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Sport

96-Trainer Doll vs. Schiedsrichter Gräfe

"Deinetwegen haben wir verloren"

Der eine habe sich "gockelig hingestellt", der andere sich "höhnisch" und "arrogant" verhalten: Der Streit zwischen 96-Trainer Doll und Schiedsrichter Gräfe ist jetzt schon ein Höhepunkt der Saison.

DPA

Thomas Doll

Samstag, 16.03.2019   21:48 Uhr

Den Schuldigen hatte Thomas Doll sofort ausgemacht. "Er kam zu mir und sagte: 'Deinetwegen haben wir verloren, deinetwegen haben wir verloren'", schilderte Schiedsrichter Manuel Gräfe den Streit mit dem Trainer von Hannover 96 direkt nach Schlusspfiff der Bundesliga-Partie beim FC Augsburg.

"Arrogant" habe sich Doll verhalten, "höhnisch und ironisch" auf das 1:3 (1:0) seiner Mannschaft reagiert: "Er meinte, 'du laberst nur, du laberst nur', das fand ich despektierlich. Man kann ja wenigstens vernünftig miteinander reden", sagte Gräfe. Das habe Doll auch später noch nicht getan, als er auf Jens Lehmann, Co-Trainer der Augsburger, in den Katakomben des Stadions traf. "Das ist arrogant", ereiferte sich Gräfe lautstark, der mitbekam, wie Doll mit Lehmann abfällig über ihn redete.

Was war passiert? Doll hatte sich über die Auslegung von vor allem zwei Situationen beklagt, die aus seiner Sicht spielentscheidenden Einfluss hatten: Die Freistoßentscheidung vor dem 2:1 für den FCA von Jonathan Schmid (78.) und ein Pfiff (51.), der im Sinne der Vorteilsauslegung hätte ausbleiben müssen. 96 verlor zum sechsten Mal im siebten Spiel unter Doll.

"Hat mich volllabern wollen"

Doll erklärte später, seine Spieler seien nach Abpfiff aufgebracht gewesen, also sei auch er zu Gräfe gegangen. "Dann hat er mich zwei, drei Minuten lang volllabern wollen, dass er irgendwann schon mal so eine Situation hatte in Bremen und hörte gar nicht mehr auf", erzählte der 96-Coach. Er habe sich dann irgendwann abgedreht.

"Ich habe ja nie Probleme mit dem Schiedsrichter, wirklich nicht. Ich höre mir das gerne an und lerne auch. Aber mir Arroganz vorzuwerfen, weil ich nicht mehr zuhören wollte, das war schon sehr, sehr bitter", sagte Doll. Sich vor einen Trainer, der mit seinem Team um den Klassenerhalt kämpfe, "da so gockelig hinzustellen und mir dann Arroganz vorzuwerfen, das ist schon echt hart". Ein Schiedsrichter müsse dann auch mal "von seinem hohen Ross runterkommen", sagte der 52-Jährige.

Einen Eintrag in den Spielbericht gab es von Gräfe nicht, schließlich sei es ja keine Beleidigung gewesen. "Ich will es nicht höher hängen als es ist, das sind Emotionen. Wenn man absteigt oder gegen den Abstieg kämpft, ist man frustriert." Man müsse aber auch mit Anstand verlieren können, fand Gräfe. Doll wisse sicher, dass er überreagiert habe. Der sagte später: "Wenn ich ihn irgendwann sehe, werden wir uns die Hand geben, denn wir sind ja Sportsmänner."

