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Sport

Bayern München und Coach Heynckes

Herbstmeister in der siebten Generation

Sie waren schwach. Sie hatten Glück. Sie sind Herbstmeister. Auch ohne überragende Leistungen läuft es beim FC Bayern. Jupp Heynckes und Niko Kovac zeigen, dass das Alter von Trainern nicht überbewertet werden sollte.

Getty Images

Thomas Müller

Aus Frankfurt berichtet
Samstag, 09.12.2017   23:26 Uhr

Frankfurts Sportdirektor Fredi Bobic hatte schon eine Weile über den Schiedsrichter geschimpft, als er noch mal auf das eigentliche Ergebnis des Nachmittags zu sprechen kam - und den Bayern gratulierte: "Chapeau! Und alles Gute zur Meisterschaft."

Zur Meisterschaft? Eigentlich war der FCB nach dem nicht sehr verdienten 1:0-Sieg in Frankfurt nur Herbstmeister geworden - mit acht Punkten Vorsprung auf den Zweiten. Doch wen interessieren solche Spitzfindigkeiten in einer Liga, in der es niemanden gibt, der ernsthaft daran zweifeln würde, dass dieses Team am 12. Mai 2018 die sechste Meisterschaft in Folge feiern wird. Als Mannschaft, die viele gute, manchmal gar glanzvolle Spiele bestritten hat. Und die seither auch Spiele wie in Frankfurt für sich entscheidet, in denen sie gerade einmal eine Torchance hatte und insgesamt das schlechtere Team war.

In Frankfurt waren es die Gastgeber, die sich um den Unterhaltungswert des Spiels verdient machten. Die 52 Prozent Ballbesitz hatten und 12 zu 6 Torschüsse, darunter solche, die den gegnerischen Torwart zum Eingreifen zwangen. Frankfurts Keeper Lukas Hradecky hatte hingegen den ganzen Nachmittag nichts zu tun und kämpfte einzig und alleine mit den Temperaturen. Beim einzigen Tor, einem Kopfballtreffer von Arturo Vidal, war er machtlos, denn zuvor hatte es die einzig sehenswerte Einzelleistung eines Bayern-Spielers zu bestaunen gegeben: die mit links hereingetretene Flanke von Joshua Kimmich.

Und was ist mit Heynckes, Mehmet?

Bei all den Diskussionen, die Mehmet Scholl ums Rückwärtsfurzen von taktischen Systemen und einen angeblichen Generationenkonflikt innerhalb der Trainergarde losgetreten hat, schadet es sicher nicht, wenn man feststellt, dass der noch während des Zweiten Weltkriegs geborene Heynckes vielleicht auch deshalb so beliebt ist, weil er nicht unüberlegt daherredet. In Frankfurt redete er nichts schön, wich keiner kritischen Frage aus - und stellte sich dennoch vor seine Spieler. Thomas Müller und Franck Ribéry, der in seinem 365. Spiel für die Bayern genauso schwach spielte wie der deutsche Nationalspieler, kämen aus langen Verletzungspausen, so Heynckes, da seien Abstriche ganz normal.

Und natürlich hatte auch der Trainer gesehen, dass Schiedsrichter Harm Osmers seinen Spieler Vidal gleich zweimal vom Platz hätte stellen können. Beim ersten Mal in der fünften Minute, als er Frankfurts Aymen Barkok ("das war eine klare Rote Karte") über die Klinge springen ließ, aber nur Gelb sah. "Bei 17 Bundesligisten wäre das Rot gewesen", sagte Fredi Bobic, Vorstand Sport bei der Eintracht. Gibt es ihn also noch, den Bayern-Bonus bei den Schiedsrichtern? Jedenfalls gibt es einen Bayern-Bonus durch den erfahrenen Coach. Als Vidal in der 53. Minute Frankfurts Wolf gelbwürdig foulte, vom Referee aber erneut auf dem Platz gelassen wurde, nahm der weise Heynckes ihn sofort aus dem Spiel.

Wie unsinnig die Altersdiskussionen sind, zeigte kurz darauf der während der Kanzlerschaft von Helmut Schmidt geborene Niko Kovac. Denn wie Frankfurts Coach den Auftritt seiner Elf analysierte, war rhetorisch auf Heynckes-Niveau. Zudem hatte sein Team über 90 Minuten einige Argumente für den derzeitigen Kovac-Hype im Dunstkreis des FC Bayern geliefert. Zwar lagen die Hessen schon beim Seitenwechsel 0:1 zurück. Doch die besseren Chancen, die hatten von Beginn an die Frankfurter, die ganz anders auftraten, als es die meisten Gegner tun, wenn sie einmal in der Saison ihr Heimspiel gegen die Bayern haben - und dann wie eine Auswärtsmannschaft spielen.

