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Sport

BVB-Niederlage in Düsseldorf

Der Winter hat Dortmund erreicht

Der BVB schwebte lange durch die Liga. Nun schleppt sich der Tabellenführer mit Verletzten und Formschwäche in die Winterpause. Trainer Favre wirkte gereizt.

REUTERS

Jadon Sancho

Aus Düsseldorf berichtet
Mittwoch, 19.12.2018   10:34 Uhr

Jeder weiß, dass es passieren wird. Wenn es dann so weit ist, wird es trotzdem beklagt. Beim Sommer ist das so. Er schien in diesem Jahr endlos zu sein. Dann kamen sie aber doch, die trüben Tage, der Regen, die Kälte.

Bei Borussia Dortmund endete der Sommer sechs Tage vor Heiligabend. Das gab keine Vorhersage her. Gegen Mönchengladbach vielleicht, drei Tage vor Heiligabend. Aber bei Aufsteiger und Abstiegskandidat Fortuna Düsseldorf?

"Es ist schwer zu akzeptieren", sagte Dortmunds Trainer Lucien Favre nach der 1:2-Niederlage, "aber so ist Fußball."

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Erste Saisonpleite des BVB: Zurück auf der Erde

Sechs Siege hintereinander in der Bundesliga waren der Spätsommer für den BVB, der seinen Vorsprung in der Tabelle dadurch auf neun Punkte ausbaute. "Ob neun Punkte Vorsprung, sechs oder drei, das ist mir schnuppe", sagte Marco Reus auf die Frage, ob er sich nun sorge, dass nach dem Spiel gegen die andere Borussia nur noch drei Pünktchen übrigbleiben könnten.

Der Dortmunder Kapitän stellte sich in der Arena am Rhein allen, die eine Erklärung haben wollten für die überraschende Niederlage. Er lieferte auch eine, die für Beobachter überzeugend klang: "Wir müssen auf dem Platz noch gieriger werden", sagte Reus. "Düsseldorf hat es uns vorgemacht. Im Großen und Ganzen war das zu wenig."

Die Dynamik im Spiel nach vorne, die Wucht, das Tempo - es mangelte an vielem, nach den vielen englischen Wochen auch an der Frische. Favre hatte dem entgegenwirken wollen. Er stellte Spieler in die Startelf, die zuletzt weniger belastet waren, was in der Champions League bei der AS Monaco noch zu einem souveränen Erfolg geführt hatte. Favres Problem: Diese Spieler, Jacob Bruun Larsen, Mario Götze und Christian Pulisic, sind in deutlich schwächerer Form als Raphaël Guerreiro, Paco Alcácer und Jadon Sancho.

Nur noch ein Innenverteidiger übrig

Favre verteidigte seine Personalentscheidungen. Das Programm mit Englischen Wochen in Serie lasse nur solche Rotationen zu. Die Frage, ob er die Entscheidung für eine runderneuerte Offensive, die fürchterlich harmlos blieb, bereue, beantwortete Favre schroff. Es habe sich ja gezeigt, was mit Spielern passiere, die in hoher Taktung auflaufen müssten: "Sie sind jetzt verletzt."

Diese Spieler haben aber vorrangig einen ganz anderen Auftrag, als Tore zu schießen. Manuel Akanji, der mit Leistenproblemen zur Pause ausgewechselt wurde, und Abdou Diallo dürften gegen Gladbach fehlen. Bei Diallo ist das sehr wahrscheinlich, denn Favre sprach von einer "Zerrung" beim Franzosen. Da auch Dan-Axel Zagadou ausfällt, bleibt mit Ömer Toprak nur ein beschwerdefreier Innenverteidiger im Kader. Der BVB schwebte lange, nun schleppt er sich ins letzte Spiel des Jahres.

Schon am Freitag geht es gegen Gladbach weiter. "Ich bin sicher, dass wir da ein anderes Gesicht zeigen werden", sagte Reus, der bei allem Lob für die Fortuna ("Es war ein komplett verdienter Sieg. Sie haben schon vorher gezeigt, dass sie eine gute Mannschaft haben.") auch ein wenig genervt war von der angestaubten wie effektiven Taktik des Gegners. "Ich weiß jetzt nicht, wie mein Gegenspieler hieß, aber der wäre mir sonstwo hingefolgt", klagte er über die Manndeckung. Meistens war es Marcel Sobottka, der sich nach längerer Verletzungspause rührend um den Kapitän des BVB kümmerte.

