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Sport

Bayern-Sieg gegen Leipzig

Old School

Kein moderner Fußball, sondern Bewährtes hat den Bayern zum Heimsieg gegen RB Leipzig verholfen: Der älteste Münchner erzielte spät das entscheidende Tor. Genau wie früher.

LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX
Von
Mittwoch, 19.12.2018   23:44 Uhr

Die Szene des Spiels: Renato Sanches ist mit 21 Jahren der jüngste Spieler im Kader des FC Bayern. In der 83. Minute marschierte der Portugiese ganz allein durch den Leipziger Strafraum, scheiterte aber am starken RB-Keeper Peter Gulacsi. Der Abpraller landete beim ältesten Münchner Franck Ribéry, der mit einer einfachen Körpertäuschung zwei Gegenspieler ins Leere rutschen ließ, um dann unbedrängt den Siegtreffer zu erzielen.

Das Ergebnis: Ribérys Tor reicht zum 1:0-Sieg, mit dem die Münchner den Rückstand auf die Tabellenspitze auf sechs Punkte verkürzen, nachdem der BVB überraschend bei Fortuna Düsseldorf gepatzt hatte. Hier geht es zur Meldung.

Der ewige Franck: Am 2. Dezember 2007, vor etwas mehr als elf Jahren, erzielte Ribéry sein erstes entscheidendes Tor zu einem 1:0-Sieg der Bayern. Der Gegner hieß damals Arminia Bielefeld, Sanches war zehn Jahre alt, und RB Leipzig existierte höchstens als verrückte Idee.

Die erste Hälfte: Hatte nur wenige Highlights zu bieten - dafür dann aber richtige. Serge Gnabry steckte schön auf Robert Lewandowski durch, dessen Schuss aus 15 Metern Peter Gulacsi an den Innenpfosten wischte (24. Minute). Weil Lewandowski knapp im Abseits stand, hätte ein mögliches Tor zurückgenommen werden müssen. Die Gäste aus Leipzig brachten es zumindest zu einem regulären Aluminiumtreffer. Nach einer Ecke von Kevin Kampl köpfte Dayot Upamecano aus fünf Metern an die Latte (36.).

Gegen den modernen Fußball: Es gibt so viele Dinge, gegen die man sein kann: Krieg, Massenmord, Atomkraft und vieles mehr. In München hat man sich entschieden, mit einem großen Banner "gegen den modernen Fußball" zu demonstrieren. Gemeint sind vermutlich Retorten-Klubs und zerstückelte Spieltage, nicht schnelles Umschaltspiel. Aber einen Tag, nachdem Uli Hoeneß als Aufsichtsratsvorsitzender der Bayern AG für vier weitere Jahre im Amt bestätigt wurde, klingt es dann doch nach anachronistischer Verherrlichung einer vermeintlich guten alten Zeit. Passend dazu brachte Niko Kovac nach einer knappen halben Stunde für den verletzten Gnabry mit Ribéry einen wandelnden Anachronismus, der die Partie entschied. Als hätten es die Fans geahnt.

Die zweite Hälfte: War ähnlich wie die erste lange nicht besonders ereignisreich. Erst in der Schlussphase ging es rund: Joshua Kimmich hätte per Kopfball das 1:0 erzielen müssen, sein Schnurrbart ist aber so modern, dass er wohl am stark reagierenden Gulacsi scheitern musste (79.). Die Leipziger hatten ihre beste Szene sogar noch später. Nach Ribérys Treffer vergab Yussuf Poulsen per Kopf die Chance zum Ausgleich (85.). In der Nachspielzeit wurde es hektisch: Stefan Ilsanker grätschte Thiago das Standbein weg und sah dafür zu Recht die Rote Karte (90.+1). Im folgenden Getümmel musste auch Sanches mit Gelb-Rot vom Platz (90.+2).

Ein typischer Ribéry gefolgt von einem typischen Ribéry: Seit mehr als elf Jahren erzielt der Franzose mit der Nummer 7 entscheidende Tore für die Bayern, mit denen er die Münchner Fans verzückt. Genauso lange leistet er sich kleine Ausraster und unfaire Aktionen, mit denen er Anhänger gegnerischer Teams gegen sich aufbringt. Insofern war nur folgerichtig, dass Ribéry nach seinem Siegtreffer gegen Leipzig auch der Erste war, der Ilsanker für dessen rüdes Foul einen Schubser mitgab. Dass Sanches dafür bestraft wurde, passte zum Spiel. Weg mit dem Jungen, alle Macht den Alten.

