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Sport

Drei Thesen zur Bundesliga

Der Videobeweis hat Mitschuld an Bremens Niederlage

Eine neue Regelauslegung schwächte die Bremer. Joshua Kimmich muss zwingend wieder nach hinten rechts rücken, und Marco Reus hat im deutschen Fußball eine Ausnahmestellung inne.

FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Davy Klaassen (l.)

Von und
Sonntag, 16.12.2018   11:44 Uhr

1. Der Videobeweis hat Mitschuld an der Bremer Niederlage

Das Spiel zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen war gerade sieben Minuten alt, als Paco Alcácer von Raphael Guerreiro auf links steil geschickt wurde und allein aufs Tor zuging. Der Spanier überlupfte Werder-Torwart Jiri Pavlenka. Davy Klaassen rettete mit einer waghalsigen Aktion auf der Linie. Im Anschluss rutschte Klaassen gegen die Torbefestigung und zog sich dabei eine Prellung zu, wegen der er in der 18. Minute ausgewechselt werden musste.

So etwas kann immer passieren, in dieser Szene hätte es aber nicht passieren müssen. Alcácer stand beim Pass von Guerreiro im Abseits. Das Schiedsrichtergespann ließ weiterlaufen - wahrscheinlich, weil es seit Einführung des Video Assistant Referees (VAR) die Ansage gibt, strittige Situationen zunächst zu Ende spielen zu lassen, weil man Tore im Zweifel auch im Nachhinein noch aberkennen kann. Klaassen wurde diese Auslegung zum Verhängnis.

Es lässt sich nicht sagen, ob Werder mit Klaassen gegen die starken Dortmunder ein besseres Ergebnis erzielt hätte. Aber der Niederländer ist fraglos ein wichtiger Bestandteil des Bremer Spiels - gerade im defensiven Umschaltverhalten, das Werder gegen den BVB in der Folge große Probleme bereitete. Dass sich Klaassen verletzte, war Pech: Doch dass es überhaupt zu der Situation kam, hätte vermieden werden können. Allerdings ist den Unparteiischen kein Vorwurf zu machen, weil sie die Regel so auslegten, wie es gewollt ist. Vielmehr ist es damit ein Problem der neuen Richtlinie durch den Videobeweis.

2. Marco Reus ist der beste deutsche Fußballer

DPA

Marco Reus (l.) und Paco Alcácer (r.)

Sechs Schüsse, ein Tor, dazu eine Passquote von mehr als 95 Prozent in der gegnerischen Hälfte - und das bei einer Reihe technisch anspruchsvoller Kombinationen in höchstem Tempo. Marco Reus hat gegen Werder Bremen mal wieder gezeigt, dass er im Moment der beste deutsche Fußballer ist.

Für die überragende Hinrunde des BVB, die das Team von Lucien Favre auf dem ersten Tabellenplatz abschließen wird, ist Kapitän Reus ein entscheidender Faktor. Der 29-Jährige ist verletzungsfrei, hat alle 15 Saisonspiele bestritten und ist mit zehn Toren und acht Assists Topscorer der Bundesliga.

Besonders beeindruckend war gegen Bremen das Zusammenspiel und nahezu blinde Verständnis zwischen Reus und Alcácer, die immer genau die Räume besetzten, die der jeweils andere durch seine Laufwege öffnete. In dieser Form wäre Reus für jeden Verein der Welt eine Verstärkung.

3. Bayern braucht Kimmich als Rechtsverteidiger

Getty Images

Joshua Kimmich (l.) und Leon Goretzka (r.)

Kaum hatte Bayern-Trainer Niko Kovac sein System nach dem 3:3 gegen Düsseldorf auf zwei defensive Mittelfeldspieler umgestellt, war mehr Stabilität im Spiel der Münchner gegeben. Mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka war die neue Mittelfeldzentrale gefunden. Durch die Verletzung von Thiago und das Formtief von Javi Martínez von der Rechtsverteidigerposition nach vorne gespült, schien Kimmich in seiner Lieblingsrolle aus Jugendzeiten gesetzt - für die Gegenwart und erst recht für die Zukunft.

Doch kaum ist Thiago wieder spielfähig, zeigt sich, dass die Münchner mit Thiago im Mittelfeld und Kimmich auf der rechten Seite weitaus mehr Schlagkraft entwickeln als mit dem deutschen Nationalspieler in zentraler Position und Rafinha in der Abwehr. Beim 4:0 (2:0) in Hannover glänzten Thiago mit 166 (!) Ballaktionen und Kimmich mit einem Tor und zwei Vorlagen. Wenn die Münchner national und international in dieser Spielzeit noch angreifen möchten, brauchen sie Thiago und Kimmich dort, wo sie der Mannschaft am meisten helfen. Gemeinsam, und nicht als Konkurrenten im Mittelfeld.

