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10.02.2013
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VfB-Trainer Labbadia

Tinte trocken - Flasche leer

Von , Stuttgart
Getty Images

VfB-Coach Labbadia: Eine Sache der Konzentration

Vor elf Tagen erst wurde sein Vertrag bis 2015 verlängert, jetzt fordern die Fans seinen Rauswurf. Nach fünf Niederlagen in Folge steht Bruno Labbadia in Stuttgart unter Beschuss. Sauer sind die Fans auch auf den Vorstand - weil dieser den Verein kaputtspare.

Das Spiel war noch lange nicht vorbei, als sich Endzeitstimmung im westlichen Teil des Stuttgarter Stadions breitmachte. "Bruno raus" skandierten die Fans an der Eckfahne, "Stuttgart retten, Vorstand raus", die hinterm Tor. Und alle hatten irgendwie "die Schnauze voll".

Wer sollte den VfB-Fans ihren Frust auch verdenken angesichts der fünften Niederlage in Folge. Jeweils null Punkte gegen Bremen, Mainz, Wolfsburg, Bayern und Düsseldorf - drastischer kann eine Elf, die noch an Weihnachten ans internationale Geschäft dachte, nicht versagen. Oder doch?

In Wahrheit geht das nämlich durchaus: Der VfB hat es in den vergangenen Wochen schließlich geschafft, bei den vier Niederlagen seit Rückrundenstart mehr als ein Dutzend krasse Abwehrfehler zu fabrizieren, die ihm "das Genick gebrochen haben", wie Trainer Bruno Labbadia zugab.

Lange hat sich der VfB-Coach geziert, seinen Vertrag zu verlängern. Am 31. Januar war es dann endlich soweit. Nun sieht es so aus, als könne Labbadia froh sein, ein bis 2015 gültiges Arbeitspapier in den Händen zu haben. Wobei - und das ist aus Stuttgarter Sicht eher noch deprimierender - der VfB auch gegen Werder wieder gut ins Spiel kam und agierte, als sei er wild entschlossen, für sich und das Konzept des Trainers zu spielen.

Stuttgarts Defensive mit zu vielen "Molinaros"

Die erste halbe Stunde waren die Stuttgarter dann auch das klar bessere Team, das sowohl bei eigenem als auch bei gegnerischem Ballbesitz überzeugte. Doch was nützt das, wenn der Gegner jedes Mal von Fehlern profitiert, wie sie selbst in DFB-Pokal-Erstrundenspielen gegen bierbäuchige Siebtligisten selten passieren?

Bei der 1:4-Niederlage gegen Bremen gingen gleich drei der vier Gegentore auf das Konto der Stuttgarter Defensive. Zwei davon wurden dabei von so genannten "Molinaros" begünstigt. So nennen die VfB-Fans seit dem spielentscheidendem Fehler des gleichnamigen Verteidigers gegen Bayern die komplett unnötigen Abwehrböcke, die zu Torvorlagen für den Gegner werden.

Vor dem 1:2 durch Aaron Hunt (60. Minute) ließ sich William Kvist den Ball von Nils Petersen abluchsen. Dem 1:3 durch einen Freistoß von Mehmet Ekici (74.) ging ein Foul voraus, das Christian Gentner beging, um einen haarsträubenden Fehler von Georg Niedermeier auszubügeln. Und der 1:4-Schlusspunkt durch Kevin de Bruyne (90.) fiel, weil Keeper Sven Ulreich im Kasten blieb, anstatt den kürzeren Weg zum Ball zu nutzen. "Es hat doch keinen Sinn, über ein Tor in der Nachspielzeit zu diskutieren", sagte VfB-Manager Fredi Bobic: "Da war das Spiel längst entschieden."

So oder so: Lediglich der erste Bremer Treffer durch Ekici (34.) und der zwischenzeitliche Stuttgarter Ausgleich durch Ibrahima Traoré waren Tore, die nicht nach slapstickartigen Fehlern fielen. Und so sehr Werder-Coach Thomas Schaaf Recht hatte, wenn er sein Team für "ein gelungenes und gutes Spiel" lobte - Bremen trat am Samstag keinesfalls wie eine unschlagbare Elf auf. Wenn beim VfB derzeit eben nicht so vieles "eine Sache der Konzentration" wäre, wie Bobic befand.