Fotostrecke

Bayern-Sieg gegen Leipzig: Vintage Ribéry

Falsche Schlüsse: So wenig wie Borussia Dortmund nach der ersten Saisonniederlage verzweifeln muss, sollten die Bayern den Fehler machen, den knappen Sieg gegen Leipzig zu sehr zu feiern. Natürlich sind die drei Punkte mit Blick auf die Meisterschaft wichtig, aber spielerisch war das, was die Münchner boten, über weite Strecken dasselbe biedere Stückwerk, das in dieser Saison schon viele Punkte gekostet hat. Vielleicht würde ein bisschen moderner Fußball hier und da doch nicht schaden.

FC Bayern München - RB Leipzig 1:0 (0:0)
1:0 Ribéry (83.)
Bayern: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Goretzka, Thiago - Gnabry (28. Ribéry), Müller (90. Martínez), Coman (61. Sanches) - Lewandowski
Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Konaté, Upamecano, Halstenberg - Demme, Kampl - Laimer (87. Cunha), Bruma (81. Ilsanker) - Poulsen (88. Augustin), Werner
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Marco Fritz
Gelbe Karten: - / Demme, Laimer
Rote Karte: Ilsanker (90.+1)
Gelb-Rot: Sanches (90.+2)

insgesamt 30 Beiträge
ortibumbum 20.12.2018
1. Toller Sieg ??
Ball fünfmal abgeprallt, dann Ribery vor die Füße. Nix herausgespieltes oder gar geniales. Aber das sehen die Fans anders durch die Bayern Brille. Unentschieden wäre gerecht gewesen. Aber in Frankfurt kommt das dicke Ende [...]
Ball fünfmal abgeprallt, dann Ribery vor die Füße. Nix herausgespieltes oder gar geniales. Aber das sehen die Fans anders durch die Bayern Brille. Unentschieden wäre gerecht gewesen. Aber in Frankfurt kommt das dicke Ende für die Bayern... Nehme jede Wette an.
Otto Müller 20.12.2018
2. Sachlichkeit?
http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-franck-ribery-schiesst-bayern-muenchen-zum-sieg-gegen-rb-leipzig-a-1244701.html [...]
http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-franck-ribery-schiesst-bayern-muenchen-zum-sieg-gegen-rb-leipzig-a-1244701.html http://www.spiegel.de/sport/fussball/drei-thesen-zur-bundesliga-borussia-dortmund-muss-personell-nachlegen-a-1244474.html Beides Kommentare vom SPON-Mitarbeiter Malte Müller-Michaelis
diorder 20.12.2018
3. Modern was ist das ?
ich habe ein schnelles, kampfbetontes Spiel um die Spitzenplätze gesehen. Daran den nebulösen Maßstab modern anzulegen, finde ich wenig erklärend. Die Hintermannschaften waren gut. So modern wie der uralte italienische [...]
ich habe ein schnelles, kampfbetontes Spiel um die Spitzenplätze gesehen. Daran den nebulösen Maßstab modern anzulegen, finde ich wenig erklärend. Die Hintermannschaften waren gut. So modern wie der uralte italienische Riegel von Funkels Fortuna grgen die moderne Borussia ? Bei einer Fußballliga kommts auf den Sieg und die Punkte an. Und den langen Atem. Vor einiger Zeit wurde das sls Cleverness bejubelt und bewundert. Schön ind modetn kann man nur spielen, wenn der Gegner es zuläßt.
Broko 20.12.2018
4.
Kann die SPON-Sportredaktion nicht wenigstens einmal verhehlen, dass sie von Bayernhassern durchsetzt ist? Jedesmal das Kritteln am Haar in der Suppe - warum immer so negativ?
Kann die SPON-Sportredaktion nicht wenigstens einmal verhehlen, dass sie von Bayernhassern durchsetzt ist? Jedesmal das Kritteln am Haar in der Suppe - warum immer so negativ?
visanian 20.12.2018
5. Ein Sieg ist nie schlecht.
Ein Sieg bleibt ein Sieg, egal ob er schlecht geredet wird oder nicht, und genau darum freue ich mich für den FC Bayern. Trotz altmodischen Fussball von alten Herren, die offenbar seit elf Jahren nichts dazu gelernt haben, zum [...]
Ein Sieg bleibt ein Sieg, egal ob er schlecht geredet wird oder nicht, und genau darum freue ich mich für den FC Bayern. Trotz altmodischen Fussball von alten Herren, die offenbar seit elf Jahren nichts dazu gelernt haben, zum Leidwesen der Gegner aber a) immer noch gewinnen und b) schon tot gesagt, immer noch in der Spitze mitspielen. Ich bin gespannt, auf welchem Platz die alten Herren mit ihrem altmodischen Fussball die Saison beenden.
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