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27.01.2013
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Hamburger SV gegen Bremen

Brutale Vergangenheit, umkämpfte Gegenwart

Von
Getty Images

Tore, Platzverweise und allerhand Diskussionsstoff: Das Nordderby zwischen Hamburg und Bremen bot jede Menge Brisanz. Am Ende siegte mit dem HSV das cleverere Team. Werder-Trainer Thomas Schaaf zeigte sich trotzdem zufrieden - zumindest mit der Leistung seiner Elf.

Zwei Plakate, gut hundert Meter Luftlinie voneinander entfernt, erinnerten schon vor dem Anpfiff des Nordderbys zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen an die Brisanz dieses Duells. "Geboren 1965, verstorben 1982" stand auf dem Banner, das kurz vor Anpfiff den gesamten Werder-Block bedeckte. Zu sehen war darauf auch das Gesicht eines jungen Mannes, das Gesicht von Adrian Maleika. Gegenüber, am Zaun vor den HSV-Fans hing ein Banner mit dem Schriftzug "Die Löwen Hamburg".

Im Herbst 1982 erlebte die Bundesliga einen ihrer schwärzesten Tage. Der 16-jährige Maleika war gemeinsam mit einer Gruppe Werder-Fans von HSV-Hooligans auf dem Weg zum Stadion überfallen worden. Eine Schlägerei brach aus, Maleika wurde mit einem Stein am Kopf getroffen und erlag einen Tag darauf seinen Verletzungen. Die damals grassierende Gewalt in den deutschen Stadien hatte einen traurigen Höhepunkt erreicht. "Die Löwen" waren an dem Überfall damals maßgeblich beteiligt und erhielten Stadionverbot. Seit dieser Saison wird die Gruppe wieder in der Hamburger Arena geduldet, das Banner darf wieder aufgehangen werden.

Von den Spielern, die nun am 19. Spieltag beim 3:2 (1:1)-Sieg der Hamburger auf dem Platz standen, war damals nur Clemens Fritz schon auf der Welt. Aber dass man sich auch gar nicht in der Derby-Geschichte auskennen muss, um Derby-Fußball spielen zu können, wurde an diesem Sonntag schnell klar.

"Mit dem Spiel bin ich zufrieden, mit dem Ergebnis nicht"

Vier Gelbe und zwei Gelb-Rote Karten verteilte Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer. Werder-Trainer Thomas Schaaf sprach anschließend ob des leidenschaftlichen Spiels, das sich trotz fiesem hanseatischen Schneeregens vor 54.758 Zuschauern entwickelt hatte, von einem "tollen Derby" und lobte - eine Woche nach dem desaströsen 0:5 gegen den BVB - die deutlich verbesserte Leistung seiner Mannschaft: "Mit dem Spiel bin ich zufrieden, mit dem Ergebnis nicht."

Die erneute Niederlage, Platz zwölf in der Tabelle (22 Punkte) und Kienhöfers Entscheidungen hingegen hatten Schaafs Laune merklich zugesetzt. Er wolle die Karten, die in der Schlussphase zu Platzverweisen von Clemens Fritz (80. Minute) und Marko Arnautovic (90.+1) geführt hatten, nicht kommentieren, so Schaaf. "Es ist alles eine Frage der Bewertung", knurrte der 51-Jährige. Sein Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic wurde deutlicher: "Die zweite Gelbe Karte gegen Marko war lächerlich." Arnautovic hatte angedeutet, den Ball in Richtung Schiedsrichter schießen zu wollen. "Wir werden im Moment einfach für unsere Fehler hart bestraft", zog Schaaf letztlich eine treffende Bilanz des Nachmittags.

Seine Mannschaft hatte zuvor besonders in der Offensive phasenweise stark gespielt, vor allem zu Beginn der Partie dominierten die Gäste. Der erstmals in dieser Saison von Beginn an spielende Mehmet Ekici sowie Aleksandar Ignjovski und Kevin De Bruyne sorgten mit schönem Kurzpassspiel immer wieder für Gefahr und ließen vergessen, dass die sonst gesetzten Aaron Hunt, Eljero Elia und Arnautovic nach Verletzungen zunächst auf der Bank saßen oder gar nicht erst mitgereist waren (Hunt).

Das 1:0 erzielte dann in Assani Lukimya-Mulongoti allerdings ein Innenverteidiger, ebenso wie den 2:3-Anschluss durch Sokratis, bei dem HSV-Keeper René Adler nicht gut aussah. Der Hamburger Marcell Jansen sprach nach der Partie von "zwei kuriosen Toren", die seine Mannschaft kassiert habe, der Sieg sei seiner Meinung nach durchaus verdient.

Van der Vaart bleibt blass

Tatsächlich erwies sich gegen Werders Verteidigung der vor einigen Spielen vollzogene Systemwechsel, Dennis Aogo vor Jansen auf der linken Seite spielen zu lassen, als effektiv. Die beiden ehemaligen Nationalspieler bereiteten besonders Werders Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassi immer wieder Probleme. Der Tscheche hatte bereits beim Ausgleich seinen Gegenspieler Heung Min Son (23.) nicht halten können und musste nach 56 Minuten raus. Aogo hatte allerdings Glück, dass das Handspiel vor seinem Tor (46.) vom Schiedsrichter unerkannt blieb. Es war die beste Phase des HSV, der sechs Minuten später durch Artjoms Rudnevs sogar noch auf 3:1 erhöhte.

Dass von Rafael van der Vaart nur wenige gute Aktionen zu sehen waren und sein Team dennoch einen Sieg errang, dürfte Trainer Thorsten Fink noch einmal zusätzlich freuen. Von der einst erwarteten Abhängigkeit vom Superstar war keine Spur. Trotz aller Fehler und Unsicherheiten geht der HSV als Tabellen-Neunter in den Rest der Rückrunde - und mit dem Wissen, auch solch enge und hitzige Spiele gewinnen kann. "Vor einem Jahr wäre wir hier noch untergegangen", sagte Fink. "Das ist eine klasse Entwicklung, ich bin sehr zufrieden."

Hamburger SV - Werder Bremen 3:2 (1:1)
0:1 Lukimya (9.)
1:1 Son (23.)
2:1 Aogo (46.)
3:1 Rudnevs (52.)
3:2 Sokratis (54.)
Hamburg: Adler - Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen - Badelj - Skjelbred (62. Arslan), Aogo - van der Vaart (82. Rincon) - Son (90. Rajkovic), Rudnevs
Bremen: Mielitz - Gebre Selassie (56. Arnautovic), Lukimya, Sokratis, Schmitz - Fritz - Ignjovski, Junuzovic, Ekici (89. Prödl), De Bruyne - Petersen
Schiedsrichter: Kinhöfer
Zuschauer: 54.758
Gelb-Rote Karten: Fritz wegen Foulspiels (80.), Arnautovic wegen unsportlichen Verhaltens (90.+1)
Gelbe Karten: Rudnevs (2), Adler (4) - Sokratis (4), Petersen (2)

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insgesamt 11 Beiträge
1. Interessant
tylerdurdenvolland 28.01.2013
Zwei irreguläre Tore sind dem SPON keine Erwähnung wert....
Zwei irreguläre Tore sind dem SPON keine Erwähnung wert....
2. Hamburg gegen Bremen!
papayu 28.01.2013
Das war doch schon immer so, Konkurrenz von nebenan!! 1957 am Schuppen 22, Landseite. Morgens, kurz nach 7 h. Ein LKW mit HB Nummer Das Luk oeffnet sich, einer guckt raus, dreht sich um und schreit nach hinten: " Mok [...]
Das war doch schon immer so, Konkurrenz von nebenan!! 1957 am Schuppen 22, Landseite. Morgens, kurz nach 7 h. Ein LKW mit HB Nummer Das Luk oeffnet sich, einer guckt raus, dreht sich um und schreit nach hinten: " Mok dat Luk dicht, dassen Bremer!! Andererseits, wie koennen heute die jungen Leute ihren Frust loswerden??
3.
lini71 28.01.2013
Um es etwas ironisch zu sagen: Ich denke Herr Kinhöfer wird bald in der Business Class mit dem HSV Hauptsponsor nach Dubai fliegen, so für 1€..... Und ironisch: 1. Herr Aogo hat ganz offensichtlich hand gespielt. [...]
Zitat von sysopGetty ImagesTore, Platzverweise und allerhand Diskussionsstoff: Das Nordderby zwischen Hamburg und Bremen bot jede Menge Brisanz. Am Ende siegte mit dem HSV das cleverere Team. Werder-Trainer Thomas Schaaf zeigte sich trotzdem zufrieden - zumindest mit der Leistung seiner Elf. http://www.spiegel.de/sport/fussball/sieg-im-nordderby-gegen-bremen-hamburger-glueckseeligkeit-a-879964.html
Um es etwas ironisch zu sagen: Ich denke Herr Kinhöfer wird bald in der Business Class mit dem HSV Hauptsponsor nach Dubai fliegen, so für 1€..... Und ironisch: 1. Herr Aogo hat ganz offensichtlich hand gespielt. 2. Hatte es Herr Aogo auch nach dem Spiel nicht nötig, sich dafür zu entschuldigen. Das ist dann doch sehr schwach..
4. Der Schiedsrichter
PeterPan95 28.01.2013
ist die Allmacht in Person. Leider unkontrollierbar. 2 irreguläre Tore und 1-2 unberechtigte gelb-rote Karten haben das Spiel entschieden, da alle Fehlentscheidungen gegen Werder getroffen wurden. Ohne Verschwörungstheorien zu [...]
ist die Allmacht in Person. Leider unkontrollierbar. 2 irreguläre Tore und 1-2 unberechtigte gelb-rote Karten haben das Spiel entschieden, da alle Fehlentscheidungen gegen Werder getroffen wurden. Ohne Verschwörungstheorien zu wecken, ist das dennoch erstaunlich viel Pech für ein Spiel.
5.
homersimpson75 28.01.2013
Irregulär war lediglich ein Tor, und das war für den Schiri schwierig zu sehen. Die Platzverweise kamen so spät, daß sie kaum noch Einfluß auf das Spiel hatten.
Irregulär war lediglich ein Tor, und das war für den Schiri schwierig zu sehen. Die Platzverweise kamen so spät, daß sie kaum noch Einfluß auf das Spiel hatten.

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