sak/sid/dpa

insgesamt 35 Beiträge
MarbleAnimal 16.03.2019
1. Anstand
Vielleicht kriege ich es nicht mehr 100%ig zusammen, aber soweit ich mich erinnere war am 1. Spieltag unter Doll das Team der Fitnesstrainer schuld am Zustand der Mannschaft. Im 4. und 6. Spiel unter Doll war es der blutleere [...]
Vielleicht kriege ich es nicht mehr 100%ig zusammen, aber soweit ich mich erinnere war am 1. Spieltag unter Doll das Team der Fitnesstrainer schuld am Zustand der Mannschaft. Im 4. und 6. Spiel unter Doll war es der blutleere Auftritt und die Einstellung der Spieler und nun im 7. Spiel ist es der Schiedsrichter... Meine Güte: Der Kader ist nicht erstligareif und den hat H. Heldt zusammengestellt. Nun wäre es schön, wenn die Saison wenigstens anständig zuende gespielt und der Abstieg professionell hingenommen würde. Alles andere schadet nur noch dem Verein. Bitte reißt Euch zusammen, packt die Naivität wieder ein, tauscht möglichst schnell im Hinblick auf die 2. Liga-Saisonvorbereitung die Verantwortlichen aus und sorgt dafür, dass wir Fans uns nicht mehr schämen müssen, für das, was im Verein derzeit abgeht...
Msc 16.03.2019
2.
Große Kunst von Doll da den Druck von der Mannschaft zu nehmen indem er sich selbst total daneben benimmt. Wie sonst nur Rudi Völler das macht. Ein bißchen berechnend und schäbig, aber jetzt spricht wenigstens keiner mehr [...]
Große Kunst von Doll da den Druck von der Mannschaft zu nehmen indem er sich selbst total daneben benimmt. Wie sonst nur Rudi Völler das macht. Ein bißchen berechnend und schäbig, aber jetzt spricht wenigstens keiner mehr über die unterirdische Leistung von Esser, der ja sonst ein Guter ist, aber heute wirklich einen schlechten Tag hatte (speziell bei dem Freistoßtor).
gammoncrack 16.03.2019
3. Wenn ein Trainer einen solchen Job übernimmt und
durchblicken lässt, dass er es besser kann als sein Vorgänger, dann kommen natürlich nach einer Niederlage derartige Reaktionen. Die Nerven liegen blank. Ich würde Herrn Doll empfehlen, sich ein Beispiel an Huub Stevens zu [...]
durchblicken lässt, dass er es besser kann als sein Vorgänger, dann kommen natürlich nach einer Niederlage derartige Reaktionen. Die Nerven liegen blank. Ich würde Herrn Doll empfehlen, sich ein Beispiel an Huub Stevens zu nehmen, der trotz der auch unglücklichen Niederlage der Schalker mmer die Contenance bewahrt hat.
skeptikerjörg 16.03.2019
4. Ein Schuldiger muss her
6 Spiele, 5 Niederlagen unter Doll. Dem Doll, der großspurig getönt hatte, mit dem verfügbaren Kader könne man natürlich die Klasse halten. Trainer Klasse, Mannschaft gut, a muss ja jemand anderes an den Niederlagen Schuld [...]
6 Spiele, 5 Niederlagen unter Doll. Dem Doll, der großspurig getönt hatte, mit dem verfügbaren Kader könne man natürlich die Klasse halten. Trainer Klasse, Mannschaft gut, a muss ja jemand anderes an den Niederlagen Schuld haben. Heute also der Schiedsrichter, warum auch nicht. In Hannover liegen die Nerven so blank, dass selbst der Torhüter, einer der Wenigen mit Bundesligaformat im Kader, heute für 2 Gegentore verantwortlich zeichnete. Der Konflikt, den Doll dann mit Gräfe vom Zaun gebrochen hat, war einfach nur stillos. Wäre einem Breitenreiter nicht passiert. Erfolgloser als Doll hätte Breitenreiter auch nicht sein können, allerdings preiswerter.
Schartin Mulz 16.03.2019
5. Hannover
hat das altbekannte Problem der "schwierigen zweiten Saison". Ein Probelm, das isch regelmäßig einstellt, wenn ein Aufsteiger in der ersten Saison weit über seinen Möglichkeiten spielt. Hannover hat letzte Saison [...]
hat das altbekannte Problem der "schwierigen zweiten Saison". Ein Probelm, das isch regelmäßig einstellt, wenn ein Aufsteiger in der ersten Saison weit über seinen Möglichkeiten spielt. Hannover hat letzte Saison zeitweise in der Spitzengruppe gespielt. Da, wo es vom Kader her überhaupt nicht hingehört. Dann hat man noch Leute verloren wie z.b. Sané, der bei Hannover mehr fehlt als er den Schalkern nützt. Dazu das Reizklima im Verein, die Selbstherrlichkeit des Präsidenten und der dadurch veranlasste zeitweise Entzug der Unterstüzung durch die Fans. Da kommt vieles zusammen, was man Heldt und Breitenreiter nicht unbedingt vorwerfen kann. Doll auch nicht, der kam ja schon mitten in der Krise. Dass er sich seit "da lach ich mir doch den Ar*** ab" vom Sprachniveau her nicht groß verbessert hat, macht die Situation allerdings nicht besser.

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