Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Pizarros Rekordtor gegen Hertha

Opa erzählt vom Ausgleich

Bremen hat gegen Hertha nicht viel zu bieten, außer Claudio Pizarro. Der wartet bis zur 96. Minute und schreibt dann ein neues Kapitel in der Bundesliga-Geschichte.

Getty Images
Von
Samstag, 16.02.2019   21:54 Uhr

Der alte Mann und das Mehr: Claudio Pizarro ist für einen Fußballprofi betagte 40 Jahre alt. Vielleicht muss man so alt werden, um die Frechheit zu besitzen, den Verlauf eines ganzen Spiels mit einem eigentlich verkorksten Freistoß auf den Kopf zu stellen. Pizarro jedenfalls traf bei Hertha BSC in der sechsten Minute der Nachspielzeit zum Ausgleich für die Bremer. Sein Freistoß aus 18 Metern flog halbhoch durch die Berliner Mauer. Der Peruaner wurde damit der älteste Spieler, dem ein Bundesligator gelang - vor Mirko Votava (40 Jahre und 121 Tage) und Manfred Burgsmüller (39 Jahre und 226 Tage). "Ich hoffe, dass dieser Rekord niemals gebrochen wird", sagte Pizarro. Schwer vorstellbar.

Das Ergebnis: Eigentlich hatte Werder 96 Minuten lang keine echte Torchancen. Aber die Bremer haben eben auch Pizarro. Dank seines Freistoßtreffers schaffte Werder ein glückliches 1:1 (1:0) und verhinderte die erste Niederlage gegen Hertha seit Dezember 2013. Hier geht es zur Meldung.

Die erste Hälfte: Hertha war zwar nicht die feldüberlegene Mannschaft, aber die deutlich gefährlichere. Davie Selke traf zunächst nach einem hauchzart von Salomon Kalou in den Lauf gelupften Pass den Pfosten (21.). Dann nutzte er eine weitere Vorlage von Sturmpartner Kalou zum Führungstreffer (25.). Weil Ondrej Duda einen Freistoß aus 22 Metern ans Lattenkreuz drosch (38.), wäre eine höhere Führung verdient gewesen.

Der Glückspilz: Herthas Innenverteidiger Niklas Stark hätte nach 21 Minuten eigentlich schon nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Erst foulte der 23-Jährige den durchgestarteten Davy Klaassen kurz vor der Strafraumgrenze (16.). Eine klare Gelbe Karte, aber Schiedsrichter Sören Storks pfiff nicht. Dann räumte Stark auf Höhe der Mittellinie Milot Rashica ab (21.). "Wenn Milo da nicht hochspringt, kann ich ihn erst im Oktober wieder einplanen", schimpfte Werders Trainer Florian Kohfeldt. Auch da hätte es Gelb für Stark geben müssen. Gab es nicht. Hertha blieb der frühe Platzverweis erspart, Schiedsrichter Storks dafür aber nicht der Zorn der Bremer Anhängerschaft.

Die zweite Hälfte: Werder stellte nach 60 Minuten von 4-4-2 mit Raute auf 4-3-3 um. Pizarro (40), der im übrigen acht Jahre älter ist als Schiedsrichter Storks (32), kam als Sturmspitze. Aber es passierte trotzdem lange nichts nach vorn. Bis zur sechsten Minute der Nachspielzeit. Bis zum Pizarro-Moment.

Der Topscorer der Rückrunde: Selke erzielte sein drittes Saisontor. Aber irgendetwas muss in der Winterpause mit dem Angreifer passiert sein. In der Rückrunde war der 24-Jährige nun bereits an sechs Treffern direkt beteiligt (zwei Tore, vier Vorlagen). Nur Leverkusens Julian Brandt hat eine ebenso starke Quote seit dem Winter (drei Tore, drei Vorlagen).

Die Serie hält I: Pal Dardai verlor als Spieler gegen keinen Gegner häufiger als gegen Bremen (13 Mal). Und als Trainer gelang Dardai nun auch im achten Spiel kein Sieg gegen Werder. Serie ausgebaut. Check.

Die Serie hält II: Werder hat in jeder Partie dieser Saison (Liga und Pokal) mindestens einen Treffer erzielt. Das hat in dieser Spielzeit kein anderes Bundesligateam geschafft. Serie ausgebaut. Check.

Der Bankangestellte: Herthas Kapitän Vedad Ibisevic stand keine einzige Sekunde auf dem Feld, brachte es aber fertig, sich seine fünfte Gelbe Karte abzuholen. Nach einem Disput mit Klaassen in der dritten Minute der Nachspielzeit gab es die Verwarnung für den Bosnier. Damit hat Ibisevic am nächsten Wochenende frei, wenn Hertha zum FC Bayern reist.

Hertha BSC - Werder Bremen 1:1 (1:0)
1:0 Selke (25.) 1:1 Pizarro (90.+6)
Berlin: Jarstein - Stark, Rekik, Torunarigha (57. Skjelbred) - Lazaro, Grujic, Lustenberger, Mittelstädt - Duda (90. Darida), Kalou (81. Klünter) - Selke
Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Langkamp, Moisander, Augustinsson - Bargfrede (75. Sargent) - Maximilian Eggestein, Klaassen - Johannes Eggestein (61. Pizarro), Kruse, Rashica (75. Möhwald)
Schiedsrichter: Sören Storks
Gelbe Karten: Rekik, Lazaro, Ibisevic - Langkamp, Bargfrede, Klaassen
Zuschauer: 49.627

insgesamt 3 Beiträge
kopi4 17.02.2019
1.
Was auch eine Erwähnung verdient hätte: auch Burgsmüller und Votava schossen ihre späten Tore ebenfalls für Werder. Muß wohl an der guten Luft da oben liegen....
Was auch eine Erwähnung verdient hätte: auch Burgsmüller und Votava schossen ihre späten Tore ebenfalls für Werder. Muß wohl an der guten Luft da oben liegen....
elfenlicht 17.02.2019
2. Freut mich......
für C.P Gruss aus München
für C.P Gruss aus München
gnarze 18.02.2019
3. Sobiel zum Thema
Überalterung und Jugendwahn... Cooler Typ, der C.P.
Überalterung und Jugendwahn... Cooler Typ, der C.P.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP