Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Manuel Neuers Verletzung

Dann spielt halt Ulreich

Manuel Neuer fällt für den Rest der Hinrunde aus. Müssen die Bayern ohne Welttorhüter um ihre Saisonziele bangen? Ein Blick in die Statistiken zeigt: Für Münchenfans besteht kein Grund zur Panik.

imago/Sven Simon

Sven Ulreich

Von
Dienstag, 19.09.2017   17:30 Uhr

Und wieder ist es der linke Fuß. Manuel Neuer fällt mit einer Verletzung nicht nur für das Bundesligaspiel gegen seinen Ex-Klub Schalke 04 aus, der Nationaltorwart wird mehrere Monate fehlen. Erst zur Rückrunde dürfte er zwischen die Pfosten des Serienmeisters zurückkehren.

Schon im März hatte Neuer sich einer Operation unterziehen müssen, sein schnelles Comeback für die beiden Champions-League-Duelle gegen Real Madrid bezahlte er mit einer Fraktur und dem vorzeitigen Saisonaus. Erst am zweiten Spieltag der aktuellen Spielzeit konnte Neuer beim 2:0-Erfolg in Bremen wieder mitwirken. Sven Ulreich hatte ihn beim Saisonauftakt verteten und soll das auch für den Rest des Jahres tun. Ein Riesenproblem für den FC Bayern - oder sportlich verschmerzbar?

"Torwart beim FC Bayern? Einen einfacheren Job gibt es doch gar nicht!"

Für die Bundesliga nicht komplett falsch: Kein anderer Verein lässt weniger Torschüsse zu. In den vergangenen vier Jahren war es jeweils der FC Bayern, der ligaweit die wenigsten Abschlüsse aufs eigene Tor gestattete. Im Vorjahr flogen weniger als neun Bälle pro Spiel auf die Bayern-Keeper zu, in den letzten beiden Pep-Guardiola-Jahren waren es sogar im Schnitt nur 7,5. Zudem wird ein Großteil dieser Schüsse aus großer Distanz abgegeben: In der Saison 2016/2017 kamen 43 Prozent dieser Bälle von jenseits der 16-Meter-Linie - auch das ist Bundesliga-Spitzenwert.

In der Statistik liegen die beiden Keeper dennoch weit auseinander: In den vergangenen vier Jahren hat Neuer in 123 Bundesliga Spielen 65 Gegentore bekommen (0,52 Gegentore pro Spiel), Ulreich lief in der Liga erst siebenmal für den FC Bayern auf und musste dabei sechsmal hinter sich greifen (0,86 Gegentore pro Spiel). Diese wenigen Partien fanden allerdings zum Großteil spät in der Saison statt, als der FC Bayern bereits theoretisch (2016) oder zumindest praktisch als Meister feststand (2017), seine Vorderleute also eventuell nicht mehr mit vollem Einsatz spielten.

Das einzige echte Pflichtspiel mit Ulreich war das vergangene Pokalhalbfinale gegen den BVB. Das verlor der FC Bayern zwar mit 2:3, keines der drei Gegentore wurde jedoch durch den Neuer-Ersatz verschuldet.

"Neuer ist doch aber auch ein so guter Fußballer, fehlt der nicht als Anspielstation?"

Der Nationalkeeper gilt als technisch starker Kicker. Seit Carlo Ancelotti den FC Bayern trainiert, hat sich die Rolle des Torwarts im Spiel der Münchner aber wahrnehmbar verändert. Der Keeper steht nicht mehr ganz so hoch im Feld, ist wieder mehr Torwart als Libero. Auch die Zahlen unterstützen diese Beobachtung: In Ancelottis Premierensaison an der Säbener Straße spielten die drei Münchner Keeper durchschnittlich nur noch rund 26 Pässe pro Spiel, unter seinem Vorgänger Guardiola waren die Torhüter noch deutlich mehr ins Spiel eingebunden gewesen. In allen drei Bundesligasaisons unter Guardiola hatte Neuer mindestens 31 Pässe pro Begegnung gespielt - also etwa 20 Prozent mehr.

"Das Timing ist wirklich schlecht, nächsten Mittwoch geht es gegen Neymar!"

Abgesehen davon, dass es für eine Verletzung niemals einen perfekten Zeitpunkt geben kann und der Ausfall Neuers so kurz nach seinem Comeback eine gewisse persönliche Tragik hat: Einen besseren Zeitraum, um drei bis vier Monate zu fehlen, hätte sich Neuer kaum ausgucken können. Selbst wenn der FC Bayern beide Partien gegen die Startruppe von PSG verlieren sollte, wird er in einer Gruppe mit dem RSC Anderlecht und Celtic problemlos das Achtelfinale der Champions League erreichen, Platz eins ist letztlich nur fürs bayerische Ego relevant.

