Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Juventus' Remis gegen Tottenham

Der alte Mann und die Torwartecke

Offensiv spektakulär, in der Abwehr zu Beginn stabil: Juventus fand perfekt ins Achtelfinal-Hinspiel der Champions League. Dann aber zeigten die Italiener ungewohnte Schwächen - und Tottenham nutzte das.

REUTERS

Gianluigi Buffon

Von
Mittwoch, 14.02.2018   00:32 Uhr

Szenen des Spiels: In der 26. Minute kam Tottenhams Harry Kane aus drei Metern Torentfernung frei zum Kopfball. Der Abschluss des Angreifers war zwar nicht präzise genug, dennoch war auch die Reaktion von Juventus-Keeper Gianluigi Buffon bemerkenswert. Der 40-Jährige bewahrte sein Team vor dem Anschlusstreffer. In der 72. Minute ließ Buffon dann aber einen Freistoß von Christian Eriksen in die Torwartecke rutschen. Buffons Leistungsabfall war symbolisch für das Spiel seines Teams.

Das Ergebnis: Beim ersten Aufeinandertreffen in einem Pflichtspiel haben sich Juventus und Tottenham im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals 2:2 (2:1) getrennt. Hier geht's zur Meldung.

Die erste Hälfte: Juventus führte nach neun Minuten 2:0. Erst verschlief die Spurs-Defensive einen schnell ausgeführten Freistoß, dann foulte Ben Davies seinen Gegenspieler Federico Bernardeschi im Strafraum ungestüm. In beiden Fällen profitierte Gonazlo Higuaín mit einem Tor (beim ersten allerdings aus einer Abseitsposition heraus). Kane brachte sein Team wieder heran, Higuáin schoss einen zweiten Elfmeter unmittelbar vor der Pause an die Latte.

Fotostrecke

Champions League: Tottenhams erfolgreiche Aufholjagd

Die zweite Hälfte: Tottenham drängte auf den Ausgleich, war das bessere Team und wurde belohnt. Eriksen traf mit einem direkten Freistoß und sicherte seinem Team damit ein Unentschieden (72.). Zuvor waren Bernardeschi (57.) und Mario Mandzukic (58.) noch an Tottenhams Keeper Hugo Lloris gescheitert.

Mehr als "nur" Abwehrspezialisten: In nur einer Szene zeigte Juventus, was diese Mannschaft zu leisten imstande ist - defensiv wie offensiv. Mattia de Sciglio eroberte in der 30. Minute im eigenen Strafraum mit einer Grätsche gegen Dele Alli den Ball. Sekunden später kam Higuaín im gegnerischen Strafraum zum Abschluss - und verpasste das 3:0 um Zentimeter. Das macht Juve aus: hohe Stabilität in der Defensive, extreme Torgefahr im entscheidenden Moment. Aber...

... 30 Minuten reichen nicht: Es war nicht überraschend, dass Juventus sein Spiel mit zwei Toren Vorsprung auf das reduzierte, was das Team am besten kann: verteidigen. Immerhin waren die Italiener in zuvor sieben Pflichtspielen in Folge ohne Gegentor geblieben. Wie anfällig der Gastgeber sich dann aber präsentierte, das überraschte sehr. Wie gesagt: Buffons plötzlicher Patzer hatte eine gewisse Symbolik. In der ersten halben Stunde ließ Juve nur einen Abschluss aufs Tor zu (den Kopfball von Kane), danach aber noch fünf weitere - zwei führten zu Toren. Erstmals seit 17 Pflichtspielen kassierte Juve mehr als einen Gegentreffer. Vor allem aber ließ Juventus den Gegner zu stark in gefährliche Räume vordringen.

Getty Images

Harry Kane trifft zum 1:2

Spiel auf halbem Platz: Durch die frühe Führung verlagerte sich das Spiel extrem in die Spielhälfte von Juventus. In der durchschnittlichen Position standen insgesamt acht von zehn Feldspielern der Spurs in der gegnerischen Hälfte. Bei Juventus galt das nur für zwei Akteure (Higuaín und Douglas Costa). Eine so torgefährliche Mannschaft wie Tottenham bestraft das.

