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Sport

Dramatischer BVB-Sieg in Berlin

Zum Haareraufen

Marco Reus hat den Dortmundern gegen Berlin in letzter Minute drei Punkte gesichert. Dass es überhaupt so weit kommen musste, lag an der eigenen Nachlässigkeit des BVB. Wütend war Trainer Lucien Favre.

DPA

BVB-Trainer Lucien Favre

Von
Samstag, 16.03.2019   23:38 Uhr

Szene des Spiels: Jadon Sancho tippelte von links in den Strafraum und fand Marco Reus in der Mitte, der den Ball im Berliner Tor unterbrachte. Es war das 3:2 - und es war die zweite Minute der Nachspielzeit. Lange sah es so aus, als würde die bis dahin schwache Chancenverwertung den BVB zwei Punkte kosten, doch Reus rettete seinen Klub schließlich vor dem Punktverlust im Titelrennen mit dem FC Bayern. Zum siebten Mal traf Dortmund in dieser Saison schon in der 90. Minute oder später - ligaweiter Höchstwert.

Das Ergebnis: Es blieb beim 3:2 (1:2). Dortmund holte beim Auswärtssieg gegen Hertha BSC zwei Rückstände auf. Hier geht es zum Spielbericht.

Dortmunder Ineffizienz: Für ihre drei Tore benötigten die Gäste 24 Abschlüsse. Insbesondere im zweiten Durchgang kreierte der BVB immer wieder gefährliche Situationen und hatte ausreichend Gelegenheiten, die Führung zu erzielen. Doch die Dortmunder gingen nachlässig mit ihren Chancen um und vertändelten mehrere Konter. Besonders nah am Siegtor war Thomas Delaney, der in der 87. Minute die Latte traf. Dann kam Reus. Mal wieder.

Ausgangslage des Spiels: Vergangenen Spieltag verlor der BVB die Tabellenführung an die Bayern. Im Titelkampf ist der Rekordmeister, der sich am Sonntag gegen Mainz (18 Uhr, Liveticker: SPIEGEL ONLINE) wieder an die Spitze schießen kann, mit fünf Siegen in Folge deutlich besser in Fahrt. Doch erstmal legte der BVB mit dem Auswärtssieg in Berlin vor und hat, zumindest vorläufig, wieder die Tabellenführung inne.

Hertha möchte noch nach Europa. Durch die Heimpleite trennen die Berliner nun sieben Punkte vom internationalen Geschäft. Bayer Leverkusen hat am Sonntag gegen Werder Bremen (13.30 Uhr) die Gelegenheit, den Vorsprung auszubauen.

Pausentee mit Wirkung: Die Dortmunder begannen die zweite Hälfte mit deutlich mehr Offensivdrang. Direkt nach Beginn der zweiten 45 Minuten kombinierten sich die Gäste gleich mehrmals bis vor das Berliner Tor.

Christian Pulisic (47.), Sancho (49.) und Jacob Bruun Larsen (56.) kamen zu gefährlichen Abschlüssen, in der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff gab der BVB acht Schüsse auf den Kasten von Hertha-Torwart Rune Jarstein ab. Der Ausgleich durch Dan-Axel Zagadou fiel ebenfalls in diese Phase - allerdings nicht aus dem Spiel heraus, sondern nach einem Eckball (47.).

Hässliche Tore, schönes Spiel: Dieser Treffer zum 2:2 war auch das erste ansehnliche Tor der Partie. Die drei Tore zuvor waren durch einen Patzer von BVB-Keeper Roman Bürki (1:0), einen unhaltbar abgefälschten Schuss von Thomas Delaney (1:1) und einen Handelfmeter (2:1) entstanden. Ansonsten war das Spiel aber sehenswert, spätestens ab der zweiten Hälfte ein Offensivspektakel.

Aufreger des Spiels: Davon gab es gleich zwei und bei beiden ging es um Schiedsrichter Tobias Welz. Erst gab es Elfmeter, als Duda aus der Distanz abzog und der Ball an die Hand von Julian Weigl ging (36.). Diese hielt Weigl jedoch vor seinen Oberkörper, als ihn der Ball traf. Hätte er die Hand woanders gehabt, hätte er den Schuss also regulär abgeblockt, was bei BVB-Trainer Lucien Favre Unverständnis auslöste. Im Interview mit "Sky" gab sich der ansonsten stets beherrschte Schweizer verärgert über die Entscheidung: "Wer hat diese Regel erfunden?!"

Getty Images

Abdou Diallos Rempler gegen Ondrej Duda

Neben ihm stand Hertha-Coach Pal Dardai. Wenige Augenblicke zuvor hatte auch er Kritik an den Offiziellen geäußert: "Für uns hätte es einen Elfmeter geben müssen, das war nicht in Ordnung", sagte der Berliner Coach. Gemeint war eine Szene in der zweiten Halbzeit - mitten in Dortmunds Druckphase beim Stand von 2:2 - als Ondrej Duda nach starkem Zuspiel von Kalou alleine auf das Tor zulief. Abdou Diallo stürmte von hinten heran und klärte die Situation mit einem Rempler gegen Duda. Der Schiedsrichter ließ laufen, eine vertretbare Entscheidung.

Hertha BSC - Borussia Dortmund 2:3 (2:1)
1:0 Kalou (4.)
1:1 Delaney (14.)
2:1 Kalou (36.)
2:2 Zagadou (47.) 2
2:3 Reus (90+2.)
Hertha BSC: Jarstein - Stark, Rekik, Torunarigha - Lazaro, Maier, Grujic, Mittelstädt - Duda (89. Lustenberger) - Selke (77. Leckie), Kalou (77. Ibisevic)
Borussia Dortmund: Bürki - Wolf (78. Hakimi), Akanji, Zagadou, Diallo - Weigl, Delaney - Sancho, Reus, Bruun Larsen (75. Guerreiro) - Pulisic
Schiedsrichter: Welz
Gelbe Karte: Stark / Zagadou, Schmelzer, Sancho
Gelb-Rot: Torunarigha
Rot: Ibisevic
Zuschauer: 74.667 (ausverkauft)