Ancelotti hat bereits im letzten Jahr darauf hingewiesen, dass sein Team erst im Frühjahr sein Leistungsmaximum erreichen muss. Neuer kann Spiele entscheiden, in denen sich zwei Teams auf ähnlichem Level gegenüberstehen. Und in der K.o.-Phase ist er dann im Normalfall wieder fit.

AFP

Manuel Neuer

Mit Ulreich hat der FC Bayern im Sommer 2015 genau für den aktuellen Fall eine profilierte und erfahrene Nummer zwei verpflichtet. Ulreich ist 29 Jahre alt, hat 183 Bundesligaspiele absolviert. Zur Erinnerung: In seinem letzten Spiel für den VfB Stuttgart musste sein Team unbedingt in Paderborn gewinnen, um die Klasse zu halten - und so kam es. Es ist also nicht zu erwarten, dass Ulreich jetzt in einem Heimspiel gegen Wolfsburg dem Druck nicht standhalten wird.

Das Fazit: In der Bundesliga hat ein Münchner Torwart ohnehin vergleichsweise wenig zu tun, seine Fehler kosten zudem seltener Punkte. Die Bedeutung als Anspielstation hat zudem unter Ancelotti abgenommen, Ulreich ist zudem einer der erfahrensten Ersatzmänner der Liga. Zumindest in der jetzigen Saisonphase könnten die Münchner den Ausfall ihrer Nummer eins also deutlich besser verkraften als im ersten Schockmoment angenommen.

insgesamt 6 Beiträge
ge1234 19.09.2017
1. Komische Überlegung!
Warum sollte Bayern beide Spiele gegen PSG verlieren? Solange die Katarer nicht die gleiche Summe, die sie in die Offensive investiert haben, auch in ihre Defensive stecken, sind sie weder gegen die Bayern noch insgesamt auf den [...]
Warum sollte Bayern beide Spiele gegen PSG verlieren? Solange die Katarer nicht die gleiche Summe, die sie in die Offensive investiert haben, auch in ihre Defensive stecken, sind sie weder gegen die Bayern noch insgesamt auf den CL-Titel Favorit!
jkutzner 19.09.2017
2. Trotzdem
Die psychologische Komponente ist nicht zu unterschätzen. Körpersprache und Mimik von Neuer sagten stets aus "Du kommst hier nicht rein". Das strahlt auch auf die Abwehr ab die ja immer noch im Ernstfall den [...]
Die psychologische Komponente ist nicht zu unterschätzen. Körpersprache und Mimik von Neuer sagten stets aus "Du kommst hier nicht rein". Das strahlt auch auf die Abwehr ab die ja immer noch im Ernstfall den Welttorhüter im eigenen Tor weiß. Ulreich ist sicher ein Guter, dennoch scheint mir die gesamte Abwehr mit ihm immer etwas "wackeliger". Heut Abend wissen wir mehr :-)
jnek 19.09.2017
3. Wow
Noch ein Artikel zum FC Bayern. Und das heutige Spiel wurde noch gar nicht richtig thematisiert. Da geht doch sicher noch was, oder? ;-)
Noch ein Artikel zum FC Bayern. Und das heutige Spiel wurde noch gar nicht richtig thematisiert. Da geht doch sicher noch was, oder? ;-)
peeka(neu) 19.09.2017
4. Das Problem ist nicht Ulreich
Die Frage ist, ob bei einer Verletzung oder einer Sperre von Ulreich Tom Starke sein Karriereende beendet oder ein 17-Jähriger das Bayerntor hütet.
Die Frage ist, ob bei einer Verletzung oder einer Sperre von Ulreich Tom Starke sein Karriereende beendet oder ein 17-Jähriger das Bayerntor hütet.
paysdoufs 19.09.2017
5. Uih!
Das war mir ganz entgangen das nächste Woche schon PSG gegen FCB ist... Da lehne ich mich mal aus dem Fenster und behaupte dass es völlig egal ist wer das Bayern-Tor hütet, da Geld Tore schießt und die Bauern eh' richtig einen [...]
Das war mir ganz entgangen das nächste Woche schon PSG gegen FCB ist... Da lehne ich mich mal aus dem Fenster und behaupte dass es völlig egal ist wer das Bayern-Tor hütet, da Geld Tore schießt und die Bauern eh' richtig einen auf die Mütze bekommen werden.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP