherlich nicht abschreckend wirken.

Darüber hinaus steigt mit dem neuen Trainer die Anziehungskraft der ganzen Liga. Die Begehrlichkeiten, die er selbst weckt, werden jedoch nicht abreißen. Vor wenigen Tagen bekräftigte Guardiola, dass er irgendwann gerne in der englischen Premier League arbeiten wolle. Vielleicht ein Ablenkungsmanöver, dennoch: Es war ein harter Kampf für die Bayern-Bosse, Guardiola nach München zu holen. Es könnte noch größerer Anstrengung bedürfen, den willensstarken Trainer über das Vertragsende 2016 zu halten.

Forum

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insgesamt 186 Beiträge
1. Herzlichen Glückwunsch BVB
vialli_no9 17.01.2013
Klar dass sich Watzke freut, er hofft auf einen zweiten Trappatoni. Naja und dadurch das Heynckes abgesetzt ist kommt Unruhe in die Mannschaft. Vielleicht kann der BVB doch noch das unmögliche schaffen.
Klar dass sich Watzke freut, er hofft auf einen zweiten Trappatoni. Naja und dadurch das Heynckes abgesetzt ist kommt Unruhe in die Mannschaft. Vielleicht kann der BVB doch noch das unmögliche schaffen.
2. Das wird nichts , besser wäre gewesen B.M.
mercadante 17.01.2013
nach Spanien zu verlegen , anstatt Guardiola nach München zu holen .
nach Spanien zu verlegen , anstatt Guardiola nach München zu holen .
3. Ich mag mir
eisbaerchen 17.01.2013
garnicht vorstellen, wieviel Kohle dafür über den Tisch geht. Der kommt garantiert nicht nach München weil er die Bayern-Bosse so sympatisch findet. Na ja, und dann ist da ja auch noch die winzige Möglichkeit, dass es in [...]
Zitat von sysopWir sind da - und wie! Mit dieser Botschaft zieht der FC Bayern in die kommende Saison. Trainergott Pep Guardiola dürfte die Münchner in eine ruhmreiche Zukunft führen. Doch einige Fragen stellen sich noch. Neuer Bayern-Coach Guardiola: Hoffnung auf große Zeiten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/neuer-bayern-coach-guardiola-hoffnung-auf-grosse-zeiten-a-878052.html)
garnicht vorstellen, wieviel Kohle dafür über den Tisch geht. Der kommt garantiert nicht nach München weil er die Bayern-Bosse so sympatisch findet. Na ja, und dann ist da ja auch noch die winzige Möglichkeit, dass es in München nicht so funktioniert wie in Barcelona...aber darüber denken wir mal am besten jetzt garnicht nach...
4. Jetzt noch Messi,und Bayern ist unschlagbar.....und Insolvenz berechtigt;)
simbally 17.01.2013
um diesen Coup zu finanzieren,hat Uli sicherlich Lahm verkauft, für 5000 Euro an Holstein Kiel;) Wir haben fertig!
um diesen Coup zu finanzieren,hat Uli sicherlich Lahm verkauft, für 5000 Euro an Holstein Kiel;) Wir haben fertig!
5. kein Titel
pk10585 17.01.2013
Ich mag Herrn Guardiola sehr und wünsche ihm alles Gute, jedoch in München ist bereits manch einem großen Trainer anders als erwartet ergangen. Ich muss z.B. an Herrn Trapatoni denken. Was war das für ein Hype... der Boden [...]
Zitat von sysopWir sind da - und wie! Mit dieser Botschaft zieht der FC Bayern in die kommende Saison. Trainergott Pep Guardiola dürfte die Münchner in eine ruhmreiche Zukunft führen. Doch einige Fragen stellen sich noch. Neuer Bayern-Coach Guardiola: Hoffnung auf große Zeiten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/neuer-bayern-coach-guardiola-hoffnung-auf-grosse-zeiten-a-878052.html)
Ich mag Herrn Guardiola sehr und wünsche ihm alles Gute, jedoch in München ist bereits manch einem großen Trainer anders als erwartet ergangen. Ich muss z.B. an Herrn Trapatoni denken. Was war das für ein Hype... der Boden bebte förmlich nach der Bekanntgabe.

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