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Kovacs Elf hingegen spielte genau so, wie das Kevin-Prince Boateng zusammenfasste: "Das war ein fast perfektes Spiel von uns. Wir haben gekämpft, Fußball gespielt und die Fans mitgerissen." Bei den Bayern stimmte der Einsatz und sonst nicht viel, weshalb Heynckes die Sache mit der Herbstmeisterschaft auch angemessen nüchtern kommentierte: "Die ist nicht von Bedeutung."

insgesamt 49 Beiträge
elwoodblues1969 10.12.2017
1. Einseitiger Bericht
Natürlich hat Frankfurt gut gespielt, aber hatten sie auch nur eine Torchance in der zweiten Halbzeit? München hat den Kampf, gegen einen äußerst motivierten Gegner, auf einem schwer bespielbaren Platz angenommen. Und hatten [...]
Natürlich hat Frankfurt gut gespielt, aber hatten sie auch nur eine Torchance in der zweiten Halbzeit? München hat den Kampf, gegen einen äußerst motivierten Gegner, auf einem schwer bespielbaren Platz angenommen. Und hatten noch das Spiel gegen Paris in den Knochen.
alex_harvey 10.12.2017
2. yep
über rot für vidal hätte sich niemand bei den bayern beschweren können. ich schätze, es hätte sich auch keiner beschwert. aber so abwegig, wie hier getan wird, an dieser stelle nicht rot zu geben, ist es auch nicht. aber [...]
über rot für vidal hätte sich niemand bei den bayern beschweren können. ich schätze, es hätte sich auch keiner beschwert. aber so abwegig, wie hier getan wird, an dieser stelle nicht rot zu geben, ist es auch nicht. aber seisdrum, die bayern werden immer bevorzugt, war ne glasklare rote karte. hat jemand ausser mir das vermeintliche foulspiel von lewa kurz vor spielschluss in erinnerung? wo er nach balleroberung alleine aufs tor gelaufen wäre, wenn der pro-bayern-schiri nicht foul gepfiffen hätte? äh... wieso eigentlich? naja egal, war richtig, weils lewandowski war, der foult ja immer. hat keiner gesehen? na dann halt nicht. schwein gehabt, gewonnen. nächstes mal muss frankfurt halt in 90 minuten ein tor schiessen, wenn sie sich benachteiligt fühlen. spochtliche grüsse...
geraldwinkeler 10.12.2017
3. Bayernbonus ist ein Euphemismus
Das Wort Bayernbonus ist eine Beschönigung der Tatsachen. Im Zweifel wird regelmäßig für die Bayern gepfiffen. Wenn ein Knut Wuchtig vom FC Irgendwo hinlangen würde wie Arturo Vidal, flöge er pro Saison diverse Male vom [...]
Das Wort Bayernbonus ist eine Beschönigung der Tatsachen. Im Zweifel wird regelmäßig für die Bayern gepfiffen. Wenn ein Knut Wuchtig vom FC Irgendwo hinlangen würde wie Arturo Vidal, flöge er pro Saison diverse Male vom Platz. Ich weiß nicht genau, wie diese Unwucht entsteht, aber ganz bestimmt ist jedem Bundesligaschiesrichter klar, dass man mit strittigen Entscheidungen gegen die Habenichtse der Bundesliga nur schlechte Kritiken ernten, mit ebensolchen Entscheidungen gegen die Bayern jedoch die Karriere ruinieren kann. Im Ergebnis wird die Dominanz der Bayern noch größer, die Meisterschaft immer weniger spannend. Reformen wird es hier wie an anderer Stelle erst geben, wenn Publikum und Sponsoren nicht mehr bereit sind, immer mehr Geld ins System zu pumpen.
hansweiswurst 10.12.2017
4. Der richtige Spiegel, wo bist Du...Boulevard Journalism
Bayern hat gekaempft und einen Sieg errungen. Die Eintracht war spitze und hat uns ein spannendes Spiel beschert. Nicht mehr und nicht weniger. Was ist mit den kritisch einseitige Analysen des Spiegels anstadt echter [...]
Bayern hat gekaempft und einen Sieg errungen. Die Eintracht war spitze und hat uns ein spannendes Spiel beschert. Nicht mehr und nicht weniger. Was ist mit den kritisch einseitige Analysen des Spiegels anstadt echter Berichterstattung? Jede andere Manschaft waere wohl hochgelobt fuer die tolle Taktik Disgruntled in Los Angeles.
hanbil 10.12.2017
5. Besser schwacher Herbstmeister
als wie in den Vorjahren bis zum März mit Tollem Fußball zu glänzen und dann abzustürzen. Vielleicht geht es mal andersrum... Allerdings ein Armutszeugnis für die Konkurrenz, die derzeitigen Schwächen der Bayern nicht [...]
als wie in den Vorjahren bis zum März mit Tollem Fußball zu glänzen und dann abzustürzen. Vielleicht geht es mal andersrum... Allerdings ein Armutszeugnis für die Konkurrenz, die derzeitigen Schwächen der Bayern nicht auszunutzen.
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