Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Bundesliga-Noten, Teil zwei

Mit Empfehlung von Ancelotti - die besten Spieler der Saison

Dank Carlo Ancelotti spielt James Rodríguez beim FC Bayern. Der Wunschspieler schlug sofort ein. Auch im Sturm steht ein Bayern-Star - hinter Dortmunds Maximilian Philipp. Hier ist Teil zwei unserer SPON11 der Saison.

AFP

Bayern Münchens James

Von und
Freitag, 18.05.2018   06:01 Uhr

Ron-Robert Zieler war der beste Torwart der Saison. Das Traumduo in der Innenverteidigung bildeten Bayerns Mats Hummels und Niklas Süle, an Rafinha und David Alaba war auf den defensiven Außenbahnen kein Vorbeikommen. Vorne links und rechts überragten die Bayer-Profis Julian Brandt und Leon Bailey.

Diese sieben Profis haben wir im ersten Teil der SPON11 der Saison gewürdigt. Sie waren auf ihren Positionen die Besten der Bundesligasaison - zumindest wenn man rein objektive Daten zugrunde legt. (Falls Sie es verpasst haben sollten: Hier geht's zum ersten Teil. Und hier wird erklärt, wie der SPIX funktioniert.)

Vier Plätze sind in unserer Elf des Jahres noch zu vergeben, gesucht werden: ein defensiver Mittelfeldspieler, ein Spielmacher und zwei Stürmer. Ein Angreifer ist beinahe gesetzt: 29 Treffer in 30 Spielen, Torschützenkönig - die Rede ist von Bayerns Robert Lewandowski, der selbstverständlich in der SPON11 steht. Aber: Er ist nicht der beste Stürmer der Saison.

Wie kann das sein?

Der SPIX bewertet nicht nur die erzielten Tore, sondern die gesamte Leistung von Bundesligaprofis anhand ihrer Spieldaten. Im Fall des Stürmers sind auch diese Fragen entscheidend: Wie effizient ist der Stürmer? Kreiert er selbst Torchancen? Wie stark ist er im Dribbling? Ist er eine Stütze in der Defensive? Dortmunds Maximilian Philipp ist in diesen Kategorien besonders stark - und sogar etwas stärker als Lewandowski.

Ein weiterer Grund für Lewandowskis Platzierung hinter Philipp ist, dass der Bayern-Stürmer in München mehr Großchancen bekommt als Philipp in Dortmund - und auch mehr vergibt. Das wirkt sich negativ auf die Torgefahr des Polen aus, der dennoch eine überragende Saison spielte.

Ein anderer Bayern-Profi ist auf seiner Position ebenfalls unumstritten: Arturo Vidal. Er erreicht einen Wert von 87. Das bedeutet, die Leistungen des 30-Jährigen gehören zu den oberen 14 Prozent der jüngeren Ligahistorie - eine beeindruckende Leistung.

Wie hat mein Lieblingsspieler abgeschnitten? Klicken oder wischen Sie sich durch das Ranking.

Vidal war bereits Teil der SPON11 der Hinrunde. Der Chilene hatte in der ersten Saisonhälfte als Balleroberer sowie Torschütze überzeugt und fünf Tore bis zur Winterpause erzielt. Nach dem Jahreswechsel entwickelte Vidal weniger Wucht zum Tor, er schoss nur noch einen weiteren Treffer, war als starker Zweikämpfer aber weiter ein wichtiger Teil der Bayern. Bis zum 28. Spieltag: Vidal verletzte sich am Knie - und den Münchnern fehlte ihr "Krieger" in der entscheidenden Saisonphase. Beim Halbfinal-Aus der Bayern gegen Real Madrid stand Vidal nicht im Kader.

Auch Schalkes Max Meyer stand zum Saisonende nicht mehr im Kader seines Klubs. Allerdings nicht aus Verletzungsgründen wie Vidal, Hintergrund war eine disziplinarische Maßnahme. Bis zum Zeitpunkt seiner Suspendierung Ende April gehörte der 22-Jährige zu den stärksten defensiven Mittelfeldspielern der Bundesliga, beispielsweise hat er mit 79,2 Prozent gewonnenen Tackles eine bessere Quote als Vidal (73,9 Prozent). Meyer ist auf seiner Position Dritter und damit bester Nicht-Bayern-Profi.

Zum Liga-Durchschnitt gehört Hoffenheims Youngster Dennis Geiger (Platz 12). Der 19-Jährige wurde in seiner Premierensaison trotz starker Konkurrenz auf Anhieb Stammspieler, verpasste aber die letzten acht Partien wegen einer Oberschenkelverletzung.

Geiger wird im offensiven Mittelfeld stärker eingestuft (siehe Spielerkarte). Allerdings erreicht er auf der Position des Spielmachers nicht die geforderten 30 Prozent bewerteter Einsätze, um auf seiner stärkeren Position im Saison-SPIX aufzutauchen. Geiger teilt sich den zwölften Platz im defensiven Mittelfeld mit Julian Weigl, der sich im Vergleich zur Hinrunde etwas steigerte. Gemessen an seinem Potenzial gehört der 22-Jährige zu den Enttäuschungen dieser Saison.

Auch wenn es sich viele nicht mehr vorstellen können: Unter Carlo Ancelotti war beim FC Bayern nicht alles schlecht. Der viel gescholtene Italiener war es, der in der Sommerpause den Klub zu einer Verpflichtung von James Rodríguez gedrängt hat.

Das Ergebnis: Der FC Bayern, Ancelottis Nachfolger Jupp Heynckes und der Sommerzugang können sehr zufrieden sein. James traf im Schnitt in jedem dritten Spiel (sieben Saisontore, 23 Einsätze) und war mit elf Torvorlagen der drittbeste Assistgeber der Münchner hinter Thomas Müller (16 Vorlagen) und Joshua Kimmich (13).

Auch er ist ein Grund dafür, dass Eintracht-Trainer Niko Kovac in der kommenden Saison den FC Bayern betreuen wird: Marius Wolf. 2016 war der Mittelfeldmann nach Hannover ausgeliehen worden, hatte sich dort aber nicht durchsetzen können, er kickte zuletzt sogar in der zweiten Mannschaft der 96er in der Regionalliga Nord.

In Frankfurt wurde Wolf in dieser Spielzeit sensationell zum Leistungsträger: fünf Tore, neun Assists. "Er ist immer unterwegs, hoch und runter, den kriegst du nicht tot", schwärmte Frankfurts Sportchef Fredi Bobic über den 22-Jährigen, an dem angeblich auch der BVB interessiert sein soll. Der SPIX ist ebenso überzeugt - und sortiert Wolf im offensiven Mittelfeld auf Platz vier ein.

Kein Spieler hatte in der Saison 2017/2018 so viele Torabschlüsse (127) wie Robert Lewandowski, kein Spieler brachte mehr Bälle aufs gegnerische Tor (56), kein Spieler erzielte mehr Tore (29). Natürlich steht der Torschützenkönig des FC Bayern in der SPON11 des Jahres, allerdings liegt ein anderer Profi auf der Stürmer-Position sogar noch vor ihm: Maximilian Philipp. Der BVB-Zugang konnte zwar wegen einer Verletzung nur 20 Spiele absolvieren, sammelte dabei aber zwölf Scorer-Punkte (neun Tore, drei Assists) - eine nachdrückliche Empfehlung für die kommende Saison.

Stark in der Teamwertung: die TSG Hoffenheim, die mit Serge Gnabry (4.), Andrej Kramaric (5.) und Mark Uth (10.) gleich drei Spieler in der Stürmer-Top-Ten hat.

Spannend ist auch der Blick ans Ende des Rankings: Dort steht der Stürmer, der für Sandro Wagner in den vorläufigen WM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw rückte. Es geht um Mario Gomez. Allerdings bezieht sich diese Platzierung ausschließlich auf seine schwache Hinrunde in Wolfsburg mit nur einem Tor.

Im Ranking taucht noch ein zweiter Mario Gomez auf. Es geht um die dieselbe Person, mit einem Unterschied: Der zweite Gomez geht seit der Rückrunde auf Torejagd für Stuttgart und erzielte dort acht Treffer. Dieser verbesserte Mario Gomez steht im Stürmer-Ranking auf Platz 24 von 46 - diese Platzierung entspricht dem Liga-Mittelmaß, Joachim Löw nutzt bei seiner Stürmerwahl offenbar andere Kriterien als den SPIX.

Wagner taucht im Ranking nur als Hoffenheim-Spieler auf, da er nach seinem Winterwechsel nach München nicht auf die erforderlichen 30 Prozent bewerteter Einsätze gekommen ist.

