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22.02.2013
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SC Freiburg vs. Eintracht Frankfurt

Das Spitzenspiel im Spielfilm

Von
DPA

Freiburg gegen Frankfurt: Der Fußball-Abend versprach, ein unterhaltsames Spektakel zu werden. Nichts war's, das Top-Duell entpuppte sich als mittelmäßiges, aber kampfbetontes Bundesliga-Spiel. Zufrieden war nach dem Unentschieden keiner so richtig. Das Spitzenspiel im Spielfilm.

Die Ausgangslage: Tabellenfünfter gegen den Tabellenvierten: eindeutig die Top-Begegnung des 23. Spieltages. Dass es der SC Freiburg und Aufsteiger Eintracht Frankfurt sein würden, die sich als direkte Konkurrenten um das internationale Geschäft gegenüberstehen, war vor wenigen Monaten noch alles andere als erwartbar gewesen. Beide Teams gehören zu den erfreulichen Überraschungen dieser Spielzeit. "Es ist klasse, dass wir im Moment so viele Tore machen", sagte Freiburgs Trainer Christian Streich vor der Partie - offenbar selbst ein wenig überrascht vom derzeitigen Höhenflug. Alles sprach für einen unterhaltsamen Fußball-Abend. Doch, so viel sei verraten, so richtig "klasse" lief es für keines der beiden Teams.

Die erste Halbzeit: Frankfurt spielte wie Freiburg - und Freiburg wie zuletzt Frankfurt. Die Eintracht hatte in der Vorbereitung auf die Partie offenbar einige SC-Videos gesehen und baute von Beginn an Freiburg-typischen Druck auf. Die Streich-Elf kam hingegen kaum über die Mittellinie hinaus und hatte gegen das Frankfurter Pressing kein anderes Mittel parat als viele lange Bälle. Dass Schiedsrichter Peter Gagelmann in der 11. Minute ein Abseits-Tor von Stefan Aigner als solches erkannte, war Freiburgs Glück. Auch die zweite gute Chance hatte Aigner auf dem Fuß, vergab aber knapp. Insgesamt spielte Frankfurt zu wenig konsequent nach vorn, und Freiburg so gut wie gar nicht. Dass die erste Ecke der Partie erst kurz vor der Pause getreten wurde, war symptomatisch.

Die zweite Halbzeit: Fast ein Spiegelbild der ersten. Frankfurt war zu Beginn zwar die dominantere Mannschaft, konnte das aber nicht ausnutzen. So kam Freiburg besser ins Spiel, zunächst allerdings nur selten aus dem Mittelfeld raus. Um aufs Tor schießen zu können, brauchten die Gastgeber erst mal zwei Eckbälle. Immerhin schienen sie dabei zu bemerken, dass ihr Spielfeld sich bis zum gegnerischen Strafraum erstreckt - und kombinierten sich eine Viertelstunde vor Schluss erstmals bis vor Kevin Trapps Tor. Der wehrte den zu unplatziert geschossenen Ball von Max Kruse mit einer reflexartigen Parade ab. Zehn Minuten später schoss Johannes Flum knapp über die Latte - und so blieb es beim wenig befriedigenden 0:0.

Spieler des Spiels: Trapp. Der 22-Jährige war eindeutig eine der lohnendsten Anschaffungen der Eintracht vor Beginn der Saison. Auch gegen Freiburg zeigte der Keeper wieder, dass er da ist, wenn man ihn braucht.

Duell des Spiels: Streich und Armin Veh. Beide gelten als spezielle Charaktere, beide wissen ziemlich genau, was ihnen passt und was nicht. An diesem Abend teilten die Trainer ihre Vorlieben und Abneigungen offenbar weitgehend, immer wieder kamen sie an der Seitenlinie zusammen, um sich auszutauschen oder fachzusimpeln. "Der Armin ist ein alter Fuchs, der schon alles erlebt hat im Fußball", sagte Streich vor Anpfiff. Vielleicht erhoffte er sich den ein oder anderen hilfreichen Hinweis von seinem Kollegen.

Pechvogel des Spiels: Aigner. Er war in der ersten halben Stunde der auffälligste Eintracht-Spieler, wurde dann aber von Daniel Caligiuri am Fuß getroffen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht stand er auf und humpelte sich wieder ins Spiel - doch seine Show war beendet. In der restlichen Partie tauchte er nur noch selten auf.

Roter Faden des Spiels: Caligiuri, Aigner, Cedrick Makiadi, Guédé, Jung: Vor allem in der ersten Halbzeit krümmte sich fast durchgehend ein Spieler am Boden. Vielleicht lag es an den eisigen Temperaturen in Freiburg, vielleicht an der späten Stunde - oder einfach an der sich nach und nach ausbreitenden Ratlosigkeit. Schöner Fußball geht auf jeden Fall anders.

Zahlen des Spiels: 10:8 Torschüsse, 12:10 Fouls, eine Zweikampfquote von 46:54 und einen jeweiligen Ballbesitz von rund 50 Prozent - die Statistiken belegen, was das Spiel zeigte: Keines der beiden Teams war wirklich überlegen, das Unentschieden sollte für alle Seiten in Ordnung gehen.

Lehrer des Spiels: Schiedsrichter Gagelmann gab Makiadi auf dem Spielfeld kurzerhand eine kleine Nachhilfestunde in Regelkunde, nachdem dieser sich über eine Entscheidung gegen den Freiburger gewundert hatte. Ansonsten zeigte sich der Unparteiische eher von seiner milden Seite.