insgesamt 55 Beiträge
gammoncrack 16.03.2019
1. Ich muss zugeben, ich hatte das Spiel nicht live gesehen,
dass sich mein BVB absolut nicht hätte beklagen dürfen, wenn die Aktion von Abdou Diallo gegen Duda mit einem Elfmeter geahndet worden wäre. Hätte ich das Spiel live gesehen, hätte es wohl etwas länger gedauert, bis ich [...]
dass sich mein BVB absolut nicht hätte beklagen dürfen, wenn die Aktion von Abdou Diallo gegen Duda mit einem Elfmeter geahndet worden wäre. Hätte ich das Spiel live gesehen, hätte es wohl etwas länger gedauert, bis ich überzeugt gewesen wäre, dass nicht der Videoschiedsrichter eingreifen würde. Das ist ja immer die Krux. Aufgrund der Spielanteile und Chancen ein verdienter Sieg, aber im Endeffekt sehr glücklich. Dass das einigen Bayern-Fans gehörig gegen Strich geht, kann ich nachvollziehen. 2 Punkte Vorsprung machen sich nun einmal besser als nur ein besseres Torverhältnis. Trotzdem sollten sie die Ruhe bewahren. Ich vermute, es wird für sie reichen - wie jedes Jahr.
gossenphilosoph 17.03.2019
2. Da möchte mensch kein Schiedsrichter sein
Beide Trainer stehen unter Druck und regen sich über den Schiedsrichter auf. Als,in dieser Paarung, neutraler Fußball-Fan habe ich ein spannendes Spiel gesehen. Natürlich war die Spannung deshalb so groß weil Dortmund immer [...]
Beide Trainer stehen unter Druck und regen sich über den Schiedsrichter auf. Als,in dieser Paarung, neutraler Fußball-Fan habe ich ein spannendes Spiel gesehen. Natürlich war die Spannung deshalb so groß weil Dortmund immer wieder fahrlässig mit seinen Chancen umgegangen ist. Den Schiedsrichter habe ich in diesem Spiel nicht auf meiner Kritik-Liste, da gäbe es für beide Trainer sicher andere Punkte. Aber der Blitzableiter Schiri muss halt herhalten wenn mensch nicht sagen darf was wirklich jeden Trainer aufregen muss. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
rösti 17.03.2019
3. Ja
Lieber Herr Favre, Schutzhand gibt es nicht mehr imFussball......! Es war Hand und das ist nun mal so....es geht nicht an das jede Entscheidung immer wieder in Frage gestellt wird und der Schiedsrichter zum Freiwild erklärt [...]
Lieber Herr Favre, Schutzhand gibt es nicht mehr imFussball......! Es war Hand und das ist nun mal so....es geht nicht an das jede Entscheidung immer wieder in Frage gestellt wird und der Schiedsrichter zum Freiwild erklärt wird! Bringt den Spielern anstängige Spielweise bei und keine Show Nummern wie falle ich um bei..jeder Berührung und wie faule ich meinen Gegner verdeckt und schreie Auaaa laut und deutlich, damit es auch jeder hört... Dieses Poltern und die Ausfälle von Trainern ist unerträglich und tut dem Fussball nicht gut.... die "Fans" werden dadurch nur aufgehetzt. Die Herren Trainer tanzen und hampeln am Spiefeld rum wie besessen auf und ab....wenn Sie nicht fähig sind ihrer Mannschaft die Taktik und die Zuordnung vor dem Spiel zu vermitteln, sind es keine Klasse Trainer .... sie sollten doch auch Wissen, das die Entscheidung der Schiedsrichter steht! Jetzt mit dem Tele Beweis ist es auch nicht Recht. einst gross gefordert, jetzt wo man Schwalben und verdeckte Foul nachweisen kann ist es auch nicht gut...................
gibmichdiekirsche 17.03.2019
4.
Wer einen starken Gegner, der mehrere andere Topteams zu Hause geschlagen hat, in der 2. HZ in dessen Wohnzimmer derart dominiert, der gewinnt verdient, auch wenn der entscheidende Treffer erst in der 90.+2. Minute fällt, was [...]
Wer einen starken Gegner, der mehrere andere Topteams zu Hause geschlagen hat, in der 2. HZ in dessen Wohnzimmer derart dominiert, der gewinnt verdient, auch wenn der entscheidende Treffer erst in der 90.+2. Minute fällt, was natürlich auch glücklich ist. An den Schiedrichterentsscheiden gibt es m.E. nichts zu mäkeln. Weigls "Handspiel" wird nun mal nach der derzeit gültigen Regelauslegung geahndet, und über diese grundsätzliche Regelauslegung (und über nichts anderes!) hat Favre sich mit Recht sehr echauffiert. Dass die Szene mit Duda und Diallo eine "Kann aber muss nicht Entscheidung" zur Folge hatte, hat auch der Sportsmann Pal Dardai schließlich fair eingeräumt. Torunarighas zweite gelbe Karte war glasklar, und schon die erste hätte auch für glattrot gereicht. Er nimmt es - ob nun bewusst oder nicht - in Kauf - seinem Gegenspieler die Knochen zu brechen: Spielt den Ball mit links, kann diese aber nur bewerkstelligen, indem er mit dem rechten Bein den Gegenspieler treffen m u s s. Da war er mit Gelb schon gut bedient, zumal er auch vorher schon einige Male kräftig zugelangt hatte. Wer gar der ziemlich dümmlichen Tätlichkeit Ibisevics ein paar Sekunden vor Abpfiff noch eine entscheidende Bedeutung beimessen will, der mag sich meinetwegen damit selber ein Armutszeugnis ausstellen. Fazit: Ein verdienter Sieg des BVB in einem starken BL-Spiel, zu dem auch die Hertha maßgeblich beigetragen hat. Und eine starke Schirileistung von Tobias Welz in einer nicht unkomplizierten Partie. Schließlich und nicht zuletzt: Zum wievielten Mal in dieser Saison war das ein überdurchschnittliches spektakulär anzuschauendes Spiel mit BVB-Beteiligung? Dafür gibt es zwar keine Punkte in der Tabelle, wohl aber einen Zugewinn an Menschen, die spannenden und schönen Fußball zu schätzen wissen.
schueler79 17.03.2019
5. Meinung
Das der Rempler kein Elfmeterpfiff zur Folge hatte, ist sicherlich nicht vertretbar. Es hätte zwingend Elfmeter und evtl. rot für den Bvb Spieler geben müssen. Diese Entscheidung war ganz sicher spielentscheidend, was [...]
Das der Rempler kein Elfmeterpfiff zur Folge hatte, ist sicherlich nicht vertretbar. Es hätte zwingend Elfmeter und evtl. rot für den Bvb Spieler geben müssen. Diese Entscheidung war ganz sicher spielentscheidend, was zusätzlich Brisanz reinbringt. Objektiv gesehen, muss er pfeifen, alles andere ist eine Meinung. Ist es so schwer sich dies einzugestehen, Fehler passieren eben. Oder kommt die strikte Haltung von daher, dass man keine Diskussion aufkeimen lassen will? Ich hab auch eine Meinung: Die DFL braucht den BVB als Meister, um sich besser vermarkten zu können, Spannung und Abwechslung. Es geht um viel Geld, da wird dann eben nachgeholfen, hier und da... Jeder darf eine Meinung haben. P.S. Welche Funktionen begleitet eigentlich Dr. Reinhard Rauball.

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