Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Der Fall Kathryn Mayorga

Ronaldos Verteidigungslinie

Zwei Wochen haben die Anwälte von Topfußballer Cristiano Ronaldo gebraucht, um ihre Verteidigung gegen Kathryn Mayorgas Vergewaltigungsvorwürfe aufzubauen. Nun ziehen sie die Informationen des SPIEGEL in Zweifel.

AFP

Cristiano Ronaldo

Von , , Nicola Naber, , , und
Donnerstag, 11.10.2018   16:38 Uhr

Cristiano Ronaldo hat ein Team aus Juristen um sich formiert, mit dem er sich gegen die Vergewaltigungsvorwürfe der US-Amerikanerin Kathryn Mayorga verteidigen will. Sein portugiesischer Anwalt Carlos Osório de Castro, seit Jahren als Rechtsberater an der Seite des Fußballstars, ist in die USA gereist und stellt eine Mannschaft von Anwälten zusammen, die nun eine Verteidigungsstrategie entwerfen soll.

Es ist eine Reaktion auf die Vergewaltigungsvorwürfe, die der SPIEGEL aufgedeckt hat. Im vergangenen Jahr hatte der SPIEGEL bereits über ein Schweigeabkommen zwischen Ronaldo und dem mutmaßlichen Opfer Kathryn Mayorga berichtet. Vor zwei Wochen hatte die 34-Jährige in dem Nachrichtenmagazin erstmals öffentlich massive Vorwürfe gegen Ronaldo erhoben: Er habe sie im Juni 2009 in einem Hotel in Las Vegas vergewaltigt.

Der SPIEGEL hatte zudem aus Dokumenten zitiert, in denen Ronaldos Team vor der außergerichtlichen Einigung die Sicht Ronaldos auf die Geschehnisse in der Nacht in Las Vegas erfragte. In einem dieser Protokolle steht, dass Mayorga "mehrfach Nein und Stopp" gesagt und Ronaldo sich anschließend bei ihr entschuldigt habe. In einer späteren Version des gleichen Dokuments sahen die Antworten anders aus. Dort heißt es nicht mehr, dass Mayorga protestiert und dass Ronaldo sich entschuldigt habe.

Neuer Anwalt, neues Statement

Nach der Veröffentlichung im SPIEGEL erklärte die Polizei von Las Vegas, dass sie die Ermittlungen in diesem Fall wieder aufgenommen habe. Sie gab bekannt, dass sie die Beweismittel untersuchen will, darunter DNA-Spuren, die Mayorga am Tag der angeblichen Vergewaltigung in einem Krankenhaus hatte sichern lassen. Auch Ronaldo selbst wollen die Ermittlungsbehörden anhören, gab ein Polizeisprecher bekannt.

Gegenüber Mayorgas Anwalt soll sich zunächst der Prominenten-Strafverteidiger David Chesnoff als Ronaldos Vertreter gemeldet haben. Am Mittwochabend äußerte sich aber nun ein neuer Anwalt öffentlich zum Fall. Der US-Amerikaner Peter S. Christiansen ließ ein Statement veröffentlichen und von Ronaldos Berateragentur Gestifute verbreiten. Darin zweifelte Christiansen die SPIEGEL-Berichterstattung an und behauptete, "maßgebliche Teile" der Dokumente seien "manipuliert" oder sogar "komplette Fälschungen".

Damit haben sich Ronaldos Anwälte offenbar für eine Verteidigungsstrategie entschieden, die sie bereits mehrfach bei missliebiger Berichterstattung angewendet haben. Als der SPIEGEL erstmals im April 2017 über den mutmaßlichen Vergewaltigungsfall und die außergerichtliche Einigung zwischen Mayorga und Ronaldo berichtete, nannten die Berater den Bericht "journalistische Fiktion". In dem Statement räumt Christiansen nun allerdings ein, dass es dieses Settlement gegeben und dass Ronaldo ihm zugestimmt habe.

"Unzuverlässige" Informationen?

Auch als der SPIEGEL Ronaldos Steuerhinterziehung enthüllte, griffen seine Juristen auf die gleiche Strategie zurück: Sie erklärten, die Journalisten könnten nur auf "unzuverlässige" Informationen zurückgreifen. Ronaldo dementierte damals den Vorwurf der Steuerhinterziehung. Mittlerweile hat er ihn eingestanden und Millionen Euro an den spanischen Staat gezahlt, um einer möglichen Gefängnisstrafe zu entgehen.

Über den mutmaßlichen Vergewaltigungsfall von Las Vegas hat der SPIEGEL mehrere Hundert Dokumente aus verschiedenen Quellen vorliegen, auf denen die Berichterstattung basiert.

In jahrelanger Recherche wurden die Dokumente analysiert und durch weitere Recherche ergänzt. Alle Informationen wurden vor der Veröffentlichung sorgfältig geprüft.

Harte Arbeit, sportliches Talent, ehrenvolles Verhalten

Vor Veröffentlichung des Artikels hatte der SPIEGEL Ronaldos Vertreter über die Recherche informiert und ihm die Möglichkeit gegeben, dazu Stellung zu beziehen. Damals hatten Ronaldos Rechtsvertreter nicht bestritten, dass die Dokumente, auf die sich die Anfrage des SPIEGEL bezog, authentisch sind. Den Vorwurf der "manipulierten" Dokumente erhebt nun erst Ronaldos neuer Anwalt, zwei Wochen nach Veröffentlichung des SPIEGEL-Artikels.

In seinem Statement weist Ronaldos Verteidiger darauf hin, dass das damalige Settlement kein Schuldeingeständnis sei. Der Anwalt schreibt: "Weit entfernt von jeglichem Schuldeingeständnis oder anderen Hintergedanken, wurde Ronaldo dazu geraten, die Anschuldigungen gegen ihn privat zu regeln, um die unvermeidlichen Versuche zu verhindern, die jetzt gemacht werden, seinen Ruf zu zerstören."

Diesen Ruf habe Ronaldo sich "durch harte Arbeit, sportliches Talent sowie ehrenvolles Verhalten" erworben. Der Spieler werde sich nicht weiter äußern und alle rechtlichen Angelegenheiten seinen Anwälten in den USA und in Europa überlassen. Ronaldo sei zuversichtlich, "dass die Wahrheit diesen Trubel überleben wird", schreibt sein Anwalt, und er vertraue auf die Justiz des US-Bundesstaats Nevada.

Den dortigen Behörden obliegen nun weitere Ermittlungen in dem mutmaßlichen Vergewaltigungsfall. Stand jetzt kennen nur Kathryn Mayorga und Cristiano Ronaldo die Wahrheit über die Ereignisse der Nacht im Juni 2009. Ronaldo bestreitet den Vorwurf der Vergewaltigung. Für den Fußballstar gilt bis auf Weiteres die Unschuldsvermutung.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP