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Doping

Wada-Ermittler spricht von Vertuschungssystem im russischen Fußball

Neue Erkenntnisse zum möglichen Dopingskandal im russischen Fußball: Richard McLaren geht davon aus, dass hier ein separates System auffällige Proben vertuschen sollte.

DPA

Richard McLaren

Mittwoch, 28.06.2017   19:56 Uhr

Der russische Fußball gerät zunehmend unter Druck. Richard McLaren, Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Behörde (Wada), geht davon aus, dass es im Fußball des Gastgeberlands der WM 2018 ein separates System gab, um auffällige Dopingproben zu vertuschen.

Die britische Zeitung "Mail on Sunday" hatte berichtet, dass die Fifa gegen den gesamten WM-Kader Russlands von 2014 ermittelt. Von russischer Seite gab es zuletzt heftige Dementis. Die Fifa bestätigte Ermittlungen, ohne Namen zu nennen. McLaren hatte in zwei Berichten für die Wada institutionell gestütztes Doping in Russland bewiesen. Insgesamt seien in der Zeit von 2011 bis 2015 über tausend Sportler an dem Programm beteiligt gewesen.

Bislang waren Russlands Fußballer von konkreten Dopingvorwürfen verschont geblieben. Nun sollen neben den 23 Nationalspielern Russlands von 2014 elf weitere Fußballer mit Doping in Verbindung gebracht werden.

Wada untersucht 155 beschlagnahmte Dopingproben

Dazu laufen derzeit noch Untersuchungen: "Es gibt noch 155 Proben, die nicht analysiert wurden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat sie beschlagnahmt. Das haben wir der Fifa gemeldet", sagte der Kanadier der ARD. McLaren geht davon aus, dass diese Urinproben entweder manipuliert worden seien, um positive Tests zu verhindern, oder dass Dopingsubstanzen darin zu finden seien.

"Es gab offenbar eine Bank mit sauberem Urin - und diese Bank wurde offenbar für Fußballer genutzt", sagte der Ermittler. Hinweise darauf würden sich beispielsweise im Mailverkehr russischer Funktionäre finden.

"Deutlich über dem Grenzwert", soll ein anonymer Verfasser in einer Mail vom Juni 2015 geschrieben haben. "Dexamethason", ein verbotenes Stimulans, sei im Urin eines männlichen Fußballers aus der ersten russischen Liga gefunden worden. McLaren stellt klar: "Nach unseren Informationen wurde versucht, diese Probe auszutauschen." Auf ARD-Anfrage reagierten weder der Weltverband Fifa noch die Europäische Fußball-Union (Uefa) oder der russische Verband und das russische Sportministerium.

Löw fordert, dass Namen genannt werden

Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw forderte derweil gnadenloses Durchgreifen. "Ich möchte, dass die Institutionen, die auch uns immer testen, Namen nennen, wenn es denn so sein sollte. Dann darf das niemand unter dem Tisch halten. Wenn Spieler gedopt sind, gehören sie aus dem Verkehr gezogen und gesperrt", sagte Löw.

Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel erhöhte den Druck. Entscheidend sei, dass der Weltverband bei der WM 2018 alle Dopingkontrollen unabhängig von der Welt-Anti-Doping-Agentur durchführen lasse, "weil das ein Zeichen dafür wäre, dass sowohl die Fifa als auch das austragende Land Russland keinerlei Zugriff" auf die Proben hätten.

