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26.02.2013
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FC Bayern vs. BVB

Endspiel im Viertelfinale

Von und
Foto: DPA

Wenn Bayern München und Borussia Dortmund im Pokal-Viertelfinale aufeinandertreffen, geht es um alles oder nichts. In einem einzigen Spiel kann ein Titel verloren werden - eine riesige mentale Belastung. Doch für einen BVB-Profi ist der Druck noch größer als für alle anderen.

Der 31. Mai 1984 war ein Donnerstag. Es war der Tag, an dem Lothar Matthäus seine Ehre verlor. Zumindest für die Anhänger von Borussia Mönchengladbach ist Matthäus seit dem 31. Mai eine Unperson, manche im Club nennen ihn gar einen Verräter. Matthäus hatte fünf Jahre lang das Gladbacher Trikot getragen, er hatte mehr als 150 Bundesliga-Spiele für den Verein absolviert, und an diesem Tag, dem Tag des Pokalfinals von Mönchengladbach gegen den FC Bayern München, sollte er zum letzten Mal für Gladbach auflaufen - sein Wechsel zu den Bayern zur folgenden Saison stand bereits fest.

Es ging ins Elfmeterschießen, und den Fehlschuss als erster Schütze in diesem Finale machte ausgerechnet Matthäus. Er setzte den Ball über das Tor, und der künftige Matthäus-Club FC Bayern gewann den Pokal. Matthäus tat, als ginge die Welt unter, nur: Es nahm ihm kaum jemand ab.

Fußballgeschichte wiederholt sich zuweilen, am 13. März 2012 war es so weit. Wieder Pokal, diesmal Halbfinale, wieder Gladbach gegen Bayern, wieder Elfmeterschießen, und wieder verschoss auf Gladbacher Seite derjenige, der Monate später das Bayern-Trikot überstreifen sollte. Der brasilianische Innenverteidiger Dante, der zu diesem Zeitpunkt schon heftig mit den Münchnern flirtete, schaufelte den Ball über das Bayern-Tor, die Münchner zogen ins Endspiel ein.

Alle Augen auf Robert Lewandowski

Der DFB-Pokal schreibt seine eigenen Geschichten, er hat auch seine eigenen Gesetze, heißt es. Im Pokal geht es weniger um das Sportliche, weniger um den großen Gewinn. Es geht um die Ehre. Jedes Team hat nur eine Chance, nur dieses eine Spiel. Wiedergutmachung gibt es nicht. Ein Spiel, auf das Oliver Kahns Lieblingswort passt wie auf keines sonst: DRUCK.

Das eine Spiel - in der vierten Runde ist es dieses: FC Bayern München gegen Borussia Dortmund. Selten fühlte sich ein Viertelfinale mehr nach Endspiel an.

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Pokal-Viertelfinale: Tragödien und viel Prestige
"Es ist das Prestige dieses Duells, das beide Teams unter Druck setzt", sagt Mentaltrainer Peter Boltersdorf. Er hat mit etlichen Bundesliga-Clubs und Profisportlern zusammengearbeitet, unter anderem beriet er Dortmunds Coach Jürgen Klopp. "Dieses Spiel bietet ihnen die Möglichkeit zu zeigen, wer derzeit die dominierende Mannschaft ist", sagt Boltersdorf. Aus sportlicher Sicht habe es für Bayern und den BVB kaum emotionale Bedeutung, "für beide sind die Bundesliga und die Champions League wichtiger".

Trotzdem werden an diesem Mittwochabend (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) alle Augen nach München blicken, vor allem auf ihn: Robert Lewandowski, Stürmer in Diensten von Borussia Dortmund. Noch. Seit Wochen wird der Pole mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Für Lewandowski wird es deshalb ein ganz besonderes Spiel werden, wie einst für Matthäus und Dante, eine Partie unter höchster Beobachtung.

"Erfolg chronifiziert sich"

"Sollte an den Gerüchten über den Wechsel von Lewandowski zum FC Bayern etwas dran sein, steht er unter doppeltem Druck. Zum einen will er seine Loyalität gegenüber seinem jetzigen Verein und vor allem Klopp beweisen. Zu ihm hat Lewandowski ja eine gute Beziehung", sagt Boltersdorf. Zum anderen stehe der 24-Jährige schon jetzt unter dem Erwartungsdruck seines potentiellen neuen Arbeitgebers, er sehe sich dem direkten Vergleich mit seinen möglichen Konkurrenten um die Stürmerposition, Mario Gomez und Mario Mandzukic, ausgesetzt.

"Es hängt von Lewandowskis Selbstbewusstsein ab. Schätzt er seine eigene Leistung als gut genug ein, kann er sich selbst ein Stück vom Vergleichsdruck befreien. Bei dem Loyalitätskonflikt kann ihm nur sein Trainer helfen", sagt Boltersdorf.

Es macht die Situation nicht einfacher für den Polen, dass auch seine Mitspieler gerade ganz genau beobachtet werden. Weil dieser Abend vor allem von einer Frage beherrscht wird: Ist es vorbei mit Dortmunds Höhenflug innerhalb des deutschen Fußballs? Seit sechs Pokal- und Bundesliga-Spielen konnten die Bayern nicht mehr gegen den BVB gewinnen. Dieser Abend könnte, so glauben einige, die Wende sein.

Boltersdorf hat eine mögliche Erklärung: "Erfolg chronifiziert sich, er erfreut einen beim zweiten oder dritten Mal nicht mehr in dem Maße wie beim ersten Mal. Dortmund ist zweimal hintereinander Meister und einmal Pokalsieger geworden, für eine ganze Reihe von Spielern ist der nationale Fußball deshalb nicht mehr so interessant. Wenn auch unterbewusst." Die Champions League sei hingegen ein gigantisches Erlebnis, "und so hat man manchmal das Gefühl, man sieht zwei komplett unterschiedliche Teams in dieser Saison", sagt der Boltersdorf.

Er glaubt, dass Dortmund deshalb ein Motivationsproblem haben könnte. "Aber wenn sie in ihrer mentalen Arbeit nur an einer kleinen Stelle ein wenig nachlassen, wird es gegen eine Mannschaft wie die Bayern nicht reichen."

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, Lothar Matthäus habe den entscheidenden Strafstoß für Mönchengladbach verschossen. Das stimmt nicht. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.

Forum

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insgesamt 52 Beiträge
1. Motivationsmonster
JBond 26.02.2013
---Zitat--- Er glaubt, dass Dortmund deshalb ein Motivationsproblem haben könnte. ---Zitatende--- Wenn er das wirklich glaubt, hat er vom Fußball und insbesondere vom BVB keine Ahnung. Richtig ist, dass der BVB diese [...]
---Zitat--- Er glaubt, dass Dortmund deshalb ein Motivationsproblem haben könnte. ---Zitatende--- Wenn er das wirklich glaubt, hat er vom Fußball und insbesondere vom BVB keine Ahnung. Richtig ist, dass der BVB diese Saison gerade ersatzgeschwächt gegen nicht so starke Gegner oft nicht gut aussah, weil der absolute Wille, der sie die letzten Jahre so stark gemacht hat, nicht sichtbar wurde. Das ist auch trotz Motivationsgenie Klopp in Teilen nachvollziehbar. Morgen geht es aber nunmal nicht in einem x-beliebigen Bundesligaspiel gegen Hoffenheim oder Fürth - es geht gegen die Bayern...und da die Liga entschieden ist geht es darum zu zeigen, dass der FCB eben nicht die unangefochtene Nummer 1 in Deutschland ist. Motivationsprobleme wird da niemand haben (insbesondere nicht Lewandowski, der jetzt 2 Spiele auf der Tribüne schmoren musste). Das bedeutet noch nicht, dass es auch für den BVB reicht...aber ich erwarte mir auf jeden Fall ein Spektakel von beiden Seiten. Für Mauern und Catenaccio sind beide aktuell nicht bekannt.
2.
ekel-alfred 26.02.2013
Ja, ich glaube der Mann hat recht. Oder sie fühlen sich zu überlegen und lassen es daher etwas schleifen. Vor allem muss der BVB aufpassen, dass der zweite Platz in der BuLi gesichert wird. Ein kleiner Fehler und die [...]
Zitat von sysopDPAWenn Bayern München und Borussia Dortmund im Pokal-Viertelfinale aufeinandertreffen, geht es um alles oder nichts. In einem einzigen Spiel kann ein Titel verloren werden - eine riesige mentale Belastung. Doch für einen BVB-Profi ist der Druck noch größer als für alle anderen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-gegen-dortmund-druck-im-dfb-pokalduell-a-885350.html
Ja, ich glaube der Mann hat recht. Oder sie fühlen sich zu überlegen und lassen es daher etwas schleifen. Vor allem muss der BVB aufpassen, dass der zweite Platz in der BuLi gesichert wird. Ein kleiner Fehler und die Leverkusener sind vorbei. Nachlassende Konzentration ist schädlich.....
3. das orakel von delphi könnte ...
spargel_tarzan 26.02.2013
vielleicht helfen, denn im kaffeesatz lesen oder bleigießen wird nicht wirklich helfen. theoretisch gewinnen die bayern, praktisch könnte den borussen ein guter spielzug in der 89. minute den glücklichen sieg bringen. [...]
Zitat von sysopDPAWenn Bayern München und Borussia Dortmund im Pokal-Viertelfinale aufeinandertreffen, geht es um alles oder nichts. In einem einzigen Spiel kann ein Titel verloren werden - eine riesige mentale Belastung. Doch für einen BVB-Profi ist der Druck noch größer als für alle anderen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-gegen-dortmund-druck-im-dfb-pokalduell-a-885350.html
vielleicht helfen, denn im kaffeesatz lesen oder bleigießen wird nicht wirklich helfen. theoretisch gewinnen die bayern, praktisch könnte den borussen ein guter spielzug in der 89. minute den glücklichen sieg bringen. das wäre dann ganz bitter
4.
Außenpfosten 26.02.2013
Auch der Spiegel erzählt die Mär von Lothars `entscheidendem` Fehlschuß, traurig!
Auch der Spiegel erzählt die Mär von Lothars `entscheidendem` Fehlschuß, traurig!
5.
CaptainSubtext 26.02.2013
Ob man die silberne oder bronzene Ananas gewinnt, ist eigentlich Banane.
Zitat von ekel-alfredJa, ich glaube der Mann hat recht. Oder sie fühlen sich zu überlegen und lassen es daher etwas schleifen. Vor allem muss der BVB aufpassen, dass der zweite Platz in der BuLi gesichert wird. Ein kleiner Fehler und die Leverkusener sind vorbei. Nachlassende Konzentration ist schädlich.....
Ob man die silberne oder bronzene Ananas gewinnt, ist eigentlich Banane.

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