Analyse des Spiels: Es war eine solide Partie, erst auf Frankfurter, dann auf Freiburger Seite - aber eben nicht das erwartete Spektakel. Es wirkte beinahe, als neutralisierten die Teams ihre Spielstile gegenseitig, indem sie sich dem jeweils anderen weitmöglichst annäherten. Vor allem die Freiburger schienen davon überfordert, dass Frankfurt mit einer Raute auflief und so früh attackierte, wie es sonst SC-Spezialität ist. Die Eintracht hatte sich dabei in der ersten Hälfte aber offenbar verausgabt und konnte im zweiten Durchgang nicht mehr nachlegen. Zufrieden war so am Ende keiner so richtig, aber zumindest bleibt erstmal alles beim Alten.

Weisheit des Spiels: Wenn zwei gute Teams aufeinandertreffen, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Zuschauer auch ein wirklich gutes Spiel zu sehen bekommen. Der Abend hat genau das einmal mehr bewiesen.

Forum

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insgesamt 8 Beiträge
1. optional
appenzella 22.02.2013
"Weisheit des Spiels: Wenn zwei gute Teams aufeinandertreffen, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Zuschauer auch ein wirklich gutes Spiel zu sehen bekommen. Der Abend hat mal wieder das Gegenteil bewiesen." Ja, [...]
"Weisheit des Spiels: Wenn zwei gute Teams aufeinandertreffen, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Zuschauer auch ein wirklich gutes Spiel zu sehen bekommen. Der Abend hat mal wieder das Gegenteil bewiesen." Ja, wat denn nun? Was ist das Gegenteil eines guten Spiels? Ein Spitzenspiel? Tja, Logik ist manchmal schwierig..
2. gegenteil
derivo 22.02.2013
'Weisheit des Spiels: Wenn zwei gute Teams aufeinandertreffen, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Zuschauer auch ein wirklich gutes Spiel zu sehen bekommen. Der Abend hat mal wieder das Gegenteil bewiesen.' 'der abend hat [...]
'Weisheit des Spiels: Wenn zwei gute Teams aufeinandertreffen, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Zuschauer auch ein wirklich gutes Spiel zu sehen bekommen. Der Abend hat mal wieder das Gegenteil bewiesen.' 'der abend hat das mal wieder bestaetigt' ist wohl eher gemeint.
3. Wer hat noch Illusionen?
tylerdurdenvolland 23.02.2013
Keiner der sich dieses Spiel angeschaut hat, kann noch Illusionen über die BuLi haben. Da waren zwei Mannschaften, die beide auf einen Europapokal Platz Anspruch erheben.... Man sollte vielleicht auch mal überlegen wie [...]
Zitat von sysopDPAFreiburg gegen Frankfurt: Der Fußball-Abend versprach, ein unterhaltsames Spektakel zu werden. Nichts war's, das Top-Duell entpuppte sich als mittelmäßiges, aber kampfbetontes Bundesliga-Spiel. Zufrieden war nach dem Unentschieden keiner so richtig. Das Spitzenspiel im Spielfilm. http://www.spiegel.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt-und-sc-freiburg-spielen-unentschieden-a-885087.html
Keiner der sich dieses Spiel angeschaut hat, kann noch Illusionen über die BuLi haben. Da waren zwei Mannschaften, die beide auf einen Europapokal Platz Anspruch erheben.... Man sollte vielleicht auch mal überlegen wie sinnvoll es ist, jeden nachwuchsspieler, der mal ein paar gute Spiele in einer völlig zweitklassigen Mannschaft macht, gleich in die Nationalmannschaft zu loben? Bestes Beispiel sind die Herren Torhütre als die mit Abstand besten in der BuLi erweisen sich Adler und Weidenfeller. Zieler und Terstegen zeigen sich als das übliche Mittelmass. Einzig der von Löw ignorierte Trapp wächst weiter.....
4. Habe als Frankfurter
heineborel 23.02.2013
das Spiel mit meinem Freiburger Kollegen geschaut und kann der Analyse nur zustimmen, und er auch :)
Zitat von sysopDPAFreiburg gegen Frankfurt: Der Fußball-Abend versprach, ein unterhaltsames Spektakel zu werden. Nichts war's, das Top-Duell entpuppte sich als mittelmäßiges, aber kampfbetontes Bundesliga-Spiel. Zufrieden war nach dem Unentschieden keiner so richtig. Das Spitzenspiel im Spielfilm. http://www.spiegel.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt-und-sc-freiburg-spielen-unentschieden-a-885087.html
das Spiel mit meinem Freiburger Kollegen geschaut und kann der Analyse nur zustimmen, und er auch :)
5.
rainman_2 23.02.2013
Ich habe das Spiel erst ab der 35. Minute verfolgt, in der 2.Halbzeit sah ich mehr dicke Chancen für Freiburg als für Frankfurt, 1:0 wäre schon drin gewesen.
Zitat von sysopDPAFreiburg gegen Frankfurt: Der Fußball-Abend versprach, ein unterhaltsames Spektakel zu werden. Nichts war's, das Top-Duell entpuppte sich als mittelmäßiges, aber kampfbetontes Bundesliga-Spiel. Zufrieden war nach dem Unentschieden keiner so richtig. Das Spitzenspiel im Spielfilm. http://www.spiegel.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt-und-sc-freiburg-spielen-unentschieden-a-885087.html
Ich habe das Spiel erst ab der 35. Minute verfolgt, in der 2.Halbzeit sah ich mehr dicke Chancen für Freiburg als für Frankfurt, 1:0 wäre schon drin gewesen.

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