insgesamt 31 Beiträge
jkoller 16.12.2018
1. Das sehe ich anders
Die Verletzung ist passiert, weil der Spieler einen Sport ausübt, bei dem so etwas passieren kann und eben unglücklich gegen das Tor gerutscht ist. Alles andere ist konstruiert. Der BVB ist allerdings benachteiligt worden in den [...]
Die Verletzung ist passiert, weil der Spieler einen Sport ausübt, bei dem so etwas passieren kann und eben unglücklich gegen das Tor gerutscht ist. Alles andere ist konstruiert. Der BVB ist allerdings benachteiligt worden in den letzten Spielen, also im Derby und gg. Werder. Derby-Elfmeter gg. den BVB war schon hart, dann im nächsten Spiel gg. Werder bleibt das Telefon stumm obwohl Reus quasi umgeholzt wird. Das ist Mist.
skeptikerjörg 16.12.2018
2. Wirklich der Videobeweis?
Sorry, aber diese Theorie ist Quatsch und kann nur von jemandem kommen, der nie selbst ernsthaft Fußball gespielt hat. Klaasen konzentriert sich nur auf Alcazer und seinen Torwart, also nach links und setzt dann in vollem Tempo [...]
Sorry, aber diese Theorie ist Quatsch und kann nur von jemandem kommen, der nie selbst ernsthaft Fußball gespielt hat. Klaasen konzentriert sich nur auf Alcazer und seinen Torwart, also nach links und setzt dann in vollem Tempo dem Ball hinterher. Selbst, wenn der Assistent an der Linie die Fahne gehoben hätte, hätte er das nicht gesehen. Und auch bei einem Pfiff hätte er in den 0,2 Sekunden nicht abbremsen können. Davon abgesehen besteht auch die Möglichkeit, dass das Schirigespann das knappe Abseits gar nicht erkannt hatte. Vorschlag: Szene in voller Länge nochmal ansehen und neue Schlussfolgerung ziehen. Für Klaasen hoffe ich, dass es nichts gravierendes ist.
thinlineman 16.12.2018
3. zu 1. - auch ich sehe das anders
Einfach die Sekunden zwischen der Hereingabe und dem Rettungsversuch von Klaassen zählen. Was hätte da ein Pfiff in Reaktion auf die erhobene Fahne des Linienrichters bewirken sollen?
Einfach die Sekunden zwischen der Hereingabe und dem Rettungsversuch von Klaassen zählen. Was hätte da ein Pfiff in Reaktion auf die erhobene Fahne des Linienrichters bewirken sollen?
tobias2710 16.12.2018
4. Wie wäre es mit Nein?
Ich als Bremer und Werder Fan der gestern bei dem Spiel mitgefiebert hat und sehr enttäuscht war als Klaasen sich verletzt muss sagen: Wat? Wie jemand schon gesagt hat, klingt das so, als wenn jemand selber nie gekickt hat. [...]
Ich als Bremer und Werder Fan der gestern bei dem Spiel mitgefiebert hat und sehr enttäuscht war als Klaasen sich verletzt muss sagen: Wat? Wie jemand schon gesagt hat, klingt das so, als wenn jemand selber nie gekickt hat. Niemand würde den Ball reinlassen selbst wenn er einen Pfiff hört, weil das nicht zwangsläufig vom Schiri sein muss und gleichzeitig die Zeitspanne viel zu kurz um zu reagieren war. Es war einfach Pech, da kann niemand was dafür, außer dass jemand die Idee gut findet, Tore aufzustellen die hinten Metallstangen haben. Durfte dadurch mich auch einmal schwer verletzen. Und bei uns gab es auch keinen Videoschiri.
JonaE 16.12.2018
5. Mitschuld?
Der VAR hatte garantiert keine Mitschuld an Bremens Niederlage. Es wurde ein klarer Elfmeter für Dortmund nicht gegeben trotz VA und ein Abseitstor wurde Dortmund zu Recht nicht anerkannt. Zu der Situation mit Davy Klaasen sei [...]
Der VAR hatte garantiert keine Mitschuld an Bremens Niederlage. Es wurde ein klarer Elfmeter für Dortmund nicht gegeben trotz VA und ein Abseitstor wurde Dortmund zu Recht nicht anerkannt. Zu der Situation mit Davy Klaasen sei zu sagen, dass es kaum spekulativer sein kann zu behaupten er hätte sich 1. wohl nicht verletzt und 2. hätte Bremen nicht verloren! Zu 1. Das die Linienrichter so spät die Fahne heben kann viele Gründe haben, natürlich auch den im Artikel genannten, aber es ist auch denkbar, dass der Asisstent sich nicht sicher war. Dann hätte er die Fahne ohne VAR auch nicht gehoben, da im Zweifel für den Angreifer. Zumal war die ganze Situation viel zu schnelllebig als das man hätte Davy zurückpfeifen können, wenn er schon in der Luft ist, um den Ball auf der Linie zu klären. Zu 2. Die torbeteiligungen von Davy halten sich in Grenzen, Bremen hat im Ganzen spiel nur ein Tor gemacht. Ob mit oder ohne Klaasen reicht eine solche Leistung nicht, der Autor sollte nächstes Mal sein Brementrikot im Schrank liegen lassen und den VAR dort kritisieren wo es nötig es (die diversen Fehlentscheidungen in letzter Zeit) und nicht auf solchen Lapalien rumreiten.

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