Duell der Top-Torjäger: Mit Higuaín (bis zum Anpfiff 18 Tore in 33 Pflichtspielen in der laufenden Saison) und Kane (32 in 33) trafen zwei außergewöhnliche Stürmer aufeinander. Kane spielte auffälliger, mit Blick auf die Tore ging das private Duell durch die zwei Tore des Argentiniers aber knapp an Higuaín - trotz des verschossenen Elfmeters.

AP

Gonzalo Higuaín

Serie ausgebaut: Auch wenn Juve mit dem Remis wohl nicht zufrieden ist, so geht ein Lauf doch weiter. In der Champions League hat der Klub aus der Serie A nun 23 Heimspiele hintereinander nicht verloren. Die letzte Niederlage in der Königsklasse auf eigenem Platz setzte es vor knapp fünf (!) Jahren - 2013 im Viertelfinale gegen die Bayern.

Fazit des Spiels: Es war eine unterhaltsame, hochklassige Partie. Sie hat gezeigt, dass Tottenham sich offensiv auch gegen extrem defensivstarke Mannschaften wie Juventus durchzusetzen weiß. Gerade in Turin ist ein solcher Auftritt beachtlich. Die Turiner Nachlässigkeit dürfte vor allem neutrale Zuschauer mit Blick auf das Rückspiel freuen: Durch die zwei Auswärtstore der Spurs darf sich Juventus im Wembley-Stadion nicht mit einer sicheren Verteidigung begnügen.

Juventus - Tottenham Hotspur 2:2 (2:1)
1:0 Higuaín (2.)
2:0 Higuaín (9. Foulelfmeter)
2:1 Kane (35.)
2:2 Eriksen (72.)
Juventus: Buffon - de Sciglio, Benatia, Chiellini, Alex Sandro - Khedira (66. Bentancur), Pjanic - Bernadeschi, Douglas Costa, Mandzukic (76. Sturaro) - Higuaín
Tottenham: Lloris - Aurier, Sánchez, Vertonghen, Davies - Dembélé, Dier - Eriksen (90.+2 Wanyama), Alli (83. Son), Lamela (88. Lucas) - Kane
Schiedsrichter: Felix Brych
Gelbe Karten: Benatia, Higuaín, Bentancur / Davies, Aurier
Besonderes Vorkommnis: Higuaín schießt Foulelfmeter an die Latte (45.+2)
Zuschauer: 41.500

insgesamt 2 Beiträge
einfachisnich 14.02.2018
1. Unterhaltung pur
Ich fand es ein unterhaltsames Spiel, ganz so wie es sich für die CL gehört. Man sieht aber auch das Gigi nicht mehr der Jüngste ist. Einer der Besten Torhüter ever sollte nicht nur "voraussichtlich" sonden mit [...]
Ich fand es ein unterhaltsames Spiel, ganz so wie es sich für die CL gehört. Man sieht aber auch das Gigi nicht mehr der Jüngste ist. Einer der Besten Torhüter ever sollte nicht nur "voraussichtlich" sonden mit Sicherheit und mit allen Ehren am Saisonende seine aktive Karriere beenden.
romeov 14.02.2018
2. Zerfahrenes Spiel
...mit einer eigenartigen Spielstrategie von Juve, man macht zwei Tore, dann überlässt man dem Gegner fast das gesamte Spielfeld, stellt sich mit allen Mann vor das Tor und Tottenham schafft es trotzdem immer wieder zentral, [...]
...mit einer eigenartigen Spielstrategie von Juve, man macht zwei Tore, dann überlässt man dem Gegner fast das gesamte Spielfeld, stellt sich mit allen Mann vor das Tor und Tottenham schafft es trotzdem immer wieder zentral, durch die gesamte Abwehr, vor das Tor zu kommen. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass die so auf der Insel was reissen werden.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Fotostrecke

Sieger Uefa Champions League

Jahr Verein
2017 Real Madrid
2016 Real Madrid
2015 FC Barcelona
2014 Real Madrid
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP