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Sport

EM-Qualifikation

Das muss die Löw-Elf schaffen

Die Teilnahme an der EM 2020 dürfte für die deutsche Nationalmannschaft zu einer Pflichtübung werden. Ob sie dann zurück in der Weltspitze ist, wird man nach der Qualifikation aber nicht wissen.

AFP

Bundestrainer Joachim Löw

Von
Sonntag, 02.12.2018   14:41 Uhr

Es gibt die klassischen Bewertungen nach Auslosungsprozeduren im Fußball: Machbar, lösbar, unangenehm, schwierig. Das sind die üblichen Adjektive, und nach der Entscheidung über die deutschen Gegner zur EM-Qualifikation war je nach Blickwinkel wieder alles davon dabei. Nur das so gern benutzte "Hammer-Los" - das konnte man nach der Auslosung der Qualifikationsgruppen in Dublin beim besten Willen nicht anwenden. Jetzt, wo klar ist, auf wen die Löw-Elf treffen wird, muss man sagen: Die Qualifikation ist ein Muss, der Uefa sei Dank.

Bei der Europameisterschaft 2020, diesem merkwürdigen Turnier, bei dem gleich zwölf europäische Länder als Gastgeber fungieren und zwischen Cardiff, Baku, Rom und London hin und her gereist wird, werden 24 Mannschafen an den Start gehen. Das bedeutet, dass sich aus den zehn Gruppen die ersten beiden qualifizieren.

Die Löw-Elf könnte es sich also erlauben, den Vergleich mit den Niederlanden zu verlieren, und wäre als Gruppenzweiter dennoch bei der Reise-EM mit von der Partie. Angesichts der Qualität der übrigen Teams in Gruppe C sollte, nein, muss das für eine Mannschaft, die vor fünf Monaten immerhin noch amtierender Weltmeister war, gelingen.

Nordirland, Estland, Weißrussland - kein Maßstab

Bei allem Respekt vor dem Team Nordirlands und den Will-Grigg-Gesängen seiner Fans: Die Duelle mit der Mannschaft bei der EM 2016 und der anschließenden WM-Qualifikation haben nicht unbedingt Anlass gegeben, dass beim DFB in der Otto-Fleck-Schneise größere Sorgen ausbrechen dürften. Für Estland, gegen das Deutschland letztmals am 29. Juni 1939 antrat, und Weißrussland gilt das in noch verstärktem Maße.

So bleiben die Niederlande als Härte- und Charakterprüfung übrig. Bei der Nations League hat das DFB-Team im Oktober in Amsterdam vielleicht die dramatischste Niederlage des an dramatischen Niederlagen nicht armen WM-Jahres bezogen. Trotz der Weltmeisterschaftspleiten gegen Mexiko und Südkorea: Das 0:3 gegen Oranje, das zuvor selbst die WM verpasst hatte, war ein Offenbarungseid, es war die Talsohle, die man im Sommer bereits erreicht zu haben glaubte.

Im Rückspiel in Gelsenkirchen gab es ein 2:2 nach 2:0-Führung. Gute Ansätze im Konterspiel waren erkennbar, ebenso deutlich war aber auch der Rückfall in bekannte Schwächen. Und die Erkenntnis, dass die Niederländer in ihrem Wiederaufbauprogramm schon ein Stück weiter sind als die Löw-Elf. Allein schon deswegen werden die Duelle mit der Elftal ein Gradmesser, inwieweit der vielbesungene Umbruch im DFB-Team Fortschritte macht. Bondscoach Ronald Koeman hat die Auslosung so kommentiert: "Ich hatte die Deutschen nicht erwartet, ich bin nicht glücklich. Aber die Deutschen sind sicher auch nicht glücklich." Das trifft es ganz gut.

Selbstfindung wird fortgesetzt

So wird das Jahr 2019 wohl vor allem ein Länderspieljahr werden, in dem die Nationalmannschaft ihre Selbstfindung fortsetzen wird. Die Resultate gegen Nordirland, Estland und Weißrussland werden, wenn die Spiele so ausgehen, wie man es erwarten darf, keine große Aussagekraft haben. Der DFB hat dank des Umstands, dass die Mannschaft in einer Fünfergruppe spielt, noch Zeit und Gelegenheit für zwei Testspiele. Da sollte man sich sportlich attraktive Mannschaften aussuchen, um ausloten zu können, wie es um Struktur und Qualität des Teams bestellt ist.

Löw selbst hat die Gruppe als "normal schwierig" bezeichnet, Manager Oliver Bierhoff davon gesprochen, dass "es uns hätte härter treffen können". Das ist zweifellos richtig. Die Nationalmannschaft hat in diesem Jahr allerdings auch die Erfahrung gemacht, was es ausrichten kann, wenn man läppische Spiele gegen Saudi-Arabien oder gegen, nichts für ungut, Österreich herunterspielt und nicht ernst nimmt. Das böse Erwachen kam beim WM-Turnier.

2018 war eine Zäsur in der DFB-Geschichte, das schlechteste Jahr in der Historie der Nationalmannschaft. 2019 wird besser werden. Aber das wird wahrscheinlich nicht viel bedeuten.

insgesamt 28 Beiträge
aliof 02.12.2018
1. Nederland sagt hup
.. lasst sie kommen ! .. und diesmal werden sie die Nase vorn haben. Bleibt also Nordirland. .. sind die von einer so verunsichertem , äh D-TEAM, zu schlagen ??
.. lasst sie kommen ! .. und diesmal werden sie die Nase vorn haben. Bleibt also Nordirland. .. sind die von einer so verunsichertem , äh D-TEAM, zu schlagen ??
Mister Stone 02.12.2018
2.
Im Titelabschnitt taucht schon wieder so eine überhebliches Wort auf "Pflichtübung". Erstens ist das keine Übung, was unsere Nationalmannschaft erwartet, sondern wie bei jeder Quali eine unbestechliche Auslese, wie [...]
Im Titelabschnitt taucht schon wieder so eine überhebliches Wort auf "Pflichtübung". Erstens ist das keine Übung, was unsere Nationalmannschaft erwartet, sondern wie bei jeder Quali eine unbestechliche Auslese, wie schon in der Vorrunde bei der WM. Hat aber keiner beim DFB gemerkt, es war ja die "Mission Titelverteidigung" ausgerufen worden. Also stand man schon vor Beginn der Vorrunde im Endspiel, oder? Und zweitens gibt es Pflichtübungen vielleicht beim Bodenturnen, aber nicht im Fußball. Dort gibt es Pflichtspiele! Pflichtübung klingt ähnlich hochnäsig wie "Mission Titelverteidigung".
checkitoutple 02.12.2018
3. Mit Löw als Trainer würde ich sagen dritter Platz wäre ein Erfolg
Wen da ein cleverer Trainer auf der Gegnerischen Bank sitzt hat Deutschland keine Chance. Man denke an Mexico und Korea bei der WM. Vo daher dürfte Nordirland schon mal kaum zu schlagen sein. Mein Tipp Ohne Deutschland fahrn [...]
Wen da ein cleverer Trainer auf der Gegnerischen Bank sitzt hat Deutschland keine Chance. Man denke an Mexico und Korea bei der WM. Vo daher dürfte Nordirland schon mal kaum zu schlagen sein. Mein Tipp Ohne Deutschland fahrn wir zur EM.
coyote38 02.12.2018
4. Kein Maßstab für die deutsche Elf ...?
Meint der Autor so wie "Mexiko-Schweden-Südkorea"-kein-Maßstab ...? Ich habe 2018 von der Mannschaft KEIN EINZIGES überzeugendes Spiel über 90 Minuten gesehen. Vielleicht sollten wir mal so langsam etwas kleinere [...]
Meint der Autor so wie "Mexiko-Schweden-Südkorea"-kein-Maßstab ...? Ich habe 2018 von der Mannschaft KEIN EINZIGES überzeugendes Spiel über 90 Minuten gesehen. Vielleicht sollten wir mal so langsam etwas kleinere Brötchen backen ...
Crom 02.12.2018
5. @2
Von Pflichtübung schreiben die Medien. Das kann man dem Team nicht anlasten, genauso wenig wie, dass ein Titelverteidiger selbstverständlich wieder um den Titel mitspielen will.
Von Pflichtübung schreiben die Medien. Das kann man dem Team nicht anlasten, genauso wenig wie, dass ein Titelverteidiger selbstverständlich wieder um den Titel mitspielen will.

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