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Sport

FC Barcelona ohne Messi

Erstaunlich emanzipiert

Der wichtigste Spieler fällt mit gebrochenem Arm aus - aber ohne Lionel Messi machte Barcelona gegen Inter eines der besten Saisonspiele. Die Mannschaft zeigte, dass sie als Team funktionieren kann.

REUTERS
Aus Barcelona berichtet
Donnerstag, 25.10.2018   10:15 Uhr

Große Spieler schaffen es, immer im Mittelpunkt zu stehen, wenn sie spielen. Dort auch aufzutauchen, wenn sie gar nicht auf dem Platz stehen, ist aber Legenden vorbehalten. Nach seinem Unterarmbruch muss Lionel Messi drei Wochen aussetzen, trotzdem drehte sich alles um ihn.

Am Mittwochabend im Camp Nou war der Künstler anwesend, aber nur als Zuschauer. Den lädierten rechten Arm in einer Schlinge, auf dem Kopf eine Kappe mit großer Bulldoggenstickerei und neben sich seinen ältesten Sohn Thiago, verfolgte Messi den 2:0-Sieg seiner Mannschaft gegen Inter Mailand.

AP

Lionel Messi

Barcelona dominierte die gesamte Partie und feierte den dritten Sieg im dritten Champions-League-Spiel. Gleich mehrere Spieler verdienten sich großes Lob für ihre Leistung, aber die Emanzipation vom Superstar ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass diese Leistungen für sich stehen können. Alles was beim FC Barcelona geschieht, wird an Messi gemessen. "Barça ohne Messi warnt Real" ("Marca"), "Auch ohne Messi Barça" ("AS") und "Barça siegt ohne Messi" ("El País") waren die großen Überschriften der ersten Analysen in Spanien.

Und auch Trainer Ernesto Valverde versuchte gar nicht erst, ein anderes Hauptthema zu finden. "Wir haben das sehr gut gemacht und auf Messis Ausfall die richtige Antwort gefunden", sagte der 54-Jährige. "Das war der Schritt, den wir machen mussten."

Vier Spiele ohne Sieg in der Liga

Valverde meinte damit nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Art und Weise. In der Champions League hatte seine Mannschaft zwar zuvor schon zwei deutliche Siege mit jeweils vier eigenen Toren gefeiert (4:0 gegen Eindhoven, 4:2 bei Tottenham). Fünf der acht Treffer hatte Messi erzielt, in der Liga kommt er auf sieben Tore in neun Spielen. Und nicht mal das reichte, um sein Team immer glänzen zu lassen. Gegen Girona, Bilbao und Valencia gab es nur Unentschieden, bei Leganés sogar eine Niederlage. Seit dem Wochenende ist Barça zwar wieder Tabellenführer, trotzdem waren die Misstöne der vergangenen Wochen mehr als nur Klagen auf hohem Niveau. Es gab strukturelle Probleme im Spiel der Katalanen.

Deshalb war es besonders spannend zu sehen, wie sich Barcelona gegen Inter anstellen würde. Die Italiener hatten ihre letzten sieben Spiele gewonnen, am vergangenen Wochenende auch noch das Derby gegen AC Milan. Den hohen Erwartungen wurden sie nun aber nicht gerecht. Inter war klar unterlegen und hatte eigentlich nur ein Stilmittel: Chaos stiften. Nur wenn es ihnen mal gelang, Barcelonas Passspiel irgendwie zu zerstören und dem herrenlosen Ball schnell nachzusetzen, kam etwas Tempo auf und ganz, ganz selten Torgefahr. Mauro Icardi, einer der besten Strafraumstürmer der Welt, hatte kaum starke Szenen.

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Marcelo Brozovic (liegend)

Auffälliger war da schon der ehemalige Bundesligaspieler Ivan Perisic (Dortmund, Wolfsburg), der auch mit 29 Jahren immer noch schnell genug ist, um Verteidigern davonzulaufen. Die vielleicht nicht beste, aber meistbeachtete Szene der Partie hatte aus Inter-Sicht Marcelo Brozovic, der das Fundament einer Mailänder Freistoßmauer verstärkte, indem er sich dahinterlegte - und so den Flachschuss von Luis Suárez abwehrte.

Der Erfolg beschränkte sich allerdings auf solche Nebensächlichkeiten. Barca hatte keine Mühe, der Plan Valverdes, den Gegner "nicht das eigene Spiel machen zu lassen", wurde von seinen Spielern beeindruckend umgesetzt. Marc-André ter Stegen im Tor bekam wenig zu tun. Vor allem die Zentrale um Ivan Rakitic, Arthur und Sergio Busquets teilte sich die Arbeit des Balleroberns, Ballsicherns und Ballverteilens clever auf. Alle drei spielten nicht fehlerfrei, aber auf so hohem Niveau, dass man Inter nur mit Wohlwollen eine Handvoll erfolgreicher Spielzüge über mehr als drei Stationen zuschreiben konnte.

Dem 22 Jahre alten Brasilianer Arthur konnte man dabei zusehen, wie er nach und nach immer mehr Selbstvertrauen entwickelte, neben der Pflicht als Zerstörer auch noch die Kür als Dribbler einflocht und sein bisher bestes Spiel für seinen neuen Klub machte. Als der Zugang von Gremio Porto Alegre nach 78 Minuten ausgewechselt wurde, gab es für ihn Extraapplaus und Pfiffe für Trainer Valverde, der in Arturo Vidal einen beim feingeistigen Barca-Publikum weniger beliebten Spielertypen einwechselte. Er bekomme "gleich noch mal Gänsehaut", sagte Arthur später, als er auf die Szene angesprochen wurde.

Neben Arthur hatte es auch Rafinha in die Startelf geschafft, der Bruder von Bayern Münchens Thiago. Auch er spielte stark, inklusive schönem Tor zum 1:0, - und dürfte es Ousmane Dembélé so noch schwerer machen, bald wieder von Anfang an zu spielen. Auch wenn vor allem in der Offensive im Moment vieles von Philipe Coutinho und Suárez abhängt und Chancen nicht mehr so selbstverständlich herausgespielt werden, wie in den vergangenen Jahren, ist Barca mit so einer Leistung wie gegen Inter im Clásico am kommenden Sonntag (16.15 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) der Favorit. Und anders als Real Madrid bleibt Barcelona ja zudem die Gewissheit, dass ihr Jahrhundertspieler in ein paar Wochen wieder dabei sein wird.

FC Barcelona - Inter Mailand 2:0 (1:0)
1:0 Rafinha (32.)
2:0 Alba (83.)
Barcelona: ter Stegen - Roberto, Piqué, Lenglet, Alba - Rakitic, Busquets, Arthur (78. Vidal) - Rafinha (72. Semedo), Suárez, Coutinho (88. Munir).
Inter: Handanovic - d'Ambrosio, Skriniar, Miranda, Asamoah - Vecino, Brozovic - Candreva (46. Politano), Valero (63. Martinez), Perisic (77. Baldé), Icardi.
Schiedsrichter: Hategan (Rumänien)
Gelbe Karten: Suárez - Skriniar, Brozovic, Martinez.

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Jahr Verein
2017 Real Madrid
2016 Real Madrid
2015 FC Barcelona
2014 Real Madrid
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

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