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Sport

Bayerns Sieg in Leverkusen

Ungewissheit als Motivation

Der FC Bayern hat in Leverkusen gewonnen und anschließend offene Zukunftsfragen diskutiert. Trainer Jupp Heynckes nutzt die ungeklärte Perspektive vieler Spieler geschickt, um das Team anzutreiben.

Getty Images

Arturo Vidal, Rafinha, Franck Ribéry und Arjen Robben

Aus Leverkusen berichtet
Samstag, 13.01.2018   09:38 Uhr

Wie der Held eines Hollywoodfilms, dessen abenteuerliche Reise durch die Höhen und Tiefen des Lebens in ein Happy End mündet, hat Sandro Wagner sich dann doch nicht gefühlt, als er nach 78 Minuten an seinem Sehnsuchtsort angekommen war.

"Es wäre schön, wenn da wie in so einem "Rocky"-Film die Bilder vorbeiziehen", sagte der Winterzugang von 1899 Hoffenheim, der einst beim Rekordmeister in der Jugend spielte, der dort vor zehn Jahren sein Profidebüt erlebte und immer ein großer Fan dieses Vereins geblieben ist, zwischenzeitlich aber lange Krisenphasen zu bewältigen hatte. "Nur kurz" habe er die Besonderheit des Moments gespürt, "dann bin ich auch schon in den ersten Zweikampf reingeflogen", sagte Wagner nach dem souveränen 3:1-Sieg des Tabellenführers im Rückrundeneröffnungsspiel bei Bayer Leverkusen.

Ganz ungetrübt war seine Freude über den Abend allerdings nicht, schließlich ist der Stürmer aus Hoffenheim nach München gekommen, um parat zu stehen, wenn Robert Lewandowski mal ausfällt oder eine Erholungspause braucht. Nun wurde der Pole nach Problemen mit der Patellasehne geschont, in der Startelf fehlte Wagner dennoch. "Ich habe auch gedacht, dass ich von Anfang an spiele", sagte er. Aber in München arbeitet derzeit ein Trainer, der viel Freude daran hat, Spieler zu ärgern, zu kitzeln und aus der Komfortzone herauszuholen.

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Bayerns Sieg in Leverkusen: Zittern bis zum James-Freistoß

Jeder habe mit Wagners Einsatz gerechnet, "aber so ticke ich nicht", sagte Jupp Heynckes und genoss das Staunen der Beobachter über seine Unberechenbarkeit. Wagner brauche wie alle neuen Spieler eine gewisse "Integrationszeit", erklärte der Trainer.

Statt des Neuzugangs spielte Thomas Müller in der Spitze (sein SPIX-Wert von 54 war der niedrigste aller Bayern-Feldspieler), der am Ende des Abends von einem "Zeichen" sprach, das die Bayern zum Rückrundenauftakt an die Konkurrenz gesendet hätten. Alle wüssten nun, dass auch im neuen Jahr nicht mit dem Tabellenführer "zu spaßen ist", einerseits wegen der drei gewonnenen Punkte, aber auch weil das Team "sehr ordentlich" Fußball gespielt habe. Und diese Münchner Eigenschaft als Respekt einflößender Tabellenführer, nehmen derzeit nicht nur die Gegner wahr, sondern auch die Spieler im eigenen Kader.

Wagner, der lange auf der Bank sitzen musste, genauso wie die Altmeister Franck Ribéry und Arjen Robben, die zwar spielten, sich aber ganz offenkundig auch über etwas mehr Zuneigung von ihrem Arbeitgeber freuen würden.

"Ich will so lange wie möglich bei Bayern sein"

Besonders Ribéry steht derzeit im Mittelpunkt vieler Debatten, der Vertrag des 34-jährigen Franzosen läuft aus, aber ist es klug zu verlängern? In einem Freundschaftsspiel unter der Woche gegen Sonnenhof Großaspach hatte Ribéry (überragender SPIX-Wert von 99 bei der Balleroberung) schon drei Treffer erzielt, in Leverkusen ließ er nun seinen ersten Saisontreffer in der Bundesliga folgen. Sein persönliches Saisonziel sei eine Vertragsverlängerung, erzählte er. "Ich will so lange wie möglich bei Bayern sein." Noch wurde ihm offenbar allerdings kein Angebot unterbreitet.

Ähnliches gilt für Arjen Robben, der sagte: "Ich bin am Saisonende frei, und wenn ich dann fit bin, gibt es sicher ein paar Optionen." Die Zukunft von Torhüter Sven Ulreich und von Rafinha ist auch ungeklärt. Dringend verlängern wollen die Bayern nur mit Jupp Heynckes, aber der ziert sich. Doch das Klima der Ungewissheit ist anscheinend äußerst fruchtbar.

Rechtsverteidiger Rafinha spielte jedenfalls eine starke Partie gegen Leverkusens neuen Star Leon Bailey, Ulreich erlebt die beste Zeit seiner Karriere. Ribéry trifft wieder und Robben arbeitet womöglich noch ein Stück professioneller als ohnehin schon, um seinen sensiblen Körper zu pflegen und seine Chancen auf einen letzten schönen Vertrag bei einem großen Klub zu erhalten. Aber die Strategen in der sportlichen Leitung müssen sich natürlich genau überlegen, welche Kaderplätze sie für neue Kräfte freiräumen sollen. Wie sie dieses Team weiterentwickeln wollen, das derzeit schon sehr stark von der Reife jener alten Helden getragen wird, mit denen Heynckes 2013 das Triple gewann.