Manndeckung für die zentrale Figur im Offensivspiel des Tabellenführers, dazu zwei dichte Ketten vor dem Torwart, die einen simplen Auftrag hatten, den sie überragend umsetzten: Raum verknappen, Ball erobern, ab damit auf Dodi Lukebakio. Nach diesem Rezept erzielte Fortuna den Treffer zum 1:0. "Wir wussten, wie sie spielen. Aber wir können das nicht immer vermeiden", sagte Favre. So, wie Akanji und Diallo auf einer Linie standen, war es in der Situation tatsächlich sehr schwierig. Die Vorstopper-und-Libero-Methode wäre vermutlich besser gewesen, auch wenn sie im modernen Fußball verpönt ist.

Ein einfaches Konzept, mit Leidenschaft umgesetzt und diszipliniert durchgezogen, reichte, um den Dortmunder Sommer zu beenden. Es sei nur ein Zwischentief, versicherte Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung: "Diese Niederlage wird uns nicht umwerfen."

insgesamt 29 Beiträge
citi2010 19.12.2018
1.
Wenn man Schmelzer in der Startelf hat kann das einfach nichts werden. Da dachte Favre wohl, er könnte dem alternden B-Elf Spieler gegen einen schwachen Gegner Spielpraxis geben. Und der Leistungsabfall von Pulisic in dieser [...]
Wenn man Schmelzer in der Startelf hat kann das einfach nichts werden. Da dachte Favre wohl, er könnte dem alternden B-Elf Spieler gegen einen schwachen Gegner Spielpraxis geben. Und der Leistungsabfall von Pulisic in dieser Saison ist ja so eklatant (unmotiviert / eigensinnig / ohne Bindung zum Spiel) - dass man wohl der Erpressung nachgeben wird und ihn im Winter ziehen lässt.
Oskaraus der Tonne 19.12.2018
2. Damit
ist der Abstieg dann wohl besiegelt. Oder Kader und ohne Schiedsrichterhilfe läuft nichts mehr zusammen.
ist der Abstieg dann wohl besiegelt. Oder Kader und ohne Schiedsrichterhilfe läuft nichts mehr zusammen.
treime 19.12.2018
3. @ 2.
Sie machen ihrem Namen alle Ehre ;) Glückwunsch an die Fortuna! Mit dieser Leidenschaft, diesem Einsatz und diesem Kampf kann man den Abstiegskampf überstehen. Nun heisst es, diese Attribute vor allem in den [...]
Sie machen ihrem Namen alle Ehre ;) Glückwunsch an die Fortuna! Mit dieser Leidenschaft, diesem Einsatz und diesem Kampf kann man den Abstiegskampf überstehen. Nun heisst es, diese Attribute vor allem in den "6-Punkte-Spielen" zu aktivieren. Am besten direkt nächsten Samstag gegen Hannover, einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Man kann nicht absteigen, wenn man gegen gute Teams gewinnt / Punkte holt, aber gegen Mitstreiter zuviel auf der Strecke läßt. Das passt nicht zusammen ;-) Dortmund braucht in der 2. Reihe mehr Qualität. Schmelzer, Toprak - Pulisic & Co. mit fragwürdiger Einstellung. Da wird man in der Winterpause aktiv werden müssen, um das Niveau die Saison über halten zu können.
gnarze 19.12.2018
4. Unbewusst das Problem beschrieben
Wenn Reus schon zugibt, seinen Gegner nicht zu kennen, hat er wohl unbewusst das gestrige Spiel umschrieben. Anscheinend war man mit den Gedanken schon beim Heimspiel und hat Düsseldorf auf die leichte Schulter genommen. Nach [...]
Wenn Reus schon zugibt, seinen Gegner nicht zu kennen, hat er wohl unbewusst das gestrige Spiel umschrieben. Anscheinend war man mit den Gedanken schon beim Heimspiel und hat Düsseldorf auf die leichte Schulter genommen. Nach dem Motto: Ist ja immer noch gutgegangen und Alcacer macht irgendwann die Murmel schon rein.
retterdernation 19.12.2018
5. Machen wir uns doch nichts vor ...
vielen unter uns war doch klar, dass die Borussen im Winter anfällig sind. Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Beine schwerer werden, im intensiven Lauf-Spiel des BVB. Respekt - das die Mannschaft den Break so lange im [...]
vielen unter uns war doch klar, dass die Borussen im Winter anfällig sind. Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Beine schwerer werden, im intensiven Lauf-Spiel des BVB. Respekt - das die Mannschaft den Break so lange im Herbst und Frühwinter hinausgezögert hat. Ich persönlich hatte diesen Zeitpunkt viel früher erwartet. 24 Spiele haben die Borussen bereits absolviert, bevor es jetzt gegen die Namensvettern aus Gladbach geht. Vom Unterhaltungswert betrachtet, wäre ein Sieg der Fohlen wünschenswert. Dann wäre Feuer in der Liga. Ob der BVB und seine Fans mit einem Nervenzusammenbruch dann in die Winterpause gehen, wird sich schon bald zeigen ...

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