27.02.2013
Top-Duo Alaba und Ribéry
Bayerns Herz schlägt links
Von Christian Paul
Bayern-Duo Alaba, Ribéry: Wird der Ausfall des Franzosen zum Problem?
DFB-Pokal, FC Bayern gegen Borussia Dortmund, ganz Fußball-Deutschland freut sich. Doch einer ist traurig, furchtbar traurig. Weil er doch eigentlich mittendrin sein sollte, aber einfach nicht mitspielen darf. Franck Ribéry, der überragende Mittelfeldakteur des FC Bayern, wird ab 20.30 Uhr (Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf der Tribüne des Münchner Stadions sitzen, rotgesperrt.
Bei den Bayern, der Übermannschaft in dieser Bundesliga-Saison, ist es vor dem Pokalduell mit dem Noch-Meister und Noch-Pokalsieger aus Dortmund das einzige Thema, das als Stimmungskiller taugt. Weil, wie Ribérys Teamkollege Toni Kroos sagt, Franck nicht "eins zu eins zu ersetzen" sei - trotz des exzellent besetzten Kaders des Rekordmeisters.
Ribéry ist in Weltklasse-Form. Technisch brillant, trickreich, wendig. Im Eins-gegen-Eins ist der Franzose kaum zu verteidigen. Möglich macht Ribérys Gala-Auftritte David Alaba, der von Trainer Jupp Heynckes aus dem Mittelfeld auf die linke Verteidigerposition geschoben wurde. In dieser Spielzeit hat sich der erst 20-jährige Österreicher hinter Ribéry zu einem echten Allroundtalent entwickelt: clever im Zweikampf, schnell und schussgewaltig, dazu bei Elfmetern nervenstark. Gemeinsam bilden Alaba und Ribéry eine der besten linken Seiten im europäischen Fußball.
SPIEGEL ONLINE hat sich das Duo mit dem Sportdatenanbieter IMPIRE genau angeschaut - mit bemerkenswerten Belegen ihrer Stärke. Franck Ribéry wird sich darüber schon wieder nicht freuen können. Borussia Dortmund sehr wohl.
Ausnahmestellung auf den Außen
Angesichts von 31 Toren durch die Mitte und 18 über die rechte Seite wirken die 14 Treffer, die der FC Bayern bisher über links einleitete, fast schon putzig. Im Liga-Vergleich wird aber deutlich, welche Ausnahmestellung der Club auch hier hat: Nur Hannover 96 bereitete mehr Tore über den linken Flügel vor (16) als die Bayern (14; wie Frankfurt - Dortmund nur 9). Wichtiger noch: 114-mal kamen die Münchner nach einem Angriff über die linke Außenbahn zum Torschuss, kein anderes Bundesliga-Team schaffte das mehr als 92-mal. Diesen Wert schaffte übrigens der FC Augsburg, Dortmund liegt hier nur bei 85 Torschüssen.
Seiten eingeleiteter Bayern-Tore: Bundesliga-Rang zwei über links
In 18 Spielen war Ribéry an 15 Toren direkt beteiligt (5 Tore, 10 Vorlagen). Seine zehn Torvorlagen werden ligaweit nur von Teamkollege Thomas Müller übertroffen (11). Alaba agiert auf seiner linken Seite sehr offensivstark und unterstützt immer wieder Ribéry. Das tut dem Franzosen gut, neun seiner zehn Torvorlagen gab er seit dem 8. Spieltag - am 8. Spieltag feierte Alaba sein Comeback nach seinem Mittelfußbruch. Alaba war an fünf Bundesliga-Treffern beteiligt (3 Tore, 2 Vorlagen) - für den Österreicher schon jetzt ein neuer persönlicher Saisonrekord.
Speedfreaks
Die beiden sind die Tempomacher im Bayern-Spiel: Ribéry zog die meisten Sprints bei den Bayern an (23 pro Spiel), Alaba die zweitmeisten (22). Zum Vergleich: Philipp Lahm auf rechts kommt nur auf 14 Sprints pro Partie, davon sieben nach vorne. Sein offensives Pendant macht 20 Sprints im Spiel.
Perfekte Harmonie
Dass sich Ribéry und Alaba verstehen, ist offensichtlich. Wie sehr sich die beiden ergänzen, das verdeutlichen die Heatmaps beider Profis aus dem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 am 21. Spieltag (4:0).
Heatmap Ribéry: Der rote Bereich markiert das Hauptbetätigungsfeld des Franzosen
Heatmap Alaba: Es fällt auf, wie hoch der Linksverteidiger steht
Bayern-Trainer Heynckes hat Arjen Robben bereits eine Einsatzgarantie gegen Dortmund gegeben. Der Niederländer soll den Ribéry geben. "Arjen ist körperlich in einer sehr guten Verfassung. Er brennt natürlich", sagt Heynckes. Mit einem Tor und zwei Assists beim 6:1 gegen Bremen hat Robben seine gute Form unterstrichen.
Ein "superbesonderes Spiel" werde es gegen den BVB, sagt Robben. Auch dank ihm? Robben, der über einen exzellenten linken Fuß verfügt, wird auf der linken Angriffsseite einer seiner großen Stärken beraubt: Von rechts in die Mitte ziehen und dann mit links schießen - das ist zwar inzwischen leichter ausrechenbar, aber immer noch sehr gefährlich. Diese Option fällt nun weg.
Bayern-Profi Robben: "Superbesonderes Spiel"