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Bundesliga-Analyse: Warum München Wagner nicht braucht

Mit Rafinha, David Alaba, Jérôme Boateng, Javi Martínez, Robben, Ribéry und Müller spielten in Leverkusen sieben Leute, die schon vor fünf Jahren zu den Leistungsträgern zählten. Die Coolness, mit der sie in der zweiten Hälfte zu Werke gingen, war zweifellos imposant. Als Kevin Volland zum zwischenzeitlichen 1:2 traf, waren alle Voraussetzungen für eine aufregende Schlussphase geschaffen, das Publikum war bereit, die Werkself voller Energie. Der Glaube, das Spiel drehen zu können wehte über die Ränge.

Nur die Bayern ließ das kalt, mit all ihrer Erfahrung entschleunigten sie die Partie und bremsten die Emotionen des Gegners. "In den entscheidenden Situationen war der FC Bayern einfach abgeklärter", sagte Leverkusens Trainer Heiko Herrlich.

Und ein bisschen erinnern sie damit doch an den Kinoboxer Rocky, der auch als alternder Sportler immer wieder seinen Weg zum großen Erfolg fand.

insgesamt 10 Beiträge
doppelnass 13.01.2018
1. Heynckes
Don Jupp würde sich über diese Analyse wohl schlapp lachen. Mein Tipp: Mal die Presserunden mit ihm schauen, statt sich Knoten in die Gedanken zu machen.
Don Jupp würde sich über diese Analyse wohl schlapp lachen. Mein Tipp: Mal die Presserunden mit ihm schauen, statt sich Knoten in die Gedanken zu machen.
fairgame 13.01.2018
2. Wie Bayern
in den letzten 15 Minuten, als Leverkusen eigentlich alles auf eine Karte setzen musste, das Tempo aus dem Spiel genommen hat, war wirklich souverän. Beeindruckender war nur noch Riberys Tempodribbling zum 0:2. Hätte ich dem [...]
in den letzten 15 Minuten, als Leverkusen eigentlich alles auf eine Karte setzen musste, das Tempo aus dem Spiel genommen hat, war wirklich souverän. Beeindruckender war nur noch Riberys Tempodribbling zum 0:2. Hätte ich dem "alten" Mann nicht mehr zugetraut.
pefete 13.01.2018
3. Sandro Wagner
ist ja auch für die Bank gekauft worden. Der einzige der ein gutes Geschäft gemacht hat, ist der Spielvermittler.
ist ja auch für die Bank gekauft worden. Der einzige der ein gutes Geschäft gemacht hat, ist der Spielvermittler.
jjcamera 13.01.2018
4. Alter spielt keine Rolle
Bei Heynckes laufen die Spieler auf, mit denen er das Spiel gewinnt. Welche beruflichen Perspektiven diese Spieler noch haben, interessiert Heynckes nicht wirklich. Er ist ja nicht deren Agent. Er ist einfach nur einer der [...]
Bei Heynckes laufen die Spieler auf, mit denen er das Spiel gewinnt. Welche beruflichen Perspektiven diese Spieler noch haben, interessiert Heynckes nicht wirklich. Er ist ja nicht deren Agent. Er ist einfach nur einer der besten Vereinstrainer der Welt - auch mit über 70. Allein das zeigt, dass Alter keine Rolle spielt.
klausi_maiermüller 13.01.2018
5. Wer will das wirklich sehen?
Bayern München Dauermeister (Gähn) und alle Anderen tanzen vor blinkenden, zuckenden, laufenden, blitzenden Werbe-Wänden; Ball und Spieler verschwinden in vielen Szenen im Farbenmischmasch! Mittlerweile ist die vierte Etage der [...]
Bayern München Dauermeister (Gähn) und alle Anderen tanzen vor blinkenden, zuckenden, laufenden, blitzenden Werbe-Wänden; Ball und Spieler verschwinden in vielen Szenen im Farbenmischmasch! Mittlerweile ist die vierte Etage der Bandenwerbung eröffnet worden - Atmosphäre transportierende Zuschauer sieht man in Fernsehen nur noch bei einer Stadiontotalen! Die Bälle sind bei knie- bis brusthohen Torschüssen vor dem Farbenmischmasch der Wände oft nicht mehr sichtbar. Was will Werbung? ... sie will Aufmerksamkeit erregen, von Anderem ablenken und uns auf die Werbung fokussieren! Es wird von Halbsaison zu Halbsaison immer schlimmer: größer, blinkender, mehr Etagen, laufender, zuckender, farbiger. Wenn wir Zuschauer uns nicht wehren, werden wir in der Spielzeit 2018/2019 das erleben was man jetzt schon in der argentinischen Liga "besichtigen" kann. ES GEHT AUCH ANDERS: siehe die Bandenwerbung der engl. Premier League! Oder auch die Spiele der Nationalmannschaft - allerdings hat auch hier die Werbung das Laufen und Blinken gelernt!

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