aev/sid/dpa

insgesamt 7 Beiträge
ex_Kamikaze 28.06.2017
1. Könnte, Hätte., Sollte, Möglicherweise
Was soll das? Alles was dieser dubiose Mann geliefert hat ist nicht ansatzweise gerichtsfest und hochgradig politisch motiviert. Wenn es ernsthafte Beweise gibt dann soll durchgegriffen werden. Aber auch nur dann. Bis diese [...]
Was soll das? Alles was dieser dubiose Mann geliefert hat ist nicht ansatzweise gerichtsfest und hochgradig politisch motiviert. Wenn es ernsthafte Beweise gibt dann soll durchgegriffen werden. Aber auch nur dann. Bis diese vorliegen wäre es sinnvoll auf die Behauptungen und den Hokuspokus um die bösen Russen zu verzichten. Fakten und Beweise - das wäre mal was statt Behauptungen und Vermutungen!
brooklyner 28.06.2017
2.
Soso, der dubiose Mann... Wenn etwas dubios ist, dann sind das die russischen Machenschaften. Und was Russland seit Jahren in allen Bereichen dieses korrupten Selbstbedienungsstaates abzieht, ist ehrlich gesagt ziemlich böse. [...]
Zitat von ex_KamikazeWas soll das? Alles was dieser dubiose Mann geliefert hat ist nicht ansatzweise gerichtsfest und hochgradig politisch motiviert. Wenn es ernsthafte Beweise gibt dann soll durchgegriffen werden. Aber auch nur dann. Bis diese vorliegen wäre es sinnvoll auf die Behauptungen und den Hokuspokus um die bösen Russen zu verzichten. Fakten und Beweise - das wäre mal was statt Behauptungen und Vermutungen!
Soso, der dubiose Mann... Wenn etwas dubios ist, dann sind das die russischen Machenschaften. Und was Russland seit Jahren in allen Bereichen dieses korrupten Selbstbedienungsstaates abzieht, ist ehrlich gesagt ziemlich böse. Und jetzt bitte keinen Whataboutism, es geht um Russland und nichts anderes.
M. Vikings 28.06.2017
3. Mann ist das scheinheilig von Herrn Löw.
Als würde der nicht wissen, wie das Anti-Dopingsystem der FIFA funktioniert oder eben nicht funktioniert. Ich will das hier nicht näher ausführen, aber wen das Thema interessiert, der kann sich hier einen kurzen [...]
Als würde der nicht wissen, wie das Anti-Dopingsystem der FIFA funktioniert oder eben nicht funktioniert. Ich will das hier nicht näher ausführen, aber wen das Thema interessiert, der kann sich hier einen kurzen Überblick verschaffen. http://www.spox.com/de/sport/fussball/wm/wm2014/1406/News/anti-doping-programm-der-fifa-bei-endrunde-in-brasilien-hat-eklatante-schwaechen.html Mit den Namen und den Beweisen hat er allerdings recht. Hier eine Liste von über 300 Spielern die trotzdem bereits erwischt wurden: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Dopingfall_im_Fußball Die nationalen Ligen haben dann auch eher ein Dopingwarnsystem, wenn man in der Halbzeit 2 Leute auslost, die man am Ende des Spiels kontrolliert und es ihnen vorher sagt. Es ist ein flächendeckendes Problem im Fussball. Deshalb kann man die Aktion der Wada auch getrost als ideologisch motiviert sehen. Dem weltweiten Kampf gegen Doping bringt das nicht wirklich etwas. Dazu müssten die Kontrollsysteme grundlegend verändert werden.
anark 28.06.2017
4.
Nun ist es durchaus möglich, dass im nationalen Rahmen Dopingproben manipuliert werden können. Das wirft aber auch die Frage auf, inwieweit das Kontrollsystem der UEFA funktioniert, an deren Wettbewerben auch russische Clubs [...]
Nun ist es durchaus möglich, dass im nationalen Rahmen Dopingproben manipuliert werden können. Das wirft aber auch die Frage auf, inwieweit das Kontrollsystem der UEFA funktioniert, an deren Wettbewerben auch russische Clubs teilnehmen. Da plustern sich die deutschen ÖR - Sender mal wieder mächtig auf um dann ein paar Minuten später für ihre Übertragungen von der Dopingtour kräftige Werbung zu machen. An Heuchelei ist diese Gesellschaft nicht zu überbieten.
nesmo 28.06.2017
5. Für wie dämlich
werden die Menschen von der FIFA und den Russen eigentlich gehalten? Nach Jahrzehnten andauernder Hinweise auf Staatsdoping in Russland in allen Sportarten, die immer mit dem Hinweis auf fehlende Beweise abgebügelt wurden, liegen [...]
werden die Menschen von der FIFA und den Russen eigentlich gehalten? Nach Jahrzehnten andauernder Hinweise auf Staatsdoping in Russland in allen Sportarten, die immer mit dem Hinweis auf fehlende Beweise abgebügelt wurden, liegen zig Beweise vor. Der ehemalige oberste Antidopingkontrolleur Russlands räumte massives staatliches Doping ein, hunderte von Proben über Doping liegen vor und Russland stammelt weiter, noch ist gar nichts bewiesen. So wird der Fussball wie der Radsport schon zerstört, wenn die FIFA die russischen Albernheiten mitmacht. Statt Aufklärung peinliche Vertuschung, weil es um angeblich zuviel geht. Unerträglich dämlich.

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