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17.02.2013
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Hoffenheim gegen Stuttgart

Das Süd-Duell im Spielfilm

Von
Bongarts/Getty Images

Hoffenheimer Beck, VfB-Profi Okazaki: Ein zähes Ringen im Tabellenkeller

Das Wort Topspiel verbietet sich, wenn der Bundesliga-15. gegen den 16. antritt. So bestand die Spannung bei Hoffenheim gegen Stuttgart eher darin, wer noch tiefer in den Abstiegssumpf gezogen wird. Und ob VfB-Coach Labbadia die Grippe überwunden hat. Das Südderby im Spielfilm.

Die Ausgangslage: Not gegen Elend. Hoffenheim hat sich über Monate konsequent Richtung Tabellenende gearbeitet und es damit schon bis auf Platz 16 geschafft. Gegner VfB Stuttgart hat die vergangenen fünf Bundesligaspiele verloren. Als die Mannschaft von Bruno Labbadia das letzte Mal gewann, fingen die Menschen gerade an, ihre Weihnachtsfeiern für 2012 zu planen. Mit anderen Worten: Es drohte ein furchtbares Spiel. Um es vorweg zu nehmen: Die Partie löste die Erwartungen ein.

Die erste Halbzeit: Es gibt Fußballspiele, die kann man getrost nach drei Minuten beenden. Dieses gehörte dazu. Als Martin Harnik nach zwei Spielminuten eine Flanke des durchlaufenden Ibrahima Traoré zum 0:1 ins Hoffenheimer Tor einköpfte, hätte man angesichts des derzeitigen seelischen Zustandes der Kraichgauer ahnen können, das dies schon die Entscheidung war. Wenn es da nicht das besondere Spannungsmoment gegeben hätte, dass der VfB gerne Gegentore in allerletzter Sekunde kassiert.

Die zweite Halbzeit: Wir überspulen einen Großteil der zweiten Hälfte, der darin bestand, dass hilflose Angriffsbemühungen der Hoffenheimer von der Stuttgarter Abwehr zunichte gemacht wurden und springen in die 92. Minute. Siehe oben unter dem Stichwort Spannungsmoment. Tatsächlich hat 1899 Hoffenheim noch einmal eine Freistoßchance. Was passiert? Hilflose Angriffsbemühungen werden von der Stuttgarter Abwehr zunichte gemacht.

Spieler des Spiels: Ganz schwere Frage. Man muss wohl wie so oft VfB-Torwart Sven Ulreich loben, der einmal glänzend gegen den freistehenden Spanier Joselu rettete. Ansonsten tat sich noch Torvorbereiter Traoré hervor. Der einzige Feldspieler im VfB-Team, der aktuell höheren Ansprüchen genügt. Aber zwei gute Leute reichen derzeit aus, um die TSG Hoffenheim zu besiegen.

Duell des Spiels: Vedad Ibisevic, ehemals Torschützenkönig der Bundesliga, ehemals Rekordtorjäger der TSG Hoffenheim und zurzeit erfolgloser Mittelstürmer des VfB auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Eren Derdiyok, ehemals Topstürmer beim Spitzenverein Bayer Leverkusen, ehemals eines der größten Talente des Schweizer Fußballs und zurzeit erfolgloser Angreifer der TSG. Beide lieferten sich einen packenden Zweikampf darum, wer den traurigeren Niedergang hinter sich hat. Derdiyok hat die Nase vorn, Ibisevic kann immerhin noch auf zehn Saisontreffer aus der Hinrunde verweisen.

Pechvogel des Spiels: Igor de Camargo. Er wollte Spielpraxis, nicht mehr so oft auf der Bank sitzen, deswegen hat der belgische Stürmer Borussia Mönchengladbach im Winter verlassen. Sein Pech: In Hoffenheim bekommt er Spielpraxis. Gegen den VfB wurde de Camargo nach einer indiskutablen Leistung nach 53 Minuten ausgetauscht. Und bei seinem Ex-Club am Niederrhein verletzt sich gerade ein Stürmer nach dem anderen oder ist formschwach. Das ist wohl das Gegenteil einer Win-Win-Situation.

Ex-VfBer des Spiels: Bei Hoffenheim sind derzeit sieben frühere Stuttgarter im Kader, aber der traurigste Ex-VfBer sitzt auf der Bank: Sportdirektor Andreas Müller wird während der trübseligen 90 Minuten wehmütig an 1984 gedacht haben. Als er mit dem VfB Meister wurde. Mit den Förster-Brüdern, Ohlicher, Allgöwer, Thomas Kempe, Asgeir Sigurvinsson. Vorbei, vorüber. Man könnte es ihm nicht übel nehmen, wenn er am Abend bei einem Schoppen Rauenberger Burggraf Weißburgunder von 2011 aus dem Kraichgau darüber in melancholische Stimmung geräte.

Wiese des Tages: "Er ist nach wie vor ein sehr wichtiger Spieler für unser Team." das sagt der derzeit langzeitverletzte Hoffenheimer Sebastian Rudy über den ins dritte Glied versetzten Ex-Nationaltorwart Tim Wiese. Womöglich ist Wiese derzeit genauso sehr wichtig für das Team wie Rudy.

Patient des Tages: Fast im Stundentakt wurde die interessierte Öffentlichkeit in den vergangenen Tagen über den Gesundheitszustand von Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia auf dem laufenden gehalten. Der "Kicker" vermeldete am Freitag: Labbadia fiebert! Am Samstag: Labbadias Fieber senkt sich! Am Sonntag saß er zur großen Erleichterung des mitfiebernden Fachmagazins doch auf der Bank. Auswärtssieg a day, keeps the doctor away.

Weisheit des Spiels: Hoffenheims Coach Marco Kurz hat bei Amtsantritt das Ziel ausgegeben, den Relegationsplatz möglichst zu vermeiden. Im Moment tun sie in Sinsheim alles dafür. Der Zweikampf Augsburg gegen Hoffenheim um die Ränge 16 und 17 wird die Liga in Atem halten.

Bewertung des Spiels: Immer wenn man den Mantel des Schweigens bräuchte, ist er nicht zur Hand. Also denn: Es war ein sehr schlechtes Bundesligaspiel, das die etwas weniger schlechte Manschaft gewonnen hat.

Forum

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insgesamt 11 Beiträge
1. optional
WhereIsMyMoney 17.02.2013
Wer immer die Idee hatte Spiele auf diese Weise zu kommentieren, ist ein Genie. Einfach zu köstlich. Es tut schon weh als VfB-Fan Fussball zuzuschauen und dabei hat die Rückrunde ja schon begonnen. Gut, immerhin ein Sieg. Es [...]
Wer immer die Idee hatte Spiele auf diese Weise zu kommentieren, ist ein Genie. Einfach zu köstlich. Es tut schon weh als VfB-Fan Fussball zuzuschauen und dabei hat die Rückrunde ja schon begonnen. Gut, immerhin ein Sieg. Es kann nur besser werden. Bald kommt der Frühling, wer weiss, vielleicht kann man dann Fussball sogar mal genießen.
2. So was von wahr ...
Agent0815 17.02.2013
Ich weiß ja nicht, oder der Herr Ahrens das live oder auf Sky gesehen hat: Traurig ist - es ist alles wahr! Ich war da.
Ich weiß ja nicht, oder der Herr Ahrens das live oder auf Sky gesehen hat: Traurig ist - es ist alles wahr! Ich war da.
3. Offen gesagt:
gordonmay 17.02.2013
Dieser Kommentar rettet mir den Abend ! Selten habe ich etwas Passenderes gelesen......Und dabei ist es doch nur ein wenig Klartext ;-)
Dieser Kommentar rettet mir den Abend ! Selten habe ich etwas Passenderes gelesen......Und dabei ist es doch nur ein wenig Klartext ;-)
4. gut...
Schroekel 17.02.2013
...geschrieben der artikel und nach allem, was man da so mut oder angstmaßen mag, passt das. Nur, bitte, in dem 7 zeiler oben wird uns loddar, der Mathhäus, erwähnt und dann finde ich ihn nicht im Text, und auch nicht in [...]
Zitat von sysopBongarts/Getty ImagesDas Wort Topspiel verbietet sich, wenn der Bundesliga-15. gegen den 16. antritt. So bestand die Spannung bei Hoffenheim gegen Stuttgart eher darin, wer noch tiefer in den Abstiegssumpf gezogen wird. Und ob VfB-Coach Labbadia die Grippe überwunden hat. Das Südderby im Schnelldurchlauf. http://www.spiegel.de/sport/fussball/hoffenheim-gegen-vfb-stuttgart-a-883931.html
...geschrieben der artikel und nach allem, was man da so mut oder angstmaßen mag, passt das. Nur, bitte, in dem 7 zeiler oben wird uns loddar, der Mathhäus, erwähnt und dann finde ich ihn nicht im Text, und auch nicht in den Pfoddos? Nun? Ist Guttenberch eingesprungen und man hat die beiden hübschen wiedermal aufgrund beider so extremen intelligenz verwechselt? However, was hatte von und zu Guttenberch denn nun dazu zu sagen? Oder Loddar. Eh egal.
5.
Selvbygger 17.02.2013
Danke, Herr Ahrens. Ich konnte das Spiel leider nicht sehen. Aber dank Ihrer Beschreibung habe ich das Gefühl, viele Szenen gesehen zu haben. Wenn Sie es schaffen könnten, alle Bundesliga-Spiele in dieser Form zu [...]
Zitat von sysopBongarts/Getty ImagesDas Wort Topspiel verbietet sich, wenn der Bundesliga-15. gegen den 16. antritt. So bestand die Spannung bei Hoffenheim gegen Stuttgart eher darin, wer noch tiefer in den Abstiegssumpf gezogen wird. Und ob VfB-Coach Labbadia die Grippe überwunden hat. Das Südderby im Schnelldurchlauf. http://www.spiegel.de/sport/fussball/hoffenheim-gegen-vfb-stuttgart-a-883931.html
Danke, Herr Ahrens. Ich konnte das Spiel leider nicht sehen. Aber dank Ihrer Beschreibung habe ich das Gefühl, viele Szenen gesehen zu haben. Wenn Sie es schaffen könnten, alle Bundesliga-Spiele in dieser Form zu beschreiben, würde ich meinen Fernseher wegwerfen. Ganz großes Kino ...

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