Strukturelle Probleme bei den sparsamen Schwaben

Innenverteidiger Serdar Tasci wunderte sich nach dem Spiel dann auch zu Recht über die Dynamik des Duells: "Das 1:1 so kurz nach der Pause hätte uns Sicherheit geben müssen. Leider ist es anders herum gelaufen." Kapitän Tasci hatte einige Tage zuvor bereits festgestellt, der VfB habe "mental nicht die stärkste Mannschaft".

Was schwer zu bestreiten ist bei einem Team, in dem derzeit so gut wie alle Leistungsträger (inklusive dem einstigen Ausbund an Zuverlässigkeit, Kvist) viel zu viel mit ihren eigenen Formschwankungen zu tun haben, um den wenigen Jüngeren im Kader helfen zu können. Strukturelle Probleme, die auch eine Folge des Sparkonzepts sind, das Präsident Gerd Mäuser dem Club verordnet hat.

Gegen Werder war mit Traoré jedenfalls bezeichnenderweise ein 24-Jähriger mit 33 Erstligaspielen der einzige Akteur, der den Kopf oben hatte - und der damit dem Spielverlauf und dem legendär destruktiven Stuttgarter Publikum gleichzeitig trotzte.

Ein interessantes Bild für die Lage des Clubs fand nach dem Spiel Manager Bobic, der vor der richtungsweisenden Begegnung bei Hoffenheim am kommenden Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) empfahl, die "brutale Situation ernstzunehmen". Man stehe trotz der neun Punkte Vorsprung auf die Kraichgauer im Abstiegskampf: "Wir sind im Dreck und müssen uns da jetzt raussuhlen."

In der Tat eine schweinische Situation.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
1. ???
Realist111 10.02.2013
... Manager Bobic, der vor der richtungsweisenden Begegnung bei Hoffenheim am kommenden Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) empfahl, die "brutale Situation ernst zu nehmen". Man stehe trotz der neun Punkte [...]
... Manager Bobic, der vor der richtungsweisenden Begegnung bei Hoffenheim am kommenden Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) empfahl, die "brutale Situation ernst zu nehmen". Man stehe trotz der neun Punkte Rückstand auf die Kraichgauer im Abstiegskampf. Stuttgart mit "neun Punkten Rückstand auf die Kraichgauer"??? Auch im SPON gibt es immer weniger Artikel ohne sachliche Fehltritte ...
2. Wo Geld?
derwo 10.02.2013
Ein jammer, wo sind denn eigentlich die Millionen aus der Meisterschaft, mehreren Champions-League-Teilnahmen und Rekordverkäufen (Gomez, Khedira, Träsch)? Im tollen neuen unnötigen Stadion? Ich werd nicht schlau wie man so [...]
Ein jammer, wo sind denn eigentlich die Millionen aus der Meisterschaft, mehreren Champions-League-Teilnahmen und Rekordverkäufen (Gomez, Khedira, Träsch)? Im tollen neuen unnötigen Stadion? Ich werd nicht schlau wie man so viel Geld verprassen kann...Da können sogar unsre S21/Ber - Freunde noch was lernen.
3. labbadia raus
frowin 10.02.2013
sage ich und ein großteil der Fans seit 2 Jahren...nun ist es zu spät, der Verein ist am Ende...jeder in Stuttgart weiß welchen Weg wir gehen müssen, nur der Trainer und Vorstand nicht...beim VfB gibt es keine Emotionen mehr, [...]
sage ich und ein großteil der Fans seit 2 Jahren...nun ist es zu spät, der Verein ist am Ende...jeder in Stuttgart weiß welchen Weg wir gehen müssen, nur der Trainer und Vorstand nicht...beim VfB gibt es keine Emotionen mehr, viele alte Fans welche schon in den 70ern mit in die zweite Liga gegangen sind haben ihre Dauerkarten weggeworfen, das neue 60.000 Plätze Stadion wird von Spiel zu Spiel leerer, das hat nichts mit Erfolgsfans zu tun sondern ein kompletter Identifikationsverlust, die meisten sitzen nurnoch teilnahmslos im Stadion und sind hilflos gegenüber dieser Dummheit. Ich habe das erste mal nach Jahrzehnten Dauerkarte keine Lust mehr ins Stadion zu gehen, die Spiele zu sehen oder auch nur Sportschau zu gucken, war bei allen Höhen und Tiefen dabei aber alle Emotionen sind weg, kaum einer jubelte beim 1:1, kaum jemand glaubt noch an einen VfB Sieg, früher haben wir mit unserer Mannschaft gekämpft aber uns auch beschwert wenn etwas falsch lief, heute rufen knapp 100 man ein bisschen Bruno raus, der Rest ist schon weg oder ist fassungslos...
4. Es ist ja lange gut gegangen ..
hatomune 10.02.2013
aber immer weniger! Wo ist die ruhmreiche Jugendarbeit geblieben? Kürzlich hat das Drittligateam gegen die Katastrophenkickers die "Gosch volkriegt"! Keine wirklichen Talente aus der Region mehr! Die erste Mannscht ein [...]
aber immer weniger! Wo ist die ruhmreiche Jugendarbeit geblieben? Kürzlich hat das Drittligateam gegen die Katastrophenkickers die "Gosch volkriegt"! Keine wirklichen Talente aus der Region mehr! Die erste Mannscht ein zusammengewürfelter Haufen aus aller Herren Länder! Einer hat mal vor Jahren gesagt: "Ich spiel' auch für den FC Scheiße"! Der war nicht vom VfB, aber so spielt der VfB heute. Planlosigkeit allenthalben! Der Trainer ist ein netter Kerl, aber das zählt erst mal nix in dem Metier! Wehe, wenn der alljährliche Frühligsboom wegbleibt!
5. Zufall
JürgenAmm-Borgetto 10.02.2013
Wie wäre es mal mit einem richtig bösartigen Gedanken: "Molinarios" sind Absicht wegen im Hintergrund laufender Wetten. Oder noch bösartiger: Sie haben Bruno satt, aus welchem Grund auch immer, und spielen [...]
Zitat von sysopGetty ImagesVor elf Tagen erst wurde sein Vertrag bis 2015 verlängert, jetzt fordern die Fans seinen Rauswurf. Nach fünf Niederlage in Folge steht Bruno Labaddia in Stuttgart unter Beschuss. Sauer sind die Fans auch auf den Vorstand - weil dieser den Verein kaputtspare. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-vfb-stuttgart-verliert-fuenf-spiele-in-folge-a-882434.html
Wie wäre es mal mit einem richtig bösartigen Gedanken: "Molinarios" sind Absicht wegen im Hintergrund laufender Wetten. Oder noch bösartiger: Sie haben Bruno satt, aus welchem Grund auch immer, und spielen deshalb so, dass es nicht mal mehr für die Bezirksklasse reichen würde. Oder noch bösartiger: die Stuttgarter hatten in der Hin-Serie einfach haufenweise unfassbares Glück und stünden sonst jetzt schon auf 16. Und überhaupt am aller aller bösartigsten: seit Armin Veh weg ist, fehlt den Stuttgarten schlicht die Bundesligatauglichkeit an 22 von 34 Spieltagen. Macht unter dem Strich zwichen 32 und 39 Punkten. Damit kann man sowohl als 14.ter "drin bleiben" aber halt auch als 17.ter absteigen. Ein Trost: dieses Jahr wird's mit dem Abstieg wohl nix werden, allerdings auch nix mit Europa. Ein Hinweis: auch Jupp Heynckes oder welcher Weltklassetrainer auch immer, stünde mit dem VFB keinen Deut besser da als Bruno, denn alle Trainer haben eins gemeinsam: aus Ackergäulen machst halt keine Rennpferde. Ich weiß, dass war jetzt wirklich am aller aller bösartigsten, aber was willst von einem Kickers Fan auch anderes erwarten, hi hi.

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