19.01.2013
Mainz vs. Freiburg
Der Spielfilm des Spitzenspiels
Von Christian Gödecke
Sorg, Müller: Ausgeglichen wie selten
Die Ausgangslage: Mainz gegen Freiburg, Sechster gegen Fünfter, Konzepttrainer gegen Konzepttrainer, Spielkultur gegen Spielkultur, Pressing gegen Gegenpressing gegen Gegen-Gegenpressing, Überraschungsteam gegen Überraschungsteam, sympathisch gegen sympathisch - selten war ein Spitzenspiel vor dem Anpfiff so ausgeglichen. Bei Punkten (26) und erzielten Toren (24) lagen beide Clubs ebenfalls gleichauf, und auch die Verantwortlichen demonstrierten Einigkeit: Beide Trainer sehen ihre Mannschaften nämlich offiziell im schlimmsten Abstiegskampf.
Die erste Halbzeit: Wurde zunächst von Freiburg bestimmt. Die Gäste kaperten die Mainzer Hälfte, machten schon am gegnerischen Strafraum Druck und zwangen die Abwehrspieler dadurch zu ausschließlich hohen Bällen. Das verhinderte zum einen die gewohnte geordnete Spieleröffnung der Mainzer und hatte beinahe auch eine zählbare Folge: Doch in der vierten Minute traf Freiburgs Stürmer Karim Guédé nur das Außennetz. Das Konzept Dauerpressing funktionierte wunderbar, wurde aber leider schon nach fünf Minuten eingestellt. Danach übernahm Mainz, traf aber auch nicht.
Die zweite Halbzeit: Lief im Prinzip wie die erste, nur ohne Besetzung der Mainzer Hälfte und mit noch mehr Dauerdruck des Tuchel-Teams. "Wir können zufrieden mit dem Unentschieden sein", sagte Freiburgs großartiger Torwart Oliver Baumann nach dem Spiel. Und so was sagt man nur, wenn man in Wahrheit froh ist, nicht verloren zu haben.
Zwayer, Krmas, Rote Karte, Parker (v.l.): Kein klarer Fall
Pechvogel des Spiels: Shawn Parker. Der Mainzer Stürmer wurde in der 68. Minute eingewechselt, um die Freiburger Abwehr zu verunsichern. Gelang ihm dann leider nur mit dem Schiedsrichter Felix Zwayer. Dieser zeigte ihm in der 86. Minute zunächst Gelb für einen Sturz im Strafraum, der eher ein Elfmeter als eine Schwalbe war. Dann zeigte er ihm drei Minuten später schließlich Gelb-Rot für eine Berührung von Freiburgs Torwart Oliver Baumann, der eher ein Zurückziehen als ein Foul war.
Duell des Spiels: Julian Baumgartlinger gegen Karim Guédé. In der 17. Minute sah Guédé Gelb für ein Foul gegen Baumgartlinger. Sechs Minuten später sah Baumgartlinger Gelb für ein Foul gegen Guédé. Danach ließen sich die beiden in Ruhe.
Jubilar des Spiels: Nikolce Noveski. Bestritt gegen Freiburg sein 200. Bundesligaspiel und hätte in der 40. Minute aus sieben Metern beinahe sein siebtes Bundesligator erzielt - doch Freiburgs Torwart Baumann war so gemein, den Schuss zu halten. So bleiben Noveskis Karrieretreffer schön gleichmäßig verteilt. Sechs Tore stehen sechs Eigentore gegenüber.
Trainer Tuchel: Ein Mann für die Spitze
Realist des Spiels: Christian Streich. Sagte vor der Partie, dass "sehr, sehr viel zusammenkommen" müsse, um aus Mainz "etwas mitzunehmen". Es kam nicht viel zusammen, mitgenommen wurde immerhin ein Punkt.
Wortspiele des Spiels: Ausgerechnet der Freiburger Schuster hatte zeitweise Probleme mit seinem Schuhwerk. Und einmal ließ Schmid Junior Diaz alt aussehen.
Weisheit des Spiels: Minus und Minus ist plus. Pressing und Gegenpressing ist Unentschieden.
Bewerbung des Spiels: Freiburgs Daniel Caligiuri - als Stuntman in einer Hollywoodproduktion. Hob in der 70. Minute in der Nähe von Andreas Ivanschitz ab, schaffte in der Luft einen lauten Schmerzensschrei, eine halbe Seitwärtsdrehung und am Ende sogar eine spektakuläre Landung. Das Ganze sollte übrigens ein Foul darstellen, Schiedsrichter Zwayer fiel zum Glück nicht drauf rein.
Egoist des Spiels: Zdenek Pospech. Übersah Ende der zweiten Halbzeit gleich zweimal den mitgelaufenen (und besser stehenden) Mainzer Mitspieler. Schoss stattdessen lieber selbst vorbei - und bleibt gerechter Weise bei null Saisontoren.
