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Sport

Bewerbung um die Fußball-EM 2024

Warum Deutschland der Favorit ist

Wer bekommt die Fußball-EM 2024? Deutschland und die Türkei bewerben sich, der DFB kann sich gute Hoffnungen auf den Zuschlag machen. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die EM-Abstimmung.

DPA

DFB-Delegationschef Philipp Lahm

Von
Mittwoch, 26.09.2018   11:42 Uhr

Deutschland oder doch die Türkei - am Donnerstag fällt im schweizerischen Nyon die Entscheidung darüber, wer die Fußballeuropameisterschaft 2024 ausrichtet. Der DFB hat die Bewerbung zum "Leuchtturmprojekt" erkoren, umso größer wäre die Fallhöhe, wenn man den Zuschlag gegen alle Erwartung nicht erhielte. Alles Wichtige, was man über diesen Abstimmungstag wissen sollte, gibt es hier.

Wer entscheidet am Donnerstag?

Über die Ausrichtung der Europameisterschaft in sechs Jahren entscheidet das Exekutivkomitee der Uefa. Es besteht an sich aus 20 Personen, allerdings sind DFB-Präsident Reinhard Grindel und der türkische Vertreter Servet Yardimci als befangen von der Abstimmung ausgeschlossen. Da der Schwede Lars-Christer Olsson schwer krank ist und wahrscheinlich nicht wird erscheinen können, bleiben 17 abstimmende Mitglieder. Im Falle eines Patts entscheidet der Uefa-Präsident Aleksander Ceferin mit seiner Stimme die Abstimmung.

Beide Delegationen werden am Donnerstag noch einmal ihre Bewerbungen präsentieren, bevor abgestimmt wird. Die Entscheidung wird laut Uefa frühestens ab 14.45 Uhr bekannt gegeben. Auf Unterstützung aus Politik, Kultur oder Entertainment müssen die Delegationen verzichten, das untersagt das Regelwerk. Es ist also anders als noch bei der Vergabe der WM 2006, als der DFB mit dem Bundeskanzler Gerhard Schröder und Claudia Schiffer eine gewaltige Bugwelle machte. Stattdessen müssen jetzt Reinhard Grindel, Bundestrainer Joachim Löw und Delegationsleiter Philipp Lahm für Glamour sorgen. Und der fällt naturgemäß geringer aus als 2006. Aber das waren dereinst ohnehin andere Zeiten, und das ist angesichts der Umstände, unter denen damals die Turniere vergeben wurden, ja auch gut so.

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EM 2024 in Deutschland: In diesen Stadien rollt der Ball

Warum gibt es nur zwei Bewerber?

Nur Deutschland und die Türkei haben sich offiziell beworben. Der DFB war bereits 2013 vorgeprescht, der damalige Präsident Wolfgang Niersbach verkündete die Bewerbung auf dem DFB-Bundestag. Nach der WM-Erfolg 2014 wurde die EM-Bewerbung beim Verband mit der höchsten Priorität gehandelt. Die Türkei zog später nach, erst 2017 bewarb sie sich offiziell. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte dazu: "Wir sind immer bereit, jedes Sportereignis auszurichten."

Wer hat die besseren Chancen?

Die Favoritenrolle liegt ganz klar bei Deutschland. Die Weste des Verbandes ist zwar durch die Sommermärchen-Affäre und den Fall Mesut Özil deutlich befleckt worden, dennoch: Deutschland geht spätestens nach dem vergangenen Freitag, als die Uefa beide Kandidaturen bewertete und dem DFB deutlich bessere Noten gab, als wahrscheinlicher Sieger in die Abstimmung. Was allerdings nicht heißt, dass man als sicherer Sieger auch aus der Abstimmung herauskommt. Es sind immer noch Spitzenfunktionäre des Fußballs, die dort abstimmen. Bei denen weiß man nie.

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Wo liegen die deutschen Stärken?

Deutschland hat die Infrastruktur für ein solches Turnier bereits jetzt. Die Stadien sind in gutem Zustand, es muss wenig nachgerüstet werden. Die deutschen Arenen bieten insgesamt zudem deutlich mehr Zuschauern Platz als die türkischen, die zudem noch teilweise gebaut werden müssen. Die Wirtschafts- und Währungskrise in der Türkei spielt dem DFB zudem in die Karten. Wenn es um ökonomische Fragen und ums Geld geht, reagieren Fußballfunktionäre normalerweise sensibel.

Und wo ist die Türkei im Vorteil?

Zumindest pro forma auch beim Geld. Erdogan hat der Uefa Steuerfreiheit versprochen und dass für die Stadien keine Miete anfällt. Beides will der DFB zum Unwillen der Uefa nicht garantieren, die Deutschen zweifeln allerdings, ob die Türkei diese Versprechen angesichts der mauen Wirtschaftslage einhalten kann. Die Türkei hat sich schon dreimal vergeblich beworben und pocht darauf, endlich mal an der Reihe zu sein. Das könnte bei der Abstimmung eine Rolle spielen - mit diesem Argument hat zum Beispiel das südkoreanischer Pyeongchang 2018 endlich die Winterspiele zugesprochen bekommen. Zudem haben türkische Politiker in den vergangenen Monaten genüsslich auf die Rassismusdebatte in Deutschland verwiesen. Die Rolle, die der DFB dabei gespielt hat, hat seiner Bewerbung wahrlich nicht genutzt.

Welche Bedeutung hat die Entscheidung für den DFB?

Wichtiger als für den DFB ist die Entscheidung für seinen Präsidenten. Für Reinhard Grindel war es ein Sommer des Missvergnügens, sein schwammiges Hin und Her im Fall Özil hat seine Position deutlich geschwächt - besonders stark war sie schon vorher nicht. Einen neuerlichen Fehlschlag kann sich der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete nicht mehr erlauben - das könnte dann wohl einer zu viel gewesen sein. Was Grindel bisher im Amt gehalten hat und ihn auch künftig retten könnte, ist paradoxerweise genau seine Schwäche. Der Deutschen Fußball-Liga als der Vertretung des Profifußballs ist es ganz lieb, wenn in Frankfurt ein Präsident sitzt, der nicht als starker Gegenpol und als populärer Anwalt der Amateure den Rummenigges und Watzkes das Leben schwer macht. Grindel ist ein Präsident, der sie ihre Geschäfte machen lässt.

insgesamt 60 Beiträge
antelatis 26.09.2018
1. Einseitig
Nach dem, was in er Türkei los ist, wäre es doch ein Wahnsinn, denen die EM zu geben. Klar ist Deutschland da Favorit, weil die praktisch keine Konkurrenz haben.
Nach dem, was in er Türkei los ist, wäre es doch ein Wahnsinn, denen die EM zu geben. Klar ist Deutschland da Favorit, weil die praktisch keine Konkurrenz haben.
werlesenkann 26.09.2018
2. Geld, Geld, Geld...
...wird den Ausschlag geben und da ist Deutschland einfach viel reicher. Die UEFA scheint ja genauso "seriös" wie die FIFA zu sein, also wird der sportliche Aspekt keine Rolle spielen.
...wird den Ausschlag geben und da ist Deutschland einfach viel reicher. Die UEFA scheint ja genauso "seriös" wie die FIFA zu sein, also wird der sportliche Aspekt keine Rolle spielen.
dernameistprogramm 26.09.2018
3. Das kann man/frau aber auch ganz anders sehen!
Es gibt zahlreiche Aspekte, die hinsichtlich der EM-Vergabe für die Türkei sprechen! Alleine schon dieses begeisterungsfähige Publikum. Waren Sie schon einmal im Türk Telekom Stadyumu?! Etwas auch nur Annäherndes werden [...]
Zitat von antelatisNach dem, was in er Türkei los ist, wäre es doch ein Wahnsinn, denen die EM zu geben. Klar ist Deutschland da Favorit, weil die praktisch keine Konkurrenz haben.
Es gibt zahlreiche Aspekte, die hinsichtlich der EM-Vergabe für die Türkei sprechen! Alleine schon dieses begeisterungsfähige Publikum. Waren Sie schon einmal im Türk Telekom Stadyumu?! Etwas auch nur Annäherndes werden Sie in der BRD vergeblich suchen... Aber wie gesagt, es gibt auch noch weitere Gründe... Drücke den TürkInnen die Daumen, wir hatten ohnehin erst vor Kurzem unser ach so schönes Märchen...
dr.könig 26.09.2018
4. Die Türkei ist mal an der Reihe
Deutschland hat alles erreicht und alles schon mehrmals gehabt. Die Türkei ist jetzt zum 4. Male Bewerber und sollte den Zuschlag erhalten. Die Infrastruktur des Fussball in der Türkei bekäme einen Schub und der Beliebtheit [...]
Deutschland hat alles erreicht und alles schon mehrmals gehabt. Die Türkei ist jetzt zum 4. Male Bewerber und sollte den Zuschlag erhalten. Die Infrastruktur des Fussball in der Türkei bekäme einen Schub und der Beliebtheit auch im Nachwuchsbereich täte es gut.
kumi-ori 26.09.2018
5.
Wir hatten doch gerade erst (Sommermärchen!). Können die das nicht irgendwo anders machen? Spanien, Frankreich oder England, da sind es die Menschen ohnehin gewohnt, viel mehr Geld für Fußball auszugeben als bei uns.
Wir hatten doch gerade erst (Sommermärchen!). Können die das nicht irgendwo anders machen? Spanien, Frankreich oder England, da sind es die Menschen ohnehin gewohnt, viel mehr Geld für Fußball auszugeben als bei uns.

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