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04.02.2013
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Sicherheitsdebatte

Hannovers Kind will Ultras keine Karten verkaufen

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Hannover-Präsident Kind: "Das sind Pseudofans"

Stadionverbote, rigorose Stadionordnung - Bundesligist Hannover 96 geht seit einiger Zeit deutlich auf Konfrontationskurs mit seinen Ultras. Präsident Martin Kind denkt jetzt sogar darüber nach, ihnen in der neuen Saison den Eintritt zu verwehren.

Hamburg - "Das sind Pseudofans. Das Beste ist, sie bleiben weg", sagte Hannovers Präsident Martin Kind. Der 68-Jährige überlegt, Ultras in der nächsten Saison keine Eintrittskarten mehr zu verkaufen. Damit ginge Kind zunehmend auf Konfrontationskurs. In dieser Woche will er mit Fan-Vertretern über einen Maßnahmenkatalog für die nächste Saison diskutieren.

Hannover 96 musste für Vergehen seiner Fans in der vorigen Saison rund 80.000 Euro an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Europäische Fußball Union (Uefa) zahlen - hauptsächlich wegen des Zündens von Bengalos. Die Eintrittspreise für das Europapokalspiel gegen Anschi Machatschkala am 21. Februar wurden deshalb in zwei Fan-Blöcken erhöht.

Der Verein zählt zu den ersten Clubs, welche die Strafen direkt an die Verursacher weiterreichen. "Bei einigen hat das auch funktioniert", sagt Kind. Doch offenbar nicht bei allen. Mit der Randale im Bremer Vorort Achim, wo am Freitagabend mehrere hundert 96-Anhänger vor dem Werder-Spiel von der Polizei nach Hannover zurückgeschickt wurden, ist für Kind eine neue Stufe erreicht. Die Beamten ermittelten nach eigenen Angaben die Personalien von 434 Verdächtigten. Kind nannte das Verhalten der beteiligten Fans "völlig inakzeptabel".

Der Großeinsatz, den die Polizei in ihrem Pressebericht unter der Überschrift "Wer randaliert, wird das Spiel nicht sehen" beschrieb, wird in der Szene kontrovers diskutiert. Einzelne Augenzeugen widersprachen in der "Neuen Presse Hannover" der Darstellung der Polizei. Sie warfen den Beamten unter anderem vor, sie hätten willkürlich mit Schlagstöcken auf Fans eingeschlagen.

Auch die Fanhilfe Hannover bezeichnete das Verhalten der Polizei als überzogen und teilweise rechtswidrig. "Über 400 Fans wurden aufgrund von zwei Ordnungswidrigkeiten über Stunden festgehalten und in ihren Rechten jenseits jeglicher Verhältnismäßigkeit massiv eingeschränkt", erklärte die Organisation.

chp/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
1.
leon.fix 05.02.2013
Dann müssen die drei Hannoveraner Ultras leider draussen bleiben ;-)
Dann müssen die drei Hannoveraner Ultras leider draussen bleiben ;-)
2. Kurwaaa
kurwaaa 05.02.2013
2 Böller führen zu über 400 freiheitsentziehenden Maßnahmen. Ist ja nicht wirklich besser als in Russland. "Es ist schon erstaunlich, dass es auf einmal zu einer kleinen Wende in dieser Angelegenheit kommt. Aber, [...]
2 Böller führen zu über 400 freiheitsentziehenden Maßnahmen. Ist ja nicht wirklich besser als in Russland. "Es ist schon erstaunlich, dass es auf einmal zu einer kleinen Wende in dieser Angelegenheit kommt. Aber, lieber spät als nie. Nimmt man mal die Pressemitteilung der Bundespolizei http://www.presseportal.de/polizeipr...ahnverkehr/rss und die Artikel sämtlicher Printmedien zu diesem Thema, hat man das Gefühl, dass es sich bei allen um Schwerverbrecher handeln muss. Woher die zwei Bengalos auf dem Bahnhof in Achim kommen, weiß der Verfasser der Mitteilung wohl nur allein, reichte aber, um die restlichen Berichterstatter mitzureißen. Es folgte der Rundumschlag von Herrn Kind, der gewisse Restriktionen für alle Beteiligten nicht ausschließt. Nun sagt Herr Schmadtke „Es ist schwierig, von außen zu beurteilen, was da los war, weil wir von dem abhängig sind, was uns berichtet wird.“ Richtig, bevor man also die große Keule herausholt sollte man sich auch die andere Seite anhören. Das hätte Herr Kind berücksichtigen müssen, bevor er sich zu diesem Interview hinreißen lässt. Nun gibt es aber wohl die Erkenntnis, dass vielleicht doch einige Unbeteiligte in Achim gestrandet sind. Was war nun der Auslöser für diesen Meinungswandel? Der Druck, der in diversen Foren mit Berichten von Augenzeugen entstand; aufgebrachte Eltern, die mit Leserbriefen an die Presse gingen, da die Kette der Straftaten wie Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte… unendlich lang war und man sein Kind davor schützen wollte oder doch die Selbsterkenntnis?"
3. Soviel zu einer differenzierten Darstellung...
der_b 05.02.2013
http://www.taz.de/Polizeieinsatz-gegen-96-Fans-/!110438/
http://www.taz.de/Polizeieinsatz-gegen-96-Fans-/!110438/
4. Polizei - sachlich?
posenuckel 06.02.2013
Ich habe es auch schon einmal erlebt, dass ich Zeuge eines Vorfalls (nicht beim Fußball) wurde und dann im Nachhinein den Polizeibericht gelesen habe. Da war weder etwas sachlich noch neutral verfasst. Ich glaube nichts mehr von [...]
Ich habe es auch schon einmal erlebt, dass ich Zeuge eines Vorfalls (nicht beim Fußball) wurde und dann im Nachhinein den Polizeibericht gelesen habe. Da war weder etwas sachlich noch neutral verfasst. Ich glaube nichts mehr von dem, was von den ach-so-tollen Staatsdienern verfasst wird. Sieht man ja an diesem Beispiel wieder sehr gut, dass meine Einstellung dazu nicht die verkehrteste ist.

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