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Bayern-Star

Ribérys Zeit neigt sich dem Ende zu

Seit zehn Jahren spielt Franck Ribéry beim FC Bayern, so lange wie kein anderer Profi. Er hat die großen Erfolge des Teams mitgeprägt - aber nun?

Foto: dpa
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Mittwoch, 10.01.2018   18:43 Uhr

In diesen Tagen erreichen die Redaktionen viele Aufnahmen von Bundesligaprofis, die unter südlicher Sonne im Trainingslager bei Lauf- und Ballübungen zu sehen sind. Der FC Bayern macht sich wie in jedem Jahr in Katar für die Rückrunde fit - und von dort schickte die Fotoagentur ein Bild von Franck Ribéry, am Boden hockend und liegend den Ball balancierend.

Ein Bild mit einem gewissen Symbolgehalt: Ribéry war zuletzt schließlich immer wieder verletzt. Aber wenn er spielt, hat er auch immer noch seine starken Momente, versteht er immer noch, den Ball nach allen Regeln der Kunst zu beherrschen.

Ob diese Momente ausreichen, um den Franzosen mit einem neuen Vertrag zu bedenken, das wird bei den Bayern derzeit durchaus strittig verhandelt. Ribérys Kontrakt läuft zum Saisonschluss aus. Es ist ein Vertrag, der ihm bislang noch immer ein Jahresgehalt von geschätzt zehn bis zwölf Millionen Euro garantiert hat. Selbst bei einem so reichen Verein wie dem FC Bayern stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, einen Mittdreißiger erneut so üppig auszustatten.

REUTERS

Zwei aus der Bayern-Familie

Bayern München hat Franck Ribéry viel zu verdanken, seit zehn Jahren ist der Franzose in Diensten der Münchner. Als er kam, standen im Bayern-Kader noch Willy Sagnol und Hamit Altintop, Marcell Jansen und Zé Roberto. Torwart war Oliver Kahn, Trainer Ottmar Hitzfeld - witzigerweise war der einzige Bayern-Spieler, der außer Ribéry damals und heute dem Bayern-Aufgebot angehörte, Winterzugang Sandro Wagner.

Ribéry ist zu einer Art Markenbotschafter der Bayern geworden, er hat die große Zeit dieser Mannschaft miterlebt und mitgeprägt. Aber Ribéry hat auch den Bayern viel zu verdanken. Der Verein hat seinen Profi gestützt, als er in den Negativschlagzeilen war, als Ribérys Affäre mit einer Minderjährigen öffentlich wurde, als er in Frankreich zum Sündenbock für das WM-Desaster 2010 erklärt wurde. Der Verein hat ihn auch in schwächeren Spielzeiten nicht in Frage gestellt. Beide Seiten haben viel voneinander gehabt. Ein Verhältnis in der Waage.

Nur sieben Treffer seit Beginn der Saison 2015/2016

Zuletzt haben sich jedoch die Gewichte verlagert, und das macht eine Vertragsverlängerung zu einer komplizierteren Angelegenheit. Ribéry ist immer noch ein starker Vorbereiter, in der Vorsaison hat er 18 Assists in 31 Saisonspielen auf seinem Konto, in den beiden Spielzeiten davor waren es allerdings deutlich weniger (6/10), als Torschütze selbst tritt er mit sieben Treffern seit Beginn der Saison 2015/2016 kaum noch in Erscheinung. Seine Tempodribblings, die große Stärke des Franck Ribéry, bringt er längst nicht mehr so erfolgreich am Gegenspieler vorbei wie früher. Wie auch? Er wird im April 35 Jahre alt.

Stattdessen treten die Spielsituationen in den Vordergrund, in denen er sich Undiszipliniertheiten leistet: Fouls. Dies war immer schon eine Schwäche im Ribéry'schen Auftritt, jetzt kommt allerdings hinzu, dass er im Zweikampf zuweilen den Moment zu spät erwischt, der die saubere Grätsche von der rüden Attacke unterscheidet. Auch hier hinterlassen fast 20 Jahre Profifußball ihre Spur.

AFP

Mittlerweile ein Markenbotschafter der Bayern

Ribéry selbst wird in der "Bild"-Zeitung mit dem Satz zitiert, es sei "Wahnsinn, wie gut ich spielen kann, wenn ich gesund bin". Vielleicht wäre es aber auch Wahnsinn, wenn die Bayern ihre Hoffnung weiterhin auf den 34-jährigen Franck Ribéry (links) und den fast 34-jährigen Arjen Robben (rechts) setzten. Auch der Niederländer hat noch keinen neuen Vertrag. Das Kalkül des Klubs von vor zwei Jahren, die zwei verdienten Flügelspieler nach und nach durch die jüngeren Kingsley Coman und Douglas Costa abzulösen, ist nicht aufgegangen. Coman ist erst wieder dabei, das von ihm ausgehende Versprechen wahrzumachen und wurde nun vor Weihnachten mit einem Langfristvertrag ausgestattet. Costa ist schon wieder weg, begleitet von schmutzigen Nachrufen der Vereinsspitze.

Entscheidungen aus dem Bauch

Fußball ist ein unromantisches Geschäft, auch wenn beim FC Bayern der Vorstand gerne betont, dass es Dinge gibt, die jenseits der reinen Ökonomie anzusiedeln sind. Wahrscheinlich gibt es tatsächlich wenige Top-Vereine in Europa, bei denen das Sentiment und das Bauchgefühl auch bei wichtigen Management-Entscheidungen eine so große Rolle spielen wie beim Rekordmeister unter Präsident Uli Hoeneß.

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Franck Ribéry beim FC Bayern

Vertrag verlängern? Oder nicht verlängern?

Ribéry ist Teil dieses Sentiments, er ist Bayern-Familie wie der ständige Trainer-Rückkehrer Jupp Heynckes. Aber verlassen sollte sich der Franzose nicht darauf. Auch Bastian Schweinsteiger war Bayern-DNA, und er wurde nach fast 20 Jahren beim Rekordmeister vom Verein verabschiedet wie ein Praktikant auf der Geschäftsstelle nach vier Wochen.

Am Dienstagabend nach der Rückkehr aus Katar hat der FC Bayern ein letztes Testspiel vor dem Rückrundenstart am Freitag bei Bayer Leverkusen (20.30 Uhr TV: ZDF; Liveticker SPIEGEL ONLINE) absolviert. Gegen den Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach gewannen die Bayern 5:3. Franck Ribéry wurde im zweiten Durchgang eingewechselt, er machte das dritte, vierte und fünfte Tor.

Es war nur ein Test, es war nur Großaspach, aber es bleiben drei Tore.

insgesamt 49 Beiträge
schwaebischehausfrau 10.01.2018
1. Es gab mal ne Zeit beim FC Bayern...
...da hat man selbst deutlich jüngeren und ebenfalls verdienten Spielern beim FC Bayern wie Ze Roberto oder Mark van Bommel einen 2-Jahres-Vertrag verweigert, weil das nun mal die eiserne Regel bei Bayern sei. Robben und Ribery [...]
...da hat man selbst deutlich jüngeren und ebenfalls verdienten Spielern beim FC Bayern wie Ze Roberto oder Mark van Bommel einen 2-Jahres-Vertrag verweigert, weil das nun mal die eiserne Regel bei Bayern sei. Robben und Ribery sind in 3 Monaten 34 bzw. 35 Jahre alt. Und auf ihrer Position, auf der sie auch von ihrer Schnelligkeit leben, ist das eigentlich noch kritischer als bei einem zentralen Mittelfeldspieler. Wenn Xabi Alonso letztes Jahr in der Rückwärtsbewegung nur noch "getrabt" ist, war das schon fatal genug. Alles was bei beiden Spielern über einen 1-Jahres-Vertrag hinausgeht, wäre Wahnsinn und würde einen nur noch mehr an der angeblichen "Professionalität" des Managements beim FCB zweifeln lassen. Und auch solch verdienten Spielern sollte es zumutbar sein, bei einem 1-Jahresvertrag mit 34 oder 35 eine leistungsbezogene Klausel zu akzeptieren. Ansonsten bitte das "Gnadenbrot als Spieler" in China oder den USA suchen und dann gerne später mal als "Markenbotschafter" (als Nachwuchs-Trainer kann ich mir ehrlich gesagt Ribery schwer vorstellen) oder Funktionär (Robben) zum Verein zurückkommen.
doppelnass 10.01.2018
2. Viel Text für wenig Worte
Ribèry hat gestern, nachdem er drei Tore schoss, auf die Frage nach seinem Verbleib sehr entspannt reagiert:"Ich habe noch fünf Monate Vertrag, alles ist gut und wir werden sehen. Es gibt viele Optionen." Damit ist [...]
Ribèry hat gestern, nachdem er drei Tore schoss, auf die Frage nach seinem Verbleib sehr entspannt reagiert:"Ich habe noch fünf Monate Vertrag, alles ist gut und wir werden sehen. Es gibt viele Optionen." Damit ist alles gesagt.
verruca 10.01.2018
3. Reicht locker!
Rib und Rob sind nach wie vor das Maß der Dinge auf den Flügeln. Zumindest national und zumindest solange sie topfit sind. Auch für die CL reicht es durchaus noch, da beide so manchem Emporkömmling a la Dembele jeweils über [...]
Rib und Rob sind nach wie vor das Maß der Dinge auf den Flügeln. Zumindest national und zumindest solange sie topfit sind. Auch für die CL reicht es durchaus noch, da beide so manchem Emporkömmling a la Dembele jeweils über ein Dutzend Jahre internationale Erfahrung entgegensetzen können - auch wenn man speziell bei Francks Aktionen öfter mal einen 17jährigen Heißsporn statt eines doppelt so alten Routiniers vermuten könnte.
joe.micoud 10.01.2018
4.
Bin gespannt auf die Meinung der Bayernfans. Vernunft und Gefühl treffen hier wohl aufeinander. Ich selber schätze, dass von Ribery und Robben nur einer von beiden einen neuen Vertrag kriegt und da tippe ich eher auf Robben.
Bin gespannt auf die Meinung der Bayernfans. Vernunft und Gefühl treffen hier wohl aufeinander. Ich selber schätze, dass von Ribery und Robben nur einer von beiden einen neuen Vertrag kriegt und da tippe ich eher auf Robben.
carinanavis 10.01.2018
5. vernunft & gefühl
müssen sich nicht aussschließen, im Idealfall passt beides sogar zusammen. Als Hauptproblem Riberys wie auch Robben muss man doch die häufigen Verletzungen sehen. Für ihr Methusalemalter, wie es immer wieder angeprangert [...]
Zitat von joe.micoudBin gespannt auf die Meinung der Bayernfans. Vernunft und Gefühl treffen hier wohl aufeinander. Ich selber schätze, dass von Ribery und Robben nur einer von beiden einen neuen Vertrag kriegt und da tippe ich eher auf Robben.
müssen sich nicht aussschließen, im Idealfall passt beides sogar zusammen. Als Hauptproblem Riberys wie auch Robben muss man doch die häufigen Verletzungen sehen. Für ihr Methusalemalter, wie es immer wieder angeprangert wird, sind beide noch sehr schnell. Darüber steht ihr Trickreichtum, das Überraschungsmoment, zusammen mit der reichlichen Erfahrung von unzähligen internationalen Spielen. Das sollte man nicht einfach so herschenken. Solange die Leistung bei beiden noch stimmt, kann es gerne bis über 40 weitergehen. Der im Artikel erwähnte Ze Roberto wurde als Leistungsträger mit über 40 noch brasilianischer Pokalsieger und Meister. Selbst in diesem Alter muss man nicht in den Operettenligen Chinas (wohin es offenbar Aubemayang zieht) oder der USA spielen.
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