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23.01.2013
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Frankfurter Ultras

Feuer und Gegenfeuer

Von
Getty Images

Fans von Eintracht Frankfurt sind wieder einmal auffällig geworden - doch nach den Bengalo-Würfen von Leverkusen schwindet der Rückhalt für die Ultras. Dem Verein droht eine harte Strafe, die Anhänger weisen jede Verantwortung zurück.

Auf das Feuer im Block folgt eine hitzige Debatte: Was tun mit den Fans von Eintracht Frankfurt? Zum wiederholten Male haben sich die Anhänger der Hessen auswärts daneben benommen. Am Wochenende schossen sie in Leverkusen Leuchtraketen auf das Spielfeld, warfen Bengalos und Böller. Schiedsrichter Wolfgang Stark unterbrach das Spiel für sieben Minuten, schickte die Profis in die Kabinen.

Seitdem gibt es zahlreiche Spekulationen darüber, welche Strafe die Wiederholungstäter aus Frankfurt jetzt erwartet. Eine hohe Geldbuße? Ein Teilausschluss der Zuschauer? Ein komplettes Geisterspiel? Wenn man die Signale aus der DFB-Sportgerichtsbarkeit richtig deutet, steht zumindest eines fest: Die Eintracht, die im Vergleich zu einem Club wie Dynamo Dresden bislang auffallend milde sanktioniert wurde, wird jetzt hart bestraft.

Die üblichen Klagen über die vermeintliche Willkür der Verbände laufen diesmal ins Leere. Denn diejenigen, die Leuchtraketen auf das Spielfeld geschossen haben, aber auch diejenigen, die "nur" Bengalos zündeten, haben nicht nur ihrem Verein, sondern auch dem vernünftigen Teil der aktiven Fanszene bundesweit schwer geschadet.

Vertrauensvorschuss wurde enttäuscht

Bayer Leverkusen hat keine besonders akribischen Eingangskontrollen durchgeführt. Das Vertrauen wurde prompt enttäuscht. Wer soll es dem nächsten Gegner der Eintracht verdenken, wenn er wieder eine härtere Gangart am Gästeblock einschlägt? So wie der FC Bayern, der die Hessen bei deren Gastspiel im November mit Ganzkörperkontrollen empfing, die selbst Bürgerrechtler für völlig überzogen hielten.

Umso überraschender ist es, dass die Frankfurter Ultras, deren ausweichende Erklärung man mit viel Phantasie als Distanzierung interpretieren kann, noch relativ gut dastehen. Es müssen, so lautet der Tenor vielerorts, wohl andere gewesen sein, die durch bengalische Feuer, Böller und Leuchtraketen den zwischenzeitlichen Spielabbruch provoziert haben. Mitläufer, Trittbrettfahrer. Jedenfalls keine Ultras.

Die wenig aussagekräftige Erklärung, die die Ultras Frankfurt auf ihre Homepage gestellt haben, legt diese Sichtweise nah: "Unsere allgemeine Einstellung zu Pyrotechnik dürfte hinlänglich bekannt sein, wir verzichten daher an dieser Stelle auf langwierige Ausführungen. Wir möchten aber alle Eintrachtfans darüber informieren, dass das Zünden von Böllern, das Schmeißen von Bengalos und das Abschießen von Leuchtspur, insbesondere auch noch auf Spieler, nicht unsere Unterstützung findet." Heißt frei übersetzt: Das Zünden von Bengalos ist in Ordnung, für alles andere können wir nichts.

Bengalos schon mehrfach ins Stadioninnere geworfen

Ob das wirklich stimmt? Bisher haben die Frankfurter Ultras jedenfalls nicht auf das Werfen von Bengalos verzichtet, auch nicht in dieser Saison. Sowohl am 21. September in Nürnberg als auch am 30. November in Düsseldorf wurden die Feuerwerkskörper nach dem Abbrennen in den Stadioninnenraum geworfen - wie jetzt auch in Leverkusen. Dass die zuvor mitten im Ultrablock gezündet wurden, belegen die Fernsehbilder eindeutig.

Manche Ultras verteidigen sich wie Politiker oder Radprofis. Auch die räumen immer gerne das ein, was eh nicht mehr zu bestreiten ist. Die Leuchtraketen, von denen sich die Ultras distanzieren, wurden zwar nicht aus ihrer Mitte abgefeuert - wohl aber in deren unmittelbarer Nähe. Von Menschen, die - auch im Wortsinn - nicht in ihrer Reichweite waren? Wenn dem so wäre, hätte Selbstkontrolle in der Kurve keine Chance.

Weil aus der DFL-Spitze derzeit versöhnliche Signale zu vernehmen sind und es erst jüngst ein offenbar von allen Seiten als positiv empfundenes Gespräch zwischen Verbandsspitze und Fanvertretern gegeben hat, verzichten die meisten Gruppen derzeit auf den Einsatz von Pyrotechnik. Sie halten Fackeln zwar nach wie vor für einen unverzichtbaren Teil ihrer Fankultur, wollen aber Kompromissbereitschaft signalisieren.

Davon ist man in Frankfurt derzeit weit entfernt. Das zeigt auch der Hilferuf von Heribert Bruchhagen: "Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem es auch nichts mehr nutzt, dass man uns bestraft. Wir brauchen jetzt die Hilfe aller, das heißt die Hilfe des DFB, die Hilfe der Zuschauer, die Hilfe der vernünftigen Fans", sagte der Vorstandsvorsitzende der Eintracht jüngst bei Sport 1. "Wir müssen konzertiert gegen diese Gruppe vorgehen, um sie aus dem Stadion zu entfernen", so Bruchhagen.

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insgesamt 103 Beiträge
1. Unbelehrbare
hman2 23.01.2013
---Zitat--- So wie der FC Bayern, der die Hessen bei deren Gastspiel im November mit Ganzkörperkontrollen empfing, die selbst Bürgerrechtler für völlig überzogen fanden. ---Zitatende--- Wieso "selbst"? Das [...]
---Zitat--- So wie der FC Bayern, der die Hessen bei deren Gastspiel im November mit Ganzkörperkontrollen empfing, die selbst Bürgerrechtler für völlig überzogen fanden. ---Zitatende--- Wieso "selbst"? Das klingt ja, als wenn ausgerechnet Bürgerrechtler besonders viel Kontrolle gut fänden. Nein, nur Bürgerrechtler finden das völlig überzogen. Leider gibt es genug Zeitgenossen, die Inhalt und Sinn des Sprengstoffgesetzes erst dann kapieren, wenn sie von einem Richter belehrt, bzw. verknackt werden. Ultras, lernt es endlich. Da gibt es *nichts* was DFL oder DFB "liberalisieren" könnten. Sprengstoffe sind verboten. Vom Gesetz. Und das ist gut so. So ein Bengalo brennt sich in Sekunden durch dicksten Stoff, eine Kunststoffjacke entzündet sich, und schon ist der Kumpel nebenan eine lebende Fackel. Das alles nehmt ihr billigend (!) in Kauf. Schöne "Fans"...
2. Die Lösung
freigeist1964 23.01.2013
das kann man ganz schnell ändern. Sobald in einem Block ein bengalischen Feuer gezündet wird, wird der ganze Block geräumt und allen Personen in diesem Block ein Stadionverbot für die ganze Saison ausgesprochen , bzw bei [...]
Zitat von sysopAFPFans von Eintracht Frankfurt sind wieder einmal auffällig geworden - doch nach den Bengalo-Würfen von Leverkusen schwindet der Rückhalt für die Ultras. Dem Verein droht eine harte Strafe, die Anhänger weisen jede Verantwortung zurück. http://www.spiegel.de/sport/fussball/ultras-von-eintracht-frankfurt-a-879217.html
das kann man ganz schnell ändern. Sobald in einem Block ein bengalischen Feuer gezündet wird, wird der ganze Block geräumt und allen Personen in diesem Block ein Stadionverbot für die ganze Saison ausgesprochen , bzw bei Wiederholungen ein lebenslanges Stadionverbot ausgesprochen! Das ist zwar nicht gerecht, aber darüber kann man getrost hinwegsehen, Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die wirklichen Fans in dem Block dann dafür sorgen werden, dass Ruhe im Stadion einkehrt!
3.
ovoso 23.01.2013
Veh hat hierfür wie ich finde die richten Worte gefunden "Deutliche Worte fand Veh auch noch einmal für die Eintracht-Fans, die am vergangenen Samstag durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern für eine Unterbrechung [...]
Veh hat hierfür wie ich finde die richten Worte gefunden "Deutliche Worte fand Veh auch noch einmal für die Eintracht-Fans, die am vergangenen Samstag durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern für eine Unterbrechung des Spiels in Leverkusen gesorgt hatten. «Das belastet uns im sportlichen Bereich. Wir werden jeden Tag mit diesem Mist konfrontiert», schimpfte der Coach. «Fragt diese Typen mal, wer bei uns spielt. Das wissen die gar nicht. Die kommen ja nicht mal ins Kino, wenn die Filme ab 18 sind. Wenn wir sportlich bestraft werden wegen diesen Vollidioten, verstehe ich die Welt nicht mehr.»" Quelle: Transfermarkt.de Meiner Erfahrung nach sind Ultras nicht wirklich interessiert am Fussball sondern wollen diesen als Bühne nutzen.
4.
funnyone2007 23.01.2013
(solche) Feuerteufel Ultras braucht kein mensch und keine Mannschaft! solch Ultras nerven einfach nur und sind so beliebt wie ein Stein im Schuh und so überflüssig wie ein Sandkasten in der Sahara. Ultars meinen sie wären [...]
(solche) Feuerteufel Ultras braucht kein mensch und keine Mannschaft! solch Ultras nerven einfach nur und sind so beliebt wie ein Stein im Schuh und so überflüssig wie ein Sandkasten in der Sahara. Ultars meinen sie wären wichtig, dabei sind sie nur noch sich selbst wichtig.
5.
funnyone2007 23.01.2013
nein danke.. das geht zu weit und Sippenhaft brauchen wir in deutschkand nicht, es würde reichen die Täter zu fassen und zu verklagen.
Zitat von freigeist1964das kann man ganz schnell ändern. Sobald in einem Block ein bengalischen Feuer gezündet wird, wird der ganze Block geräumt und allen Personen in diesem Block ein Stadionverbot für die ganze Saison ausgesprochen , bzw bei Wiederholungen ein lebenslanges Stadionverbot ausgesprochen! Das ist zwar nicht gerecht, aber darüber kann man getrost hinwegsehen, Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die wirklichen Fans in dem Block dann dafür sorgen werden, dass Ruhe im Stadion einkehrt!
nein danke.. das geht zu weit und Sippenhaft brauchen wir in deutschkand nicht, es würde reichen die Täter zu fassen und zu verklagen.

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