Und das ist die SPON11 der Saison, klickbar in fünf verschiedenen taktischen Formationen:

insgesamt 12 Beiträge
Hombre60 18.05.2018
1. Nicht nachvollziehbar
Die Elf der Saison ist für mich nicht nachvollziehbar. Das ganze Zahlenwerk widerspricht meiner Wahrnehmung in den live erlebten Spielen. Es fehlt die Komponente der spielentscheidenden Momente eines Spielers, dann wenn er den [...]
Die Elf der Saison ist für mich nicht nachvollziehbar. Das ganze Zahlenwerk widerspricht meiner Wahrnehmung in den live erlebten Spielen. Es fehlt die Komponente der spielentscheidenden Momente eines Spielers, dann wenn er den "Unterschied" macht. So ist Rafhina mit seinen Böcken in der CL nicht nachvollziehbar.
sharkeys 18.05.2018
2. Leseverständnis
Es geht nicht um CL-Noten sondern alleine um die Bundesliga. Und dann macht es wieder Sinn, gell?
Zitat von Hombre60Die Elf der Saison ist für mich nicht nachvollziehbar. Das ganze Zahlenwerk widerspricht meiner Wahrnehmung in den live erlebten Spielen. Es fehlt die Komponente der spielentscheidenden Momente eines Spielers, dann wenn er den "Unterschied" macht. So ist Rafhina mit seinen Böcken in der CL nicht nachvollziehbar.
Es geht nicht um CL-Noten sondern alleine um die Bundesliga. Und dann macht es wieder Sinn, gell?
cmann 18.05.2018
3. Betrachtet man die SPON 11
So sind die Zukunftperspektiven (für den Rest der BL) für die neue BL Saison 2018/2019 auf die Veränderung des Tabellenbildes der letzten 6 jahre BL nicht gerade rosig, zumal der Bayernkader weitere Ergänzungen mit Goretzka, [...]
So sind die Zukunftperspektiven (für den Rest der BL) für die neue BL Saison 2018/2019 auf die Veränderung des Tabellenbildes der letzten 6 jahre BL nicht gerade rosig, zumal der Bayernkader weitere Ergänzungen mit Goretzka, Gnabry und Sanchez (der jetzt hoffentlich sein Potential ausschöpfen kann) erfährt. Die Zugänge haben auch "hohe Qualität" und sind noch weiter entwicklungsfähig. Einzige "Unbekannte", wie kommt der neue Trainer mit dem Starensemble zurecht. Schafft Kovac das wird es weiterhin in der BL Saison auch zukünftig eher langweilig werden.
forky 18.05.2018
4. Nationalmannschaft
So gesehen waren Wolf, Castro und Götze die besten deutschen offensiven Mittelfeldspieler, weiter vor z.B. Goretzka. Und im Sturm Phillip, Gnabry, Werner und Kruse. Löw hat also viel Mittelmaß berufen. Nur bei Schmelzer [...]
So gesehen waren Wolf, Castro und Götze die besten deutschen offensiven Mittelfeldspieler, weiter vor z.B. Goretzka. Und im Sturm Phillip, Gnabry, Werner und Kruse. Löw hat also viel Mittelmaß berufen. Nur bei Schmelzer wird er nicht weich...
Oihme 18.05.2018
5. Wunschdenken
Warten wir erst einmal ab, bis Goretzka und Gnabry ihr erstes Spiel für die Bayern gemacht haben und ob Sanchez wie aus dem Nichts vom größten und teuersten Transferflop der Liga-Geschichte zum wenigstens durchschnittliche [...]
Zitat von cmannSo sind die Zukunftperspektiven (für den Rest der BL) für die neue BL Saison 2018/2019 auf die Veränderung des Tabellenbildes der letzten 6 jahre BL nicht gerade rosig, zumal der Bayernkader weitere Ergänzungen mit Goretzka, Gnabry und Sanchez (der jetzt hoffentlich sein Potential ausschöpfen kann) erfährt. Die Zugänge haben auch "hohe Qualität" und sind noch weiter entwicklungsfähig. Einzige "Unbekannte", wie kommt der neue Trainer mit dem Starensemble zurecht. Schafft Kovac das wird es weiterhin in der BL Saison auch zukünftig eher langweilig werden.
Warten wir erst einmal ab, bis Goretzka und Gnabry ihr erstes Spiel für die Bayern gemacht haben und ob Sanchez wie aus dem Nichts vom größten und teuersten Transferflop der Liga-Geschichte zum wenigstens durchschnittliche BuLI-Spieler mutiert, bevor man sie hier als die Uneinholarkeit der Bayern garantierende Verstärkungen feiert. Und nein, es ist eben nicht die große Unbekannte, ob Kovac mit den Bayernstars zurechtkommt, sondern doch wohl eher, ob er es fachlich drauf hat, die hohen Erfolgserwartungen des FCB zu erfüllen.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP