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17.01.2013
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Heynckes vor dem Abschied

Der Mister geht

Von
Bongarts/Getty Images

Noch-Bayern-Coach Heynckes: "Verdienter Abschied für einen großen Trainer"

Die Verpflichtung von Josep Guardiola bedeutet den Abschied von Jupp Heynckes. Der 67-Jährige beendet im Sommer seine mehr als 30-jährige Trainerkarriere. Ausgerechnet die letzte Spielzeit könnte die erfolgreichste seiner Laufbahn werden.

Im Moment des größten Trubels bewies der FC Bayern funktionierendes Taktgefühl. In der offiziellen Presseerklärung, mit der der Trainercoup um Josep Guardiola bestätigt wurde, gehörten die ersten und letzten Worte dem scheidenden Coach. "Extrem dankbar" sei man in München dem "großen Trainer" Jupp Heynckes, wurde Bayern-Präsident Uli Hoeneß zitiert. BVB-Trainer Jürgen Klopp wünschte Heynckes bereits, "dass er die Zeit danach richtig geniessen kann. Ich werde ihn vermissen".

Es klang ein wenig wie ein Nachruf, doch dies ist noch reichlich verfrüht.

Denn ausgerechnet die Abschiedsrunde des Jupp Heynckes könnte seine erfolgreichstes halbes Jahr in seiner langen Trainerkarriere werden.

Drei Titel peilen die Bayern nach wie vor an, so viel hat Heynckes weder als Spieler noch als Coach in einer Saison je gewonnen. Die Spieler seien jetzt in der Pflicht, dem 67-Jährigen einen "verdienten Abgang" zu bescheren, hatte Vorstand Karl-Heinz Rummenigge an die Profis appelliert. Und damit alle Bedenken zu zerstreuen versucht, an der Säbener Straße agiere ab sofort ein Trainer auf Abruf.

Die Gefahr, dass die Spieler Heynckes nunmehr als "lame duck", als Coach mit gesunkener Autorität ansehen könnten, ist tatsächlich äußerst gering. Der Trainer hat sich in seinen zwei Jahren in München einen bleibenden Bonus erarbeitet, der von der Entscheidung vom Mittwoch unberührt bleibt. Er hat das Umfeld nach der unruhigen Ära van Gaal befriedet und die Spieler weitgehend spielen lassen.

Profis können unter ihm angstfrei auftreten

Heynckes war und ist nie jemand gewesen, der für seine Mannschaften große konzeptionelle und spieltaktische Visionen erdacht hat. Ihm war ein geordnetes Arbeiten mit einem zufriedenen Team wichtiger. Die Profis danken es ihm, sie wissen sich respektiert, sie wissen, dass sie angstfrei aufspielen können. Bei den Bayern hat das viele Bremsen gelöst.

Für einen Nachfolger käme nur ein "Trainer vom Kaliber eines Pep Guardiola in Frage", hat Hoeneß noch festgestellt. Und ohne die Möglichkeit, den katalanischen Superstar nach München zu holen, hätte der Club die Bemühungen, Heynckes noch einmal zum Weitermachen zu bewegen, wohl auch noch intensiviert. Der Routinier hatte zuletzt sichtlich noch Spaß an seinem Job, hatte im Trainingslager mehrfach betont, welche Forschritte das Team unter ihm gemacht habe und gesagt: "Ich bin jetzt eineinhalb Jahre hier, man sieht, dass das Früchte trägt."

Wie auch immer die Umstände waren, die sich um den Trainerwechsel rankten - Heynckes ist Gentleman genug, auch die Personalie Guardiola stilvoll zu kommentieren: Der Spanier sei eine "wundervolle Lösung", hieß es von ihm. Nachtreten hat nie zu Heynckes' Instrumentenkasten gehört.

In Italien werden die Trainer als "Mister" bezeichnet. Das ist eine Respektsbezeugung, als Zeichen von Hochachtung und Anerkennung. Beim FC Bayern hatte bisher nur der frühere Coach Giovanni Trapattoni diesen Titel.

Derzeit hat der FC Bayern wieder einen Mister.

Rummenigge verriet am Donnerstag, dass Guardiola im Gespräch mit ihm bereits die ersten Worte Deutsch gelernt und angewendet habe. Sie hießen: "Wie geht es Jupp?"

Forum

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insgesamt 46 Beiträge
1. Wie geht es Jupp?
yacnut 17.01.2013
Seine ersten deutschen Worte. Scheint ein anständiger Kerl zu sein. Alles Gute Pep!
Seine ersten deutschen Worte. Scheint ein anständiger Kerl zu sein. Alles Gute Pep!
2. Als Spieler...
gsinill 17.01.2013
...und als Trainer top! Danke Jupp!
...und als Trainer top! Danke Jupp!
3. Endlich tritt er ab!
jaidru 17.01.2013
Es wird allerhöchste Zeit, dass Heynckes sich in den Ruhestand verabschiedet. Hätten die Bayern letzte Saison schon einen ordentlichen Trainer gehabt, hätten sie das CL-Finale gewonnen. Völlig absurdes Coaching von Heynckes.
Es wird allerhöchste Zeit, dass Heynckes sich in den Ruhestand verabschiedet. Hätten die Bayern letzte Saison schon einen ordentlichen Trainer gehabt, hätten sie das CL-Finale gewonnen. Völlig absurdes Coaching von Heynckes.
4. Ach ist das schön...
nando70 17.01.2013
...wie lieb man sich hat, wenn alles so gut läuft. Würde mich bloß mal interessieren, wie es wäre, wenn der liebe Jupp nicht so erfolgreich wäre und auch gar keine Absichten hätte, zu gehen.
...wie lieb man sich hat, wenn alles so gut läuft. Würde mich bloß mal interessieren, wie es wäre, wenn der liebe Jupp nicht so erfolgreich wäre und auch gar keine Absichten hätte, zu gehen.
5. ...
taubenvergifter 17.01.2013
Wer hätte gedacht, dass Heynckes nochmal eine so große Zeit beim FCB haben würde, nachdem er in der Horror-Saison 1991/92 gefeuert wurde. Er war immer recht anständig und konsequent und wenn man sich überlegt, wo heute sein [...]
Wer hätte gedacht, dass Heynckes nochmal eine so große Zeit beim FCB haben würde, nachdem er in der Horror-Saison 1991/92 gefeuert wurde. Er war immer recht anständig und konsequent und wenn man sich überlegt, wo heute sein ehemaliger Erzfeind Daum gelandet ist, dann hat sich Heynckes recht stille, bescheidene Art letztlich durchgesetzt, sogar in einem Haifischbecken